Münchner Kreative stellen im Lichthof an der Nymphenburger Straße aus

Die „Artmuc“ wagt den Neustart

Expats II - Das Kunstwerk ist auf der Artmuc zu sehen
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Mehr als zehn Monate war es coronabedingt sehr still um die Kunst in München. Nun erwacht sie wieder. An diesem Wochenende feiert die Szene den Neustart mit dem zweiten Teil des Kunst-Festivals ARTMUC re:start.

Nicht nur für die 26 Künstler ist das ein emotionales Ereignis, sondern auch für die Betrachter, wie Nathalie Bräutigam, eine der Ausstellerinnen, sagt: „Kunst und Kultur mögen existenziell nicht nötig sein, aber die Seele droht ohne sie zu verkümmern.“

Münchner Kunst für die Seele: Bis Sonntag präsentieren vorrangig lokale Kreative ihre Werke, die bei der im Juli abgesagten ARTMUC-Messe dabei gewesen wären. „Es ist unsere Aufgabe, die Künstler, Galerien und Projekte auch in dieser nach wie vor schwierigen Zeit so gut wie möglich zu unterstützen“, sagt Veranstalter Raiko Schwalbe. „Daher haben wir uns darauf fokussiert, die Teilnehmer auszuwählen, die in dieser Zeit besonders schwer betroffen waren. Der Eintritt zur Ausstellung ist komplett frei.“

Charakteristisch für diese regelmäßig stattfindende Veranstaltung: Sie gilt als Entdeckermesse und Verkaufsplattform für zeitgenössische Kunst, die man sich auch leisten kann. Sie findet am Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 19 Uhr im Lichthof an der Nymphenburger Straße 5 statt. Die große Ausgabe der Artmuc findet im Herbst 2021 statt. Der Eintritt ist frei, es gilt Maskenpflicht und die 3G-Regel (www. artmuc.info). Wir haben mit drei Münchner Ausstellerinnen gesprochen.

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Himmelsreise: Diese Foto-Collage „Fragment N°2“ aus der Reihe „Die Himmelsreisenden“ (350 Euro, 30 mal 42 cm) von Nathalie Bräutigam (57) aus der Isarvorstadt ist ein Münchner Motiv – auch wenn es nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Die einzelnen Bauteile hat die Künstlerin hier fotografiert und digital zusammengefügt. Das Podest ist der Unterbau des Brunnens am Gärtnerplatz, die Engelstatue stammt von Schloss Seefeld, das Segel darüber steht eigentlich im Bahnwärter Thiel. „Ich habe immer meine Kamera dabei und suche vorallem Dinge, die viel erlebt haben, zum Beispiel auf Flohmärkten oder der Auer Dult“, erzählt Nathalie Bräutigam. 

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Es geht wieder los: Täuschend echt sieht die Bananenschale aus, welche die Münchner Bildhauerin Isabel Ritter (43) mit anderen Werken am Wochenende anbieten wird (500 Euro). Kein Wunder: Eine echte Schale diente als Vorlage. Der Großteil der Arbeiten sind aber Holzarbeiten, oft Frauenfiguren. Den Lockdown hat Ritter positiv genutzt. Anstelle des Tiefschlags, den man in der schwierigen Situation hätte erwarten können, erlebt sie eine Zeit des intensiven kreativen Schaffens. „Ich habe sehr viel gearbeitet. Jetzt wird es Zeit, dass wir wieder ins Gespräch kommen und Kontakte knüpfen – nur so verkaufe ich auch“, sagt die Künstlerin.

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Alt und neu kombiniert:  Doppelt Pech hatte Fotografin Gabriele Rothweiler (54) aus Dießen am Ammersee: Nicht nur die Kunstszene lag durch Corona brach. „Mein zweites Standbein war genau das falsche: Ich habe in einem Museum gearbeitet, das schließen musste.“ Mit Hochzeitsfotografie und Internetverkauf hat sie sich über Wasser gehalten. „Jetzt freue ich mich vor allem auf die sozialen Kontakte. Ausstellungen haben ein bisschen was von Klassentreffen.“ Bekannt ist die Künstlerin, die auch ein Atelier in München hat, unter anderem für ihre „CityLightSeries“, Eines ihrer vielen München-Werke zeigt Trambahnen am Stachus in Richtung Schützenstraße. „Dabei habe ich eine Postkarte mit einer alten Trambahn und dem alten Pini-Haus und ein Foto mit neuer Tram und dem neueren Gebäude kombiniert.“ (50 mal 100 cm, 500 Euro).

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