Zellen werden aufgelöst

Auer Mühlbach: Frauenknast wird zu Luxus-Wohn-Komplex 

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Von der JVA Neudeck zum „Haus Mühlbach“: Bald entstehen in dem historischen Komplex Luxuswohnungen.

Aus kleinen Gefängniszellen sollen Luxus-Wohnungen gemacht werden. Der historische Bau am Auer Mühlbach steht nach acht Jahren Stillstand vor einem luxuriösen Umbau.

München - Schöner wohnen im Knast – bald ist das möglich: Ins frühere Frauengefängnis Neudeck werden hochwertige Wohnungen gebaut. Der historische Komplex am Auer Mühlbach ist von der Immobilienfirma Legat Living erworben worden. Damit winkt dem Gebäude nach Jahren des Stillstands nun eine neue Zukunft – eine luxuriöse.

„Haus Mühlbach – Denkmal für Wohnkultur“: So bewirbt Legat Living die geplante Anlage auf ihrer Homepage. „Nach behutsamer Sanierung entstehen hochwertige und komfortabel gestaltete Wohnungen mit Denkmalschutz-Abschreibung“, heißt es dort. „Ein besonderes Objekt für Anspruchsvolle, die eine ruhige, aber zentrale Umgebung mit hervorragender Infrastruktur suchen und Wert auf Qualität legen.“

Auch ein Hotel war geplant - als Sozialprojekt

Wie viele Eigentumswohnungen es werden, wie sie ausgestattet sind und was sie kosten – dazu will sich Legat Living noch nicht äußern. Zurzeit werde noch leicht umgeplant, sagt eine Mitarbeiterin. Fest steht: Die acht Quadratmeter großen Haftzellen werden aufgelöst, kleine und größere Wohneinheiten sollen entstehen und im Herbst auf den Markt kommen. Mit der Vorankündigung und den Bautafeln wolle man Kaufinteressenten anlocken, die sich vormerken lassen können.

Damit scheint ein langes Hin und Her zu Ende zu gehen. Von 1904 bis 2009 diente das Gebäude als Justizvollzugsanstalt für Frauen und Jugendliche. 2009 wurden die Häftlinge in die neue Außenstelle der JVA Stadelheim verlegt. 2010 beschloss der Landtag, das Grundstück zu verkaufen. Einer der Interessenten war der Verein BISS (Bürger in sozialen Schwierigkeiten), der das Gebäude in ein Vier-Sterne-Hotel umwandeln wollte, in dem Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen eine Ausbildung hätten machen können. Doch der Freistaat bestand darauf, an den Meistbietenden zu verkaufen, BISS konnte beim Bieterverfahren nicht mithalten. Den Zuschlag bekam ein privater Investor: Die Immobilienfirma MUC Real Estate plante dort 200 Eigentumswohnungen mit einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 35 Quadratmetern für Gutsituierte. Doch das Landratsamt, das um die Ecke sitzt, erhob Klage gegen das Projekt, weswegen jahrelang nichts voranging. Im Frühjahr wurde der Komplex wieder veräußert.

Datums des Baubeginns noch unklar

Ist es erlaubt, die Wände der Haftzellen zu durchbrechen – steht das Gebäude nicht unter Denkmalschutz? Doch, und nicht nur die Fassade, sondern der Komplex „im Ganzen“, sagt Dorothee Ott, Sprecherin des Landesamts für Denkmalpflege. Bei der Umgestaltung im Inneren sei die Planung sorgfältig mit den Denkmalbehörden abgestimmt. „Ein Großteil der Grundstrukturen bleibt bestehen, auch die Ausstattung kann erhalten werden“, sagt Ott. Es seien Kompromisse vereinbart worden, „die die Geschichte des Bauwerks ablesbar erhalten“.

Auch die Stadt hat grünes Licht gegeben. Laut Baureferat wurden alle Klagen, die noch nicht entschieden wurden, zurückgenommen. Die Baugenehmigung sei bestandskräftig, es lägen keine weiteren Einwendungen vor. Ein Datum für den Baubeginn sei noch nicht angezeigt.

Legat Living hat in München bereits mehrere gehobene Wohnprojekte verwirklicht. In Haidhausen, an der Ismaninger Straße, entstehen derzeit die „Troger Höfe“. Preis dieser Luxuswohnungen: 12.000 bis 14.000 Euro pro Quadratmeter.

Die Münchner Au: Ein Dorf mitten in der Stadt!

