Bis zu 200 neue Flüchtlinge am Tag

Asylbewerber in München: Der große Ansturm

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In der Bayernkaserne kamen in zwei Tagen 350 Asylbewerber neu an.

München - In München kommen am Tag bis zu 200 neue Flüchtlinge an. Sie wohnen inzwischen in Lkw-Garagen. Ein Betroffener erzählt in der tz seine Geschichte und schildert die Lage.

Sie kommen aus dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Syrien oder afrikanischen Krisenländern wie Eritrea und Somalia: Immer mehr Asylbewerber suchen Zuflucht in München! Die Erstaufnahmeinrichtung in der ehemaligen Bayernkaserne platzt aus allen Nähten. Jetzt werden die Menschen dort sogar in Garagen untergebracht!

Allein am Donnerstag waren nach Angaben des Sozialministeriums rund 200 Flüchtlinge angekommen, am Freitag bis zum Mittag weitere 150. Während die Syrer sicher bis Kriegsende bleiben können, sind die Chancen der Afrikaner auf Anerkennung gering.

Meist werden die Flüchtlinge von Schleppern in Bussen über Italien oder den Balkan nach München gebracht. Hier dienen die Bayernkaserne und eine Außenstelle in der Baierbrunner Straße (Sendling) als Erstaufnahmelager.

Mitarbeiter des Katastrophenschutzes stellten die Feld- und Stockbetten auf.

Die Flüchtlinge wurden bislang in den alten Soldatenunterkünften untergebracht. Doch diese 2200 Plätze sind alle belegt. Am Wochenende wollte das Sozialministerium bereits Zelte für die Neuankömmlinge aufstellen lassen. Die Stadt stellte dann der für die Unterbringung zuständigen Regierung von Oberbayern die Lkw-Garagen der Kaserne zur Verfügung. Rotes Kreuz, Technisches Hilfswerk und Katastrophenschutz lieferten 500 Betten. Alleine in einer Halle schlafen jetzt 300 Menschen in Stockbetten, außerdem wurden dort Containertoiletten und -bäder aufgestellt – alles aus Beständen des Katastrophenschutzes.

Regierungspräsident Christoph Hillenbrand atmete aber auf: „Dank der Freigabe der Garagen als Notbehelf durch die Landeshauptstadt ist es wenigstens möglich, jedem neu ankommenden Asylbewerber sofort ein festes Dach über dem Kopf zu bieten, bis wir ihn in eine dezentrale oder Gemeinschaftsunterkunft verteilen können.“ Münchens Sozialreferentin Brigitte Meier ist aber stinksauer: „Seit 2011 mahnen wir an, dass der Freitstaat weitere Erstaufnahmeeinrichtungen schaffen muss, die ehemalige Sozialministerin Christine Haderthauer hatte das abgelehnt mit der Begründung: Die Asylbewerberzahlen sinken.“

Dabei steigt die Zahl rapide – allein in Bayern erwartet Haderthauers Nachfolgerin Emilia Müller (CSU) heuer 30 000 neue Asylbewerber, vergangenes Jahr waren es 17 000 Flüchtlinge. Müller hatte zu Beginn ihrer Amtszeit verfügt, dass jeder Regierungsbezirk eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber bekommen muss. Bislang gibt es diese Quartiere nur in Zirndorf bei Nürnberg mit 650 Plätzen und München. In Deggendorf soll nun Ende des Jahres die dritte Einrichtung mit 500 Plätzen entstehen, die nächste ist in Regensburg geplant. Dann fehlen solche Unterkünfte immer noch in Unter- und Oberfranken sowie Schwaben folgen.

Johannes Welte

Die lange Reise des Zeru T. (24)

Alle Kleider, die Zeru hat, trägt er auf diesem Bild.

Zeru Tesfamarsam (24) ist weit gereist im vergangenen halben Jahr: Eritrea, Äthiopien, Sudan, Libyen, Italien. Meist war er zu Fuß unterwegs, manchmal — wenn er Glück hatte — durfte er mit dem Bus fahren. Zeru ist auf der Flucht, nun glaubt der Mann aus Eritrea, in München einen Ort gefunden zu haben, an dem er bleiben kann.

Die FAZ nannte Zerus Heimatland kürzlich „das afrikanische Nordkorea“. Präsident Isaias Afewerki und sein Regime verwehren den Bürgern Meinungs- sowie Versammlungsfreiheit.

Die lebensgefährliche Überfahrt von Libyen nach Italien wagte Zeru in einem klapprigen Holzkahn — zusammen mit 300 anderen Afrikanern, die mit ihm die Hoffnung teilten, in Europa ein neues, besseres Leben beginnen zu können.

7000 Dollar hat der junge Mann den Schleppern in Eritrea gezahlt, damit sie ihn nach Europa bringen — ein Preis, der ihm jetzt, wo er in Deutschland ist, gerechtfertigt erscheint. Sein Zimmer teilt er sich mit drei anderen Eritreern. Jeder hat sein eigenes Bett, geduscht wird im Nachbarhaus, gemeinsam mit den Bewohnern eines anderen Vier-Mann-Zimmers.

Die zwölf Quadratmeter zu viert empfindet Zeru als „riesig“, für die drei Mahlzeiten am Tag dankt er Gott. Man merkt: Die verganenen Monate müssen sehr entbehrungsreich gewesen sein. Warum Zeru nach Deutschland gekommen ist? „Um endlich frei zu sein.“

tos

Top 10: Aus diesen Ländern kommen die Asylbewerber

Syrien 1799
Serbien 1256
Afghanistan 699
Albanien 664
Eritrea 479
Mazedonien 477
Somalia 475
Bosnien-Herzegowina 461
Russische Föderation 416
Irak 341

Zahlen des Stat. Bundesamts für April 2014

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