Sie trinken jetzt auch nichts mehr

Hungerstreik: Flüchtlinge erhöhen Druck

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München - Die Flüchtlinge im Hungerstreik in der Münchner Innenstadt haben den Druck auf die Behörden erhöht. Jetzt trinken sie auch nichts mehr.

Die Flüchtlinge im Hungerstreik in der Münchner Innenstadt haben den Druck auf die Behörden erhöht. „Wir werden nun auch nichts mehr trinken“, sagte ein Sprecher der Gruppe bei einer improvisierten Pressekonferenz am Dienstag. „Wir sind uns bewusst, dass wir unser Leben und unsere Gesundheit riskieren. Die Verantwortung dafür liegt bei den deutschen Behörden.“ Die Zahl der nun in einen „trockenen Hungerstreik“ getretenen Menschen bezifferte ein weiterer Sprecher auf etwa 70. Die drei Kinder der Gruppe würden sich an dem Hungerstreik nicht beteiligen.

Die Flüchtlinge unter anderem aus Bangladesch, Pakistan, Myanmar, Syrien und Afghanistan protestieren mit ihrer Aktion gegen die ihrer Meinung nach menschunwürdigen Lebensumstände in bayerischen Asylbewerberheimen und fordern eine sofortige Anerkennung als politisch Verfolgte nach Paragraf 16a des Grundgesetzes. Bislang habe noch kein Vertreter der Behörden mit ihnen Kontakt aufgenommen, sagte der Sprecher. Er appellierte an die Bürger in Bayern, eine „menschenverachtende“ Flüchtlingspolitik nicht mehr zu unterstützen.

Der Hungerstreik hatte am Samstag nach einer genehmigten Demonstration durch die Münchner Innenstadt begonnen. Ein Teil der Demonstranten ließ sich nach deren Ende auf dem Münchner Rindermarkt nahe des Marienplatzes nieder und lebt dort seither in provisorischen Zelten unter primitiven Bedingungen. Sie werden von Helfern aus der linken Szene unterstützt.

SPD appelliert an Sozialministerin Haderthauer

Angesichts des Hungerstreiks von Asylbewerbern in München hat die SPD Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) in einem offenen Brief zum Handeln aufgefordert. Die Menschenwürde von Flüchtlingen müsse endlich respektiert und ihre Lebensbedingungen müssten verbessert werden, forderten die Münchner SPD-Abgeordneten Isabell Zacharias und Hans-Ulrich Pfaffmann am Dienstag.

Sie wollten „an die Menschlichkeit und das soziale Gewissen der Ministerin appellieren“, erklärten sie - und forderten eine Abschaffung der Residenzpflicht, der Essenspakete und des Arbeitsverbots für Asylbewerber. Simone Tolle (Grüne) forderte Haderthauer auf, mit den Hungerstreikenden in Kontakt zu treten. Für die Flüchtlinge fühle sich niemand verantwortlich. „Man kann diese Menschen doch nicht wortwörtlich am ausgestreckten Arm verhungern lassen“, sagte sie.

Der Bayerische Flüchtlingsrat erklärte sich solidarisch mit den protestierenden Asylbewerbern und deren Forderungen. „Trotz der vielfältigen Proteste von Flüchtlingen in den letzten Monaten und Jahren halten Bundes- und Landespolitik unverändert an ihrer rigiden Abschiebungs- und Abschreckungspolitik fest. Dass die Situation jetzt eskaliert, ist deshalb kein Wunder“, sagte Sprecher Alexander Thal. 

Einen weiteren Artikel zum Hungerstreik in München finden Sie hier.

dpa

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