Am Giesinger Berg, wo's raufgeht nach Giesing, da endet eines der ursprünglichsten Stadtviertel Münchens: Die Au! Wir stellen Ihnen die ehemalige Arbeitervorstadt mal ein bisschen genauer vor. © gs
Die Au umfasst ein Areal von etwa 158 ha (1.580.000 m2 = 1,58 km2) und gliedert sich in die untere und obere Au. Sie liegt auf der östlichen Flussniederung und auf der Isarhochterrasse. Die Hangkante am Nockherberg ist ca. 15 m hoch. © gs
Die Au wurde vom 2. Weltkrieg hart getroffen: 64 Auer kamen dabei ums Leben, 80 Prozent der Bausubstanz wurden zerstört. Nur noch ein Fünftel des heutigen Wohnungsbestandes in der Au stammt aus der Zeit vor 1919. © gs
Dennoch stehen in der Au noch viele alte Häuser ... © gs
... wie zum Beispiel hier in der Nockherstraße, direkt unterhalb des Nockherbergs. © gs
Der Strukturwandel von der ehemaligen Arbeitervorstadt zum begehrten Randgebiet der City ist in der Au allerdings weniger stark ausgeprägt als in anderen Stadtteilen. © gs
Dennoch werden auch hier immer mehr Altbauwohnungen (hier zu sehen die Taubenstraße) "aufgepimpt" und zu Wucherpreisen verkauft oder vermietet. © gs
Die Humboldtstraße markiert die südliche Grenze der Au nach Untergiesing und ist zugleich wichtige Verkehrsachse zwischen der Innenstadt und den Stadtteilen hinter Giesing. © gs
Blick von der Ohlmüllerstraße in Richtung Nockherberg/Salvatorkeller. Der liegt in der Hochstraße und damit an der Grenze zwischen der Au und Haidhausen. © gs
Erstmals wurde die Au (im Bild die Sommerstraße) am 12. Dezember 1340 urkundlich erwähnt. © gs
Im 19. Jahrhundert erlebte die Münchner Vorstadt dann einen regelrechten Boom, als sich innerhalb von 100 Jahren die Einwohnerzahl verdreifachte. Am 1. Oktober 1854 erfolgte die Eingemeindung nach München. © gs
In der Eduard-Schmid-Straße steht noch heute die 1904 von Hans Grässel gebaute Ölbergkapelle. © gs
Neben der Wittelsbacherbrücke führt mit der Reichenbachbrücke eine weitere Isarüberquerung von der Innenstadt in die Au und führt direkt in die Ohlmüllerstraße (Bild). Dort gibt es gerade einmal 33 Hausnummern. © gs
Der Bereiteranger. Verkehrsberuhigtes Wohnen ganz nah an der Isar. © gs
Neurenaissance im Bereiteranger. © gs
Eines der Wahrzeichen der Au ist die Maria-Hilf-Kirche. © gs
Sie wurde 1831 bis 1839 von Joseph Daniel Ohlmüller begonnen und von Georg Friedrich Ziebland fertiggestellt. © gs
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Mariahilfkirche bis auf die Außenmauern zerstört, nur der Turm hielt stand. 1951/52 erfolgte der etwas vereinfachte Wiederaufbau durch Hans Döllgast. 1953 wurde die Kirche wieder eingeweiht. © gs
Bis heute hat sich in der Au ein Stück traditioneller Alltagskultur gehalten: die Auer Dulten. Die Jahrmärkte finden nach wie vor dreimal im Jahr hier auf dem Mariahilfplatz statt. Von Geschirr über Antiquitäten bis Trödel ist in den Buden unterhalb der Mariahilfkirche alles Mögliche zu finden. © gs
Am Neudeck stand bis 1905 ein Jagdschlösschen, das Herzog Wilhelm V. um 1600 hatte erbauen lassen. Anfang des 20. Jahrhunderts fanden hier grundlegende Umgestaltungen statt. Der Nockherberg wurde neu angelegt und für den Trambahnbetrieb verbreitert; das unterhalb gelegene Schlösschen und die dazugehörigen Bauten wurden abgerissen. © gs
Gegenüber entstanden die für den Frauen- und Jugendarrest genutzten Strafanstalten (Am Neudeck 10 und 12). An gleicher Stelle errichteten 1627 Paulanermönche ein Kloster. Sie wirkten 172 Jahre lang als Seelsorger und Helfer der Armen. Als das Kloster 1799 aufgelassen wurde, nutzte man es noch von 1800 bis 1801 als Feldspital, bevor es zum Zuchthaus München-Au avancierte. © gs
Der Freistaat Bayern beabsichtigt nun, das staatseigene Anwesen zum Verkauf auszuschreiben. Die weitere Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes ist deshalb noch ungewiss. © gs
Auch das Gebäude der Polizeiinspektion (Am Neudeck 1) stammt aus der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. © gs
Es fungierte bis 1985 als Landesimpfanstalt. © gs
Im Zuge der Baumaßnahmen nach der Jahrhundertwende wurde der Auer Mühlbach am Neudeck überwölbt, vor kurzem wieder freigelegt und als "stadträumliches Element" entdeckt. © gs
Als kreisfreie Landeshauptstadt hat München dennoch ein Landratsamt - und zwar ebenfalls Am Neudeck. Es steht, wie auch die Strafanstalt, auf dem ehemaligen Gelände des Paulanerklosters. © gs
