Sie wollen nicht nach Niederbayern

Asylbewerber schlagen Protest-Camp auf

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Schlafsäcke, Decken: So wollen die Flüchtlinge vor dem Sozialministerium ausharren.

München - Seit Donnerstag protestieren sieben Männer aus dem Senegal vor dem Sozialministerium in der Winzererstraße. Denn: Sie wollen nicht zurück ins Asylheim in Böbrach. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft.

Kein Handy, kein Internet, keine Deutschkurse, nur Wald und Wiesen: Für sieben Männer aus dem Senegal ist dies eine unzumutbare Situation. Die Asylbewerber waren vergangene Woche aus ihrem isolierten Asylheim im niederbayerischen Böbrach geflüchtet. Seit Donnerstag protestieren sie vor dem Sozialministerium in der Winzererstraße. Denn: Sie wollen nicht zurück. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft – und will ein langfristiges Camp wie im Sommer am Rindermarkt unbedingt verhindern.

Ein Haufen Decken, Schlafsäcke und Tee: Mehr haben die Flüchtlinge aus Niederbayern nicht mitgebracht. Für ihre Flucht aus dem Asylheim hatten sie ihr letztes Geld zusammengekratzt. Sie wollten auf keinen Fall länger in Böbrach bleiben. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag schilderten die Senegalesen: „Die Isolation, die wir jeden Tag erleben, ist unerträglich.“ Und tatsächlich: Die Unterkunft in Niederbayern ist abgeschottet. Im Wald gelegen, haben die Männer null Kontakt zu anderen Menschen. „Die Situation nagt an uns – vor allem psychisch.“ Deswegen packten die Männer, die erst vor kurzem dorthin kamen, ihre sieben Sachen und flüchteten nach München.

Bilder: "Rama dama! München nach 1945"

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„Wir fordern eine Schließung des Lagers“, sagt einer der Asylbewerber. Deshalb haben die Männer gemeinsam mit Unterstützern einen offenen Brief an Sozialministerin Emilia Müller (CSU) geschrieben. Zeitgleich protestieren sie jetzt vor dem Ministeriumsgebäude. Ihr Brief trägt aber erste Früchte: Müller forderte eine dritte Erstaufnahmeeinrichtung in Bayern. Außerdem will die Ministerin künftig alle minderjährigen Flüchtlinge, die ohne Eltern hier sind, direkt in Jugendhilfeeinrichtungen unterbringen. Auch sollen Asylverfahren durch mehr Personal beschleunigt werden.

Die Polizei lässt die Flüchtlinge – zumindest bis Montag – gewähren. „Wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, ihr Anliegen vorzutragen“, sagt ein Sprecher. Für das Camp gibt es vom KVR Auflagen: So dürfen die Männer keine Haushaltsgegenstände wie Kocher verwenden. Nur Decken und Schlafsäcke sind erlaubt. Ob sie bei den momentanen Temperaturen jedoch so lange aushalten, ist ungewiss.

AW

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