Strom ist seine Passion

Deutsches Museum: Blitz-Chef sagt Servus

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Strom ist seine Leidenschaft: Nach 21 Jahren verlässt Werner Osterrieder (66) die Starkstromabteilung des Deutschen Museums.

München - Werner Osterrieder war jahrzehntelang der "Herr der Blitze" im Deutschen Museum. Jetzt geht er mit 66 Jahren in den Ruhestand.

Spannung liegt in der Luft, Werner Osterrieder (66) drückt auf den leuchtenden Knopf vor sich. Ein lauter Knall fährt durch die Starkstromabteilung des Deutschen Museums. Nach 21 Jahren ist es der letzte Kracher, den der Betriebsobermeister produziert. Mit 66 Jahren geht der Herr der Blitze in den Ruhestand.

Strom ist seine Passion. Mit etwa zehn Jahren bekommt Osterrieder den Experimentierkasten „Radiomann“ zu Weihnachten geschenkt. Ein Set mit dem Kinder Versuche aus der Elektro-, Funk- und Radiotechnik durchführen können. „Das war der Auslöser“, sagt der 66-Jährige grinsend. Seitdem lässt ihn die elektrische Spannung nicht mehr los.

Rund fünf Millionen Zuschauer hatte der gelernte Büromaschinenmechanikermeister in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Durch einen Metallzaun vom Versuchsareal getrennt, können die dem Strom-Spektakel frönen. Und obwohl es zahlreiche Gefahrenquellen in der Hochspannungsanlage gibt, ist Osterrieder „nie nervös“. Er sei halt ein echter Bayer. Außerdem „ist ja alles doppelt und dreifach gesichert.“

Komplett vorhersagbar sind die Volt-Vorführungen jedoch keineswegs: „Ein Blitz ist ein Naturphänomen und der physikalische Vorgang ist hier der gleiche wie in der Natur“, sagt Osterrieder. Bereