Aussage gegen brutale Axträuber

Chopard-Chefin: "Ich lebe in ständiger Angst"

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Die Filialleiterin nach ihrer Aussage. Einen Tag nach der Tat hatte sie Heulkrämpfe.

München - Der Schrecken ist ihr immer noch anzusehen. Zittrig und blass betritt Birgit L. den Verhandlungssaal, um sich ihrer größten Angst zu stellen: Das Wiedersehen mit den brutalen Chopard-Räubern, gegen die sie als Zeugin aussagen muss.

„Sie haben alles kurz und klein geschlagen. Als sie reinkamen, brüllten sie laut herum. Einer hatte eine Axt. Ich wusste gleich: Das ist ein Überfall.“ Dunkle Erinnerungen werden bei der Chefin wach, denn vor zehn Jahren wurde sie schon einmal Opfer eines Juwelier-Raubes, damals noch in Düsseldorf. „In der Maximilianstraße war der Überfall aber viel brutaler“, sagt sie. „Ich habe mich auf den Boden geschmissen und lag zusammengekrümmt hinter dem Schreibtisch. Meine Hoffnung war, dass sie mich nicht zwingen, den Tresor zu öffnen.“ Sie hat Glück: Nach zwei Minuten ist der Überfall vorbei. Zwar sind große Teile des Inventars zerstört, aber kein Mitarbeiter verletzt. „Im ersten Moment war ich besonnen, habe mich um die Kolleginnen gekümmert und den Notruf gewählt.“

Einen Tag später bricht der Schock in Birgit L. aber durch. „Ich hatte Heulkrämpfe und konnte nicht mehr schlafen.“ Vier Tage bleibt der Edel-Juwelier deshalb geschlossen. „Danach habe ich wieder gearbeitet, obwohl es mir sehr schwer fiel.“ Wegen schwerer Angstzustände sucht sie Hilfe bei Psychologen, macht neun Monate lang eine Therapie. „Der Schrecken kommt immer wieder in mir hoch. Anfangs konnte ich nicht mehr alleine aus dem Haus gehen“, sagt L. Sie leidet noch heute unter den Folgen des Überfalls! Als drei der vier Täter sich nach ihrer Aussage persönlich entschuldigen, bricht die Chefin in Tränen aus. Ein Begleiter muss sie stützen, als sie den Gerichtssaal verlässt.

Auch zwei Mitarbeiterinnen berichten danach über ihre Todesängste, rohe Gewalt und die aggressiven Schreie der Räuber. „Danke für Ihre tapferen Aussagen“, lobt Staatsanwalt Nikolaus Lantz die Opfer des Überfalls.

Sie haben die Räuber gejagt

Polizei alarmiert

Jonas L. (49) wollte nur schnell seine Frau bei der Kosmetikerin absetzen, als die Räuber plötzlich an ihm vorbeirennen – auf dem Weg zum Überfall! „Sie trugen Kapuzen und Rucksäcke. Einer hatte eine Art Köcher auf dem Rücken.“ Darin die Axt, mit der die Bande die Scheibe einschlug! „Ich habe mich hinter einem Auto verschanzt und die Polizei angerufen“, sagt L., der die Räuber auch bis zur Festnahme verfolgte.

Er warnt Nachbarn

Von seiner Kanzlei in der Maximilianstraße will Rechtsanwalt Thomas F. (50) gerade ins Gericht fahren, als er zufällig Zeuge des Juwelier-Raubes wird. „Ich sah die Bande. Einer drosch mit dem Hammer die Schaufenster-Scheibe ein.“ Sofort rennt F. zu zwei Schmuckgeschäften und schreit: „Gegenüber läuft ein Überfall.“ Um die Polizei zu alarmieren, drücken zwei Sicherheits-Männer einen Alarmknopf.

Täter fotografiert

„Ein Arbeitskollege rief mir zu, dass Chopard gerade überfallen wird“, sagt Goldschmied Ralf P. (47). Von seiner Werkstatt läuft er in den ersten Stock – von dort kann er die Täter fotografieren, als sie gerade aus dem Juwelier-Laden stürmen. Für die Polizei ein äußerst wichtiger Hinweis bei den Ermittlungen in dem Raub-Fall. „Das haben Sie sehr gut gemacht“, lobt auch Staatsanwalt Nikolaus Lantz.

Er rennt hinterher

Markus Z. (39) ist einer der Sicherheitsmänner, zu denen aufmerksame Passanten während des Überfalls laufen. Furchtlos betritt der Ex-Elite-Soldat mit einem Kollegen den Juwelier. „Haut ab, die Polizei ist gleich da“, schreit er die Täter an. „Einer hob die Axt gegen mich, schlug dann aber in die Vitrine.“ Markus Z. rennt den Räubern hinterher, stellt einen am Isartor. „Der Bub war so außer Atem, er konnte sich nicht wehren.“

Andreas Thieme

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