Aschermittwoch: Ude sprengt den SPD-Keller

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Der Vilshofener Wolferstetter Keller ist zu klein für den Auftritt von Landesvater-Anwärter Christian Ude

München - Seit Jahrzehnten beherbergt der altehrwürdige Wolferstetter Keller in Vilshofen am Aschermittwoch die SPD. Doch im kommenden Jahr wird alles anders. OB Christian Ude ist daran schuld.

Der altehrwürdige Wolferstetter Keller in Vilshofen atmet bayerische Politgeschichte. Seit Jahrzehnten beherbergt er die SPD, gewissermaßen als rote Bastion gegen den „politischen Aschermittwoch“ der übermächtigen CSU im nur 20 Kilometer entfernten Passau. Doch im nächsten Jahr (22. Februar) bleibt er leer. Die Genossen müssen wegen des Rummels um den Ministerpräsident-Kandidaten Christian Ude (64) umziehen – und wollen auf den Volksfestplatz ausweichen. Weil Ude den Keller (500 Plätze) sprengt, bekommt er ein Zelt für über 2000 Leute.

„Verwunderung ist gar kein Ausdruck. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus“, bejubelte der Münchner Oberbürgermeister am Dienstag gegenüber der tz die Pläne. „Es gibt ein noch nie da gewesenes Medieninteresse, auch die Nachfrage aus den Ortsverbänden ist riesig.“ Bereits 14 Wochen vor dem Spektakel gibt es mehr Interessenten als Plätze im Saal.

„Der Landesverband bemüht sich jetzt um größere Räume“, berichtet Ude. Andere Location, aber derselbe Ort: Die Veranstaltung bleibt auf alle Fälle in der Donaustadt. „Vilshofen steht für sozialdemokratische Tradition, daran wird sich nichts ändern“, versichert Ude. Dieser darf aus Altersgründen nicht mehr als Münchner OB kandieren. Jetzt will er stattdessen Ministerpräsident Horst Seehofer (62) das Amt abjagen und 2013 die CSU in die Opposition verbannen.

„Vilshofen ist für uns der Auftakt einer Reihe hochkarätiger Veranstaltung im Jahr 2012. Dabei werde ich auch detailliert Stellung zu landes- und bundespolitischen Themen beziehen“, kündigt Ude einen 18 Monate langen Wahlkampf an. „In der Partei, die ich in 45 Jahren als überaus streitbar erlebt habe, ist ein unglaublicher Teamgeist erwachsen.“ Eng an Udes Seite steht Shooting-Star Michael Adam aus dem Landkreis Regen. Dieser hat Sonntag in acht Tagen beste Chancen, mit 26 Jahren Bayerns jüngster Landrat zu werden. Auch er ist in Vilshofen dabei.

Der Umzug aus dem Wolfersteller Keller bricht mit einer langjährigen Tradition, in der es eine einzige Ausnahme gab: 1999, als der frisch gewählte Bundeskanzler Gerhard Schröder aufsprach, war der Rummel ähnlich groß – und die Genossen zogen in den Rohbau eines Einkaufszentrums um.

Jetzt erwarten sie 2000 bis 3000 Besucher – und rücken der CSU in Passau auf die Pelle. Die Platzhirsche sind von der alten 10 000-Mann-Strauß-Propaganda abgerückt. „Wir rechnen wieder mit 6000 Besuchern und einer vollen Halle“, sagte Passaus CSU-Geschäftsführer Raimund Kneidinger.

Es ist angerichtet für die erste Runde in der Seehofer-Ude-Show.

Stefan Dorner

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