Woher kommen die Flüchtlinge?

Asyl-Alarm: Wichtige Fragen und Antworten

München - Die Flüchtlinge hätten sich fast zu Tode gehungert, der Rindermarkt ist geräumt, aber das Asyl-Problem ist noch lange nicht aus der Welt. Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen.

In der Nacht zum Sonntag wurde das Camp geräumt

Wie soll es weitergehen mit den Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, um eine Zukunft zu haben? Die Innere Mission schlägt Alarm – wegen der Probleme in den Flüchtlingsheimen des Freistaats.

Andreas Thieme

 

"Ich habe einen Traumjob in albtraumhafter Umgebung“, sagt Elisabeth Ramzews. Sie ist Leiterin der Flüchtlingssozialarbeit und der Sozialbetreuung in den Münchner Erstaufnahmeeinrichtungen – seit 15 Jahren hilft sie Flüchtlingen, die in München ankommen. Erstmals schlägt sie jetzt Alarm. „Wir stehen vor großen Problemen. So eine Situation wie im Moment habe ich in München noch nicht erlebt“, sagt Ramzews. Mit vier Pädagogen betreut sie für die Innere Mission München derzeit rund 1200 Asylbewerber – mindestens 200 mehr als in den vergangenen Jahren. Aufgrund des starken Zuzugs mussten in den vergangenen Wochen mehrere Zusatzgebäude geöffnet werden.

„Wir haben kaum noch Zeit, die Probleme der Flüchtlinge zu identifizieren und zu lösen“, sagt Ramzews. Jeder Mitarbeiter ihres Sozialdienstes muss sich um 180 Asylbewerber kümmern. „Das heißt eine Viertelstunde Betreuung in der Woche, da kann man nicht viel machen.“ Zudem bezahlt der Freistaat keinen Dolmetscher. Krankheit, Sorgen, Ängste: Mit ihren Problemen bleiben viele Flüchtlinge allein.

Immer schlimmer wird auch die Situation in den Gemeinschaftsunterkünften. „Sie schüren Konflikte und Aggressionen“, berichtete Ramzews aus den Erfahrungen des Sozialdienstes. Besser wäre eine Unterbringung der Flüchtlinge „in Zwei-Bett-Zimmern in kleineren Einheiten“. Als Alternative zu den Essenspaketen sollten Flüchtlinge die Möglichkeit haben, auf Gutschein- oder Punktebasis einzukaufen. „Das ist günstiger und gibt den Menschen ihre Würde zurück.“Andreas Thieme

 

Die Erstaufnahme-Einrichtungen der Inneren Mission:

Hotel Pollinger in Aubing

Die Unterkünfte der Stadt reichen längst nicht mehr aus – deshalb wurde das Hotel Pollinger vorübergehend gemietet

Heidemannstraße 50:

Mittlerweile beherbergt die Bayernkaserne in drei ihrer Gebäuden viele Flüchtlinge

Baierbrunnerstaße

Die Hauptanlaufstelle für Asylbewerber: Das Haus hat Platz für 230 Flüchtlinge und gilt als Eingangstor nach München

St. Veit Straße:

Die frühere Gemeinschaftsunterkunft wird als Container genutzt – 100 Flüchtlinge passen jetzt rein

 

Akte Asyl – die tz beantwortet wichtige Fragen

Woher kommen die Flüchtlinge?

Häufig aus Syrien, Afghanistan, Schwarzafrika – unter ihnen sind auch Familien aus Tschetschenien und Roma aus Serbien und Bosnien.

Wie kommen die Flüchtlinge in München an? Wo sind sie untergebracht?

Per Flugzeug , Schiff, Bus oder zu Fuß über die Landesgrenze. In München werden die Flüchtlinge entweder von der Polizei aufgegriffen, melden sich direkt dort oder in einer Erstaufnahmeeinrichtung der Inneren Mission (siehe Karte). Maximal drei Monate lang dürfen sie dort bleiben. Danach werden sie bayernweit in Gemeinschaftsunterkünfte verteilt (München: Landsberger Straße). Dort warten sie auf ihr Asyl-Verfahren.

Wie läuft das Asylverfahren, und welche Probleme gibt es?

Den Asylantrag müssen Flüchtlinge bei der Regierung stellen, dann erhalten sie eine Bescheinigung als Asylsuchender. Im Bundesamt erhält man eine Asylgestattung, die zum vorläufigen Aufenthalt berechtigt. Bis dahin können zwei Wochen vergehen. Später folgt die Anhörung: Hier müssen Flüchtlinge die Gründe für ihr gewünschtes Bleiben erklären (z.B. Verfolgung, Krieg) – bis das passiert, können aber Jahre vergehen. Danach heißt es: Warten auf den Bescheid. Bei Roma und Syrern dauert das momentan nur zwei Wochen – ansonsten werden noch viele Anträge aus 2011 bearbeitet. Es gibt zu viele Bewerber und zu wenig Mitarbeiter.

Wie lange dürfen die Flüchtlinge bleiben?

Zunächst so lange, bis ihr Verfahren abgeschlossen ist. Werden sie als Asylant anerkannt, bleiben sie dauerhaft. Wenn nicht, folgt die Abschiebung. Dagegen klagen viele.

Wie viele Flüchtlinge werden angenommen?

Bundesweit wurden im Mai 2013 insgesamt 38 714 Asyl-Anträge an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eingereicht. Rund jeder Dritte durfte bleiben.

Rubriklistenbild: © Mell

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