Rückbau ab 2022

Atomausstieg wird für München teuer

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Der Atommeiler Isar 2 bei Landshut geht 2022 vom Netz.

München - Ab 2022 steht am Atomkraftwerk Isar 2 der Rückbau des Reaktors an, und der wird auf jeden Fall teuer für München.

Wieviel die Stadt München mit ihrem 25-Prozent-Anteil am Atomkraftwerk Isar 2 im Laufe der Jahrzehnte verdient hat, mag man bei den zuständigen Stadtwerken nicht sagen. Wenig wird es nicht gerade gewesen sein, ist Isar 2 doch das weltweit produktionsstärkste AKW überhaupt. Die Einnahmen sprudelten also in Millionenhöhe, obwohl das einstige rot-grüne Bündnis schon im Jahre 1993 beschlossen hatte, den Anteil zu verkaufen.

Dazu kam es jedoch nie, und jetzt wird es bis zur endgültigen Stilllegung des Meilers im Jahr 2022 auch nicht mehr dazu kommen. Denn dann steht der Rückbau des Reaktors an, und der wird auf jeden Fall teuer. Laut Stadtwerke-Sprecher Christian Miehling hat die Stadt dafür bereits rund 540 Millionen Euro zurückgelegt.

Auf den 25-Prozent-Anteil umgerechnet, würde diese Zahl also bedeuten, dass der Rückbau von Isar 2 insgesamt gut zwei Milliarden Euro verschlingen wird. Der Energieriese Eon, dem die übrigen 75 Prozent des AKW gehören, nennt aber deutlich verträglichere Zahlen: „Im Schnitt veranschlagen wir für die Stilllegung eines Kernkraftwerks circa eine Milliarde Euro.“ Insgesamt habe man 14,6 Milliarden Euro für die Abwicklung des Atomzeitalters zurückgelegt, heißt es bei den Düsseldorfern. Ob die einen nun lieber übervorsichtig sind oder die anderen Schönfärberei betreiben, muss bis auf Weiteres dahingestellt bleiben – eine dreistellige Millionensumme kostet der Atomausstieg an der Isar die Münchner Bürger aber auf jeden Fall.

Block 2 des AKW Isar wurde 1988 in Betrieb genommen, er liegt 14 Kilometer flussabwärts von Landshut und hat eine Nettoleistung von 1410 Megawatt.

tz

Energiewende: Diese Probleme sind noch zu lösen

Kanzlerin Angela Merkel  macht die Energiewende stärker zur Chefsache. Doch noch zeigen sich vielen offenen Fragen, die dringend geklärt werden müssen, damit der Atomausstieg auch klappt. © dpa
ÖKOSTROM BOOMT: Bei der Produktion von Wind- und Solarenergie purzeln die Rekorde. Von Januar bis April gab es beim Windstrom ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zu den ersten vier Monaten 2011. Bei der Solarenergie waren es sogar 30 Prozent mehr: Der Ökoenergieanteil am Strommix liegt bereits bei rund 20 Prozent. © dpa
Doch während überall neue Wind- und Solarparks entstehen, kommen die Netze an ihre Grenzen. Wenn viel Geld für die Förderung ausgegeben wird, die Anlagen dann aber mangels Netzen abgeschaltet werden müssen, sei das volkswirtschaftlicher Unsinn, sagt Umweltminister Peter Altmaier. Es fehlt bisher der Schlüssel für die Speicherung überschüssigen Stroms. © dapd
NETZAUSBAU LAHMT: Rund 4500 Kilometer an neuen Höchstspannungsleitungen fehlen, dazu zehntausende Kilometer an Verteilnetzen, über die der meiste Ökostrom transportiert wird. Die Netzbetreiber müssen sich verstärkt vorhalten lassen, nicht genug zu investieren und so die Energiewende zu torpedieren. Hier ist die Politik gefragt. © dpa
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KRAFTWERKE FEHLEN: Wenn tatsächlich bis 2022 die restlichen neun Atommeiler vom Netz sollen, müssen neue Kraftwerke mit einer Leistung von mindestens 10 000 Megawatt her. Das sollen vor allem hochmoderne Gaskraftwerke und weniger klimaschädliche Kohlemeiler sein. Die bisherigen Atomländer Bayern und Baden-Württemberg wollen so nicht zu abhängig von Windstrom aus dem Norden und Osten werden. © dpa
Und man braucht sie, wenn kein Wind weht und es Nacht ist. Aber angesichts des Ökostromwachstums fehlt eine Garantie für genug Betriebsstunden. Daher wird ein eigener Strommarkt für solche konventionellen Kraftwerke erwogen, damit sie eine Absatzgarantie haben. © dpa
KOSTEN DROHEN AUSZUUFERN: Ob bei Netzkosten, Ökoenergieförderung oder möglichen Zuschüssen für neue Kraftwerke - die Energiewende dürfte viel teurer werden als gedacht. Das Energiesparen wird aber vernachlässigt. Zudem fehlen wegen eines Preisverfalls im Handel mit EU-Verschmutzungsrechten in den nächsten Jahren bis zu fünf Milliarden Euro. © dpa
Hier ist die Regierung gefragt, mittelfristige Kostenprognosen zu erstellen. Sonst drohen bei den Strompreisen starke Steigerungen und ein Verlust der Akzeptanz. Die Industrie warnt bereits vor einer Deindustrialisierung. Erwogen wird daher eine Senkung der Stromsteuer. Oder der Staat könnte stärker mit Milliardenzuschüssen eingreifen, wird gefordert. © dpa
KOORDINATION FEHLT: Das Mammutprojekt muss dringend zentral und übergreifend koordiniert werden, weil alles miteinander zusammenhängt. Mit einem Masterplan, der über Jahre reicht, könnte auch Investitionssicherheit hergestellt werden. Jedes Bundesland hat bisher ein Energiekonzept, hinzu kommen Hunderte kommunale Pläne. Der Bund muss stärker regeln, dass der Ausbau erneuerbarer Energien auf die Netze abgestimmt wird. © dpa

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