Aufstand der Standlbetreiber

Auer Dult: Händler sauer über Billig-Publikum und Miet-Explosion

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Händler Rudolf Seidl weiß, dass heute fast niemand mehr einen - Antiquitätenstand übernehmen will.

Die Händler auf der Auer Dult sind sauer. Ihr Ärger gilt den Besuchern und den Standgebühren, die sich im Vergleich zum Vorjahr teilweise verdoppelt haben.

München - Sie hatte einen der größten Antiquitätenstände auf der Auer Dult. Doch nach neun Jahren ist Ellen Knab (53) jetzt nicht mehr dabei, wenn das Traditions-Fest an diesem Samstag seine Pforten öffnet. Sie schimpft: „Das Publikum wird immer schlechter – und die Stadt steckt nichts in die Werbung, um die richtigen Leute anzuziehen.“ Ein weiterer Aufreger: Die Gebühren für die Standlbetreiber haben sich im Vergleich zur letzten Dult teilweise verdoppelt.

Von der Stadt heiße es immer nur, die Dult sei eh ein Verlustgeschäft, sagen viele Standl-Betreiber. Allein für das laufende Jahr gehen die Behörden davon aus, dass die öffentliche Hand bei der Dult ein Minus von mehr als 80.000 Euro einfährt. Was bei den Händlern ankommt, ist offenbar das Gefühl: Wem erhöhte Gebühren nicht passen, der muss ja nicht auf die Dult kommen.

Im Juli 2016 hatte der Wirtschaftsausschuss neue Gebühren für die Dult beschlossen, 2008 hatte es zuvor die letzte Erhöhung gegeben. Wer ein Holzstandl von der Stadt mietet, zahlt jetzt teilweise fast doppelt so viel wie vorher. Früher habe ein normaler Verkaufs-Holzstand um die 600 Euro für die neun Tage gekostet, jetzt seien es mehr als 1000 Euro, berichtet Dieter Bittorf (51). Er ist mit seinen Antiquitäten seit sechs Jahren auf der Dult am Mariahilfplatz. Ein Problem für die Antiquitätenhändler sei außerdem die Schnäppchenmentalität, sagt er. „Der Kunde steht mit dem Handy vor uns und will genau den Preis aus dem Internet bezahlen.“

Händler Dieter Bittorf berichtet von saftigen Erhöhungen der Standl-Preise.

Früher habe ein Antiquitätenhändler zehn Jahre warten müssen, bis er einen Stand auf der Auer Dult bekam, ergänzt Händler-Urgestein Rudolf Seidl (58). Heute gebe es kaum Interessenten mehr, wenn ein Standl frei werde. „Dann kommt halt wieder eine Fressbude auf die Dult.“ Die Händler würden immer weniger, dafür gebe es immer mehr Essensangebote, sagt auch Margit Muggenthaler, die ihren Antiquitätenstand gegenüber von Seidl aufbaut.

Die Besucher scheint es nicht zu stören – so zumindest argumentiert die Stadt. „Die Dult ist eine Traditionsveranstaltung, die Besucherzahlen sind seit Jahren stabil bis steigend“, sagt Gabriele Papke vom zuständigen Wirtschaftsreferat. Zum Vergleich: 2016 waren es um die 290.000 Besucher bei allen drei Dulten, 1999 um die 258.000. Die Erhöhung der Gebühren sei nötig gewesen, sagt Papke. Die Dult habe ihre Kosten seit Jahren nur mit dem Christkindlmarkt zusammengerechnet decken können.

Die Standl-Gebühren seien auf der Dult immer recht moderat gewesen, räumen auch einige Händler ein. Trotzdem müsse der ein oder andere Standlbetreiber nun rechnen, ob sich die Dult noch für ihn lohne.

Welche Stände die Stadt auf ihrem Traditions-Fest eigentlich will – das ist die tieferliegende Frage, die die Händler beschäftigt. Vor drei Wochen erst hätten sie von der Stadt die Zulassung bekommen, erzählt einer. „Uns als Geschäftspartnern gegenüber geht das gar nicht.“

Immer mehr Essens-Standl auf der Auer Dult, beklagt Händlerin Margit Muggenthaler.

Ein Zeichen der Versöhnung hat die Stadt nun gesendet. Fischer-Vroni-Wirt Hans Stadtmüller darf in kleiner Form nun doch mit seinen Steckerlfischen auf die Dulten. Stadtmüller hatte seine Bewerbung heuer nicht fristgemäß abgegeben, die Familie bekam nach 40 Jahren keinen Platz. Nun teilte das Wirtschaftsreferat mit, dass dem Wirt von den Kollegen der Wurst- und Hühnerbraterei Heinz ausgeholfen wird. In deren Biergarten darf Stadtmüller mit Erlaubnis der Stadt eine kleine Grillstation einrichten.

Vergleich altes und neues Standgeld

Geschäft/Sparte

Gesamt-Miete alt

Gesamt-Miete neu

Gebrauchtwaren

576 €

852 €

Autoscooter

1635 €

2904 €

Kettenflieger

880 €

1727 €

Schießbuden

352 €

528 €

Eis- & Süßwaren

576 €

1050 €

Quelle: Stadt München

Lesen Sie auch: Dank Hilfe unter Wirts-Kollegen: Keine Dult ohne Steckerlfisch

Ramona Weise

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