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„Arschgeign“ kein Kündigungsgrund

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Jetzt hat es Trambahnfahrer Heinz G. (44) Schwarz auf Weiß: Die Stadtwerke haben ihm wegen eines bayerischen Kraftausdrucks zu Unrecht gefeuert!

Die außerordentliche Kündigung sei rechtswidrig und unverhältnismäßig, heißt es in der schriftlichen Urteilsbegründung des Verwaltungsgerichts München (M 18 K 07.4969). Die Prozesskosten müssen die Stadtwerke bezahlen. Eine Berufung ließ das Gericht nicht zu.

Im Juni 2007 war Heinz G. mit einem Radlfahrer in Streit geraten, der seinen Drahtesel mit in die Tram nehmen wollte. Das versuchte der Straßenbahnfahrer zu unterbinden: „Das ist nicht erlaubt.“ Darauf habe sich der Radler aufgeplustert und gedroht, er werde dafür sorgen, dass Heinz G. seinen Job verliert. Dem Tramfahrer platzte der Kragen: „Für mich persönlich bist a Arschgeign!“

Die Stadtwerke reagierten prompt und feuerten Heinz G.: „Wir tolerieren keine Kundenbeschimpfung!“ Für die Beleidigung entschuldigte sich Heinz G., das Duzen jedoch gehöre zum Baierischen: „Ich siez‘ nur den Papst und sonst niemanden.“ Beifall gab‘s dafür von Mundartforschern, die das „Du“ für üblich halten. Doch die Stadtwerke wollen das nicht gelten lassen: „Kunden dürfen nicht geduzt werden.“ Da Heinz G. keinerlei Einsicht zeige, sei eine Kündigung der einzige Weg.

Auch die Richter stellten fest, dass der Tramfahrer gegen Pflichten verstoßen habe. Grundsätzlich könne eine Beleidigung ein Grund sein, einen Mitarbeiter zu feuern. Aber: Eine „besondere Verwerflichkeit“ sah das Gericht nicht, zumal der Fahrradfahrer den Kraftausdruck provoziert habe. Die Stadtwerke hätten alle Umstände des Einzelfalls prüfen und erst einmal eine Abmahnung aussprechen müssen: „Die Kündigung, insbesondere die außerordentliche Kündigung, ist das letzte, äußerste Mittel zur Regelung eines Interessenkonflikts.“

Elf Jahre hatte Heinz G. ohne Beanstandung als Straßenbahnfahrer gearbeitet und im April 2007 sogar eine Belobigung für vorbildliches Verhalten bekommen. Das Fehlverhalten im Juni sei somit ein Einzelfall, der die Kündigung nicht rechtfertige, stellten die Richter fest. Christian Miehling von der Stadtwerken ließ gegenüber der tz offen, wie es weitergeht: „Wir prüfen die Urteilsbegründung.“

Heinz G., der wieder Tram fahren will: „Ich befürchte, dass die Stadtwerke dieses Urteil nicht interessiert.“

E. Unfried

Quelle: tz

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