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Nach Ärztepfusch

17 Jahre im Wachkoma: Esen A. kämpft vor Gericht für ihren Mann

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Esen A. pflegt ihren Mann zu Hause im Bett in der Rosenheimer Straße.

Seit einem Ärztepfusch vor 17 Jahren liegt er im Wachkoma: Nun kämpft Esen A. vor Gericht für ihren Mann Aydin.

Zärtlich streichelt Esen A. (64) ihrem Mann über den Kopf. Sie nimmt seine Hand und lächelt ihm zu. ­Aydin A. (74) blinzelt. Hat er sie verstanden? „Da bin ich sicher“, sagt sie.

Es ist eine Liebesgeschichte der anderen Art. Seit 17 Jahren liegt Aydin A. im Wachkoma. Zu Hause, in einem Krankenbett, in der Rosenheimer Straße. 19 Stunden am Tag kommt der Pflegdienst, fünf Stunden kümmert sich Esen selbst. „Mein Mann gilt als Härtefall.“ Aufgegeben hat sie ihn nie – sie ist jeden Tag für ihn da. Und streitet seit Jahren für seine Rechte. Wie auch gestern wieder.

Am Landgericht kämpft Esen A. um mehr Pflegegeld und eine Haushaltshilfe. „Mittlerweile ist mein Rücken kaputt, ich kann nichts mehr heben.“ Außerdem braucht sie spezielle Cremes für ihren Mann, weil er auch Allergiker wurde. Kosten im sechsstelligen Bereich haben sich aufgetürmt. Doch das will die Kasse nicht zahlen...

Ein Foto aus glücklichen Tagen: Esen A. mit ihrem Aydin, der früher Eisenbahner war.

Wachkoma nach Routine-OP im Jahr 2000

Auch mit der Uniklinik gibt es Streit. In der Innenstadt musste sich Aydin A. im Jahr 2000 einer Operation unterziehen, weil sich durch eine Blutvergiftung ein Abszess gebildet hatte. Eigentlich Routine. Doch beim Aufwachen verstopfte der Beatmungstubus, Aydin A. bekam keinen Sauerstoff. 15 Minuten lang.

„Er ist im Grunde erstickt“, sagt seine Frau. Sie hatte ihn auf der Intensivstation besucht, aber dort „schon nicht mehr wiedererkannt“, wie sie sagt. Ein hartes Schicksal, an dem die Ärzte Schuld hatten! 400.000 Euro Schmerzensgeld sprach das Oberlandesgericht Esen A. im Jahr 2011 zu. „Skandalös“ nennt Anwalt Harald Schauer ihren Fall. Denn der Streit mit der Klinik ist noch lange nicht beendet: „Durch die Pflege ist das ganze Geld schon wieder weg“, sagt Esen A.

Am Landgericht bietet die Uniklinik nun rund 100.000 Euro, um die Ansprüche des Koma-Patienten abzugelten. Esen A. schüttelt nur den Kopf. „Für 17 Jahre? Das ist verdammt wenig.“ Erst im Dezember wird es wohl ein Urteil geben. „Ich hoffe auf Gerechtigkeit“, sagt sie traurig.

Dass ihr Mann noch mal aufwacht, daran glaubt Esen A. ganz fest. „Wir kommunizieren still. Er antwortet mit den Augen.“ Auch das heißt für sie Leben: Nah beim Partner sein. Viel Liebe geben. Selbst wenn sein Körper nichts mehr spüren kann: „Seine Seele nimmt das auf.“

Andreas Thieme

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