Eine Besonderheit des Stadtbezirks waren die zahlreichen hier ansässigen Brauereien, die an der Terrassenkante ideale Standorte für Tiefbrunnen und Lagerkeller vorfanden. Von diesen Brauereien produziert heute nur noch die Paulaner-Brauerei in der Au. Hier der Blick am Nockherberg. © gs
Hier das Gebäude von der Falkenstraße aus gesehen. Die älteste Urkunde der Paulaner-Brauerei stammt aus dem Jahr 1634. Damals brauten die Paulanermönche kräftiges Bier, dessen überschüssige Reste an die Armen verschenkt wurden. Ab 1780 durften die Mönche uneingeschränkt Bier ausschenken. Allerdings ist damit bald Schluss: Paulaner gab bekannt, nach Langwied zu ziehen. Auf dem Areal der Brauerei werden wohl teure Apartments entstehen. © gs
Unterhalb der Brauerei fließt der Auer Mühlbach, der sich dann ... © gs
... entlang einer der schönsten Münchner Straßen schlängelt: Die Quellenstraße. © gs
Hier standen an der mit Wasserquellen durchsiebten Hangkante im 19. Jahrhundert zahlreiche morsche Holzhütten, heute ist nur noch die Westseite des Baches bewohnt. © gs
Im Jahr 1942 wurde an der Quellenstraße ein Luftschutzbunker gebaut. Heute ist hier die Tanz- und Musikschule untergebracht. © gs
Der die Quellenstraße kreuzende Kegelhof am Auer Mühlbach ist nach dem ehemaligen Kögelhof am selben Ort benannt. Hier stand früher eine Papiermühle, die heute umgebaut als Jugendtreff genutzt wird. © gs
Der ungewöhnliche Straßenname Am Herrgottseck hat seinen Ursprung in den früher an den Hauswänden angebrachten Kruizfixe. © gs
Gleich hinter dem Herrgottseck ist die Franz-Prüller-Sraße. Hier fühlt man sich wie nach einer Zeitreise ins 19. Jahrhundert. Dort reiht sich ein Herbergshäuschen an das nächste. © gs
Die Bewohner der Herbergen damals waren Tagelöhner, kleine Handwerker oder Krämer. Mit herzoglichem Privileg arbeiteten die "Haderlumper", die die gesammelten Stoffreste bei der Papiermühle am Kegelhof ablieferten. © gs
Blick von der Franz-Prüller-Straße Richtung Am Wageck. © gs
Auch solch nette Straßennamen gibt es in der Au. An dieser Stelle soll ein zu Ehren des heiligen Kreuzes erbautes und 1466 geweihtes Kirchlein gestanden haben. © gs
Ein Markenzeichen: Das Wirtshaus in der Au in der Liliensraße. Mitte des 19. Jahrhunderts stand hier erstmals eine Braustätte mit dem Namen "Schmuckerbräu". 1858 wurde der Brauereibetrieb eingestellt und nur die Wirtschaft fortgeführt. Später wurde das Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Im Oktober 1901 wurde in den Räumlichkeiten des heutigen Wirtshaus in der Au erstmals Bier ausgeschenkt. © gs
Der 1848 von Ludwig Schwanthaler entworfene Augia-Brunnen am Paulanerplatz/Ecke Lilienstraße. © gs
Die Wegeverbindung zwischen der Franz-Prüller-Straße und der Quellenstraße wird seit Januar 2009 nach Schwester Josefa Imma Mack benannt. Die Ordensschwester der Kongregation der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben frau versorgte unter Einsatz ihres Lebens zwischen 1944 und 1945 hunderte Insassen des KZ in Dachau. Außerdem schmuggelte sie Briefe in und aus dem KZ und ermöglichte es so den Insassen, Kontakt mit deren Angehörigen zu halten. © gs
Eines der berühmtesten Kinder der Au ist Karl Valentin. Der große Komiker wurde in der Zeppelinsraße 41 geboren. © gs
Eine Gedenktafel erinnert noch heute daran. © gs
Die Schweigerstraße führt von der Corneliusbrücke in die Au. © gs
Hier prägen vor allem moderne Bauten die Szenerie. Nicht immer schön, aber dafür sonnig. © gs
Am Feuerbächl wurde 1806 ein unterirdischer Abwasserkanal gebaut. © gs
Und noch heute verläuft die Kanalisation unterirdisch - ein Glück. © gs
Die Ohlmüllerstraße dient als viel genutzte Tramverbindung zwischen Innenstadt und Giesing. © gs
Diese Fassade in der Ohlmüllerstraße hat sicher auch schon bessere Tage gesehen. Aber irgendwie hat Altes und Heruntergekommenes ja auch seinen Charme ... © gs
Marienstatuen hinter Glasscheiben ... © gs
... sieht man auch in der Au an vielen Häusern. © gs
Das nördliche Ende der Au bildet das Ende der Lilienstraße. Auch dort stehen noch einige alte Herbergsanwesen. © gs
Am Rosenheimer Berg mit dem Müllerschen Volksbad und dem Gasteig (rechts, nicht im Bild) beginnt dann Haidhausen. Bis in die 90er Jahre war die Lilienstraße eine wichtige Verbindung in die Innenstadt. Heute übernehmen Humboldt- und Ohlmüllerstraße diese Funktion von der Au in die Innenstadt. © gs

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