Proteste in München

100 Asylsuchende im Hungerstreik

+
Hungerstreik der Asylsuchenden am Rindermarkt

München - Etwa 350 Menschen haben sich am Samstagmittag am Stachus in München versammelt und unter dem Motto "Non-citizens" gegen die Situation von Flüchtlingen demonstriert.

Es war eine spontane Aktion, zu der sie sich am Samstagnachmittag entschlossen. Rund 100 Menschen aus verschiedenen Ländern, die momentan in Münchner Asylbewerber-Unterkünften leben, sind in der Innenstadt in einen Hungerstreik getreten. Zuvor hatten sie anlässlich des „Internationalen Tags des Flüchtlings“ ab 13.30 Uhr demonstriert. Bis zu 350 Asylbewerber und Unterstützer waren vom Stachus zum Sendlinger Torplatz und schließlich zum Rindermarkt gezogen. Ihre Botschaft: Stoppt die unmenschlichen Zustände, unter denen Flüchtlinge derzeit in Deutschland leben müssen.

Als der Versammlungsleiter um 15.45 Uhr die Demonstration beendete, wollten viele jedoch nicht gehen. Einige entschlossen sich, an Ort und Stelle in Hungerstreik zu treten. Binnen kurzer Zeit waren es mehrere Dutzend, letztlich rund 100 Menschen. Einer von ihnen ist der gebürtige Kurde Omid Moradian. „Wir versuchen seit Monaten, Gehör bei Politikern zu finden“, sagt der 29-Jährige. „Aber es passiert überhaupt nichts.“ Dabei ist die Liste der Anliegen lang, erklärt Simon Andris vom Münchner Flüchtlingsrat: von der Abschaffung der Residenzpflicht (Asylsuchende dürfen ihren zugewiesenen Aufenthaltsort nicht verlassen) bis zur Verbesserung der Asyl-Unterkünfte, die teils in erbärmlichen Zuständen sind. Besonders auch in der Landeshauptstadt, wo die Einrichtungen derzeit völlig überfüllt sind.

Laut Elisabeth Ramzews, Dienststellenleiterin bei der Inneren Mission, leben aktuell rund 1100 Menschen in den Münchner Aufnahmeeinrichtungen. „Wir haben momentan so viele Flüchtlinge wie seit über 15 Jahren nicht mehr.“ Zum Teil kamen zuletzt bis zu 60 neue Asylbewerber täglich in München an – viele aus Syrien, dem Iran oder Afghanistan. Im Vergleich zum Vorjahr, so teilte die Regierung von Oberbayern kürzlich mit, habe sich die Zahl der Verfolgten, die in Deutschland Schutz suchen, beinahe verdreifacht.

Zuletzt wurde darum sogar die Container-Unterkunft an der St.-Veit-Straße in Berg am Laim wieder in Betrieb genommen. 2009 hatte Sozialministerin Christine Haderthauer die Anlage schließen lassen: die Räume, in denen Bewerber-Familien zusammengepfercht leben mussten, waren von Schimmel und Ratten befallen.

Im Laufe des gestrigen Sonntags hat ein Arzt nach den Menschen am Rindermarkt gesehen. Am späten Nachmittag harrten laut Omid Moradian noch 59 Asylbewerber dort aus, darunter drei Kinder, die allerdings nicht am Hungerstreik beteiligt sind. Unterstützer haben die Menschen unter anderem mit Regenjacken und Schlafsäcken versorgt. „Wir halten durch“, bekräftigte Moradian vor der zweiten Nacht im Freien. Für den heutigen Montag erhoffen sie sich konkrete Zusagen von der Regierung – dann wollen sie über ihr weiteres Vorgehen beraten.

Sven Rieber

Auch interessant

Meistgelesen

Chaos auf der Stammstrecke: Deswegen verspäten sich die S-Bahnen um 30 Minuten
Chaos auf der Stammstrecke: Deswegen verspäten sich die S-Bahnen um 30 Minuten
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion