Unverständnis bei Gastronomen

Hiobsbotschaft wegen Bäumen: Schanigarten in München muss weg - „Ich bin schockiert“

Baumschutz München Wörthstraße - Schanigärten sollen weg
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Besorgt um die Schanigärten: Stephan Schwetz und Felix Popp (Lollo Rosso) sowie Sultana Aslan (Taverna Diyar).

Sind die Schanigärten eine Gefahr für Bäume in München? Gastronomen verstehen München nicht mehr. Ein Schreiben der Stadt sorgt für Unverständnis.

München - Die Freude, endlich wieder Gäste bewirten zu dürfen, war groß: Stephan Schwetz, Wirt des Lokals Lollo Rosso an der Wörthstraße (Haidhausen), holte seine Mitarbeiter aus der Kurzarbeit, kaufte Lebensmittel ein und bereitete seinen Schanigarten vor. Doch vergangenen Donnerstag kam die Hiobsbotschaft: „Wir haben ein Schreiben bekommen, dass der Schanigarten weg muss“, sagt der 46-Jährige. Weitere Gastronomen in der Nachbarschaft seien ebenfalls betroffen. „Ein Wirt hatte sogar komplett neu gebaut“, berichtet Schwetz. „Jetzt kann er den Schanigarten vielleicht gar nicht nutzen.“

Corona: Stadt München sorgt sich um die Bäume - Außen-Gastro als Gefahr?

Es geht um Freischankflächen auf einem Grünstreifen zwischen Bäumen. Bereits vergangenes Jahr hatte das Kreisverwaltungsreferat (KVR) die Genehmigung dafür erteilt. „Die Tische stehen auf einem wasserdurchlässigen Podest“, erklärt Schwetz. Trotzdem sorgt sich die Stadt um die Bäume. „Eine nachhaltige und irreparable Schädigung der betreffenden Bäume muss in jedem Fall ausgeschlossen werden“, sagt ein KVR-Sprecher.

Die Wirte können die Bedenken nicht nachvollziehen: „Wir achten darauf, dass nichts kaputtgeht“, betont Sultana Aslan, die in ihrer Taverna Diyar kurdisch-türkische Spezialitäten serviert. „Ich gieße die Bäume sogar extra.“ Sie hat rund 70 Plätze im Außenbereich. „Ohne den Schanigarten fällt die Hälfte weg“, berichtet die 55-Jährige. Denn die Abstandsregelungen gelten weiterhin. Rund 2000 Euro habe allein das Material für ihren Schanigarten gekostet. Die Nachricht, dass sie diesen womöglich abbauen muss, kam für sie komplett überraschend: „Ich bin total schockiert.“

Gastro in München: „Wir achten darauf, dass nichts kaputtgeht“

Auch Schwetz ärgert sich: „Der Zeitpunkt ist absolut unpassend“, sagt er. Nach monatelanger Schließung sei die Gastronomie schwer gebeutelt. „Wenn der Garten weg wäre, wäre es schwer für uns“, sagt er. „Wir könnten nur ein oder zwei Tische aufstellen. Das bringt nichts.“ Alle betroffenen Wirte stehen in Kontakt miteinander und überlegen gemeinsam, wie sie weiter vorgehen werden.

Laut der Stadt wird derzeit geprüft, ob zum Schutz des ökologisch wertvollen Altbaumbestands weitere Maßnahmen nötig sind. „Bis diese Überprüfung abgeschlossen ist, können die Freischankflächen bestehen bleiben“, erklärt der KVR-Sprecher. Bis auf Weiteres werde das KVR gegen keine Wirte weitere Maßnahmen einleiten.

Schwetz hofft, nicht abbauen zu müssen: „Wir wären dankbar, wenn wir die Schanigärten zumindest diesen Sommer erhalten könnten“, sagt er. „Letztes Jahr hat es super geklappt.“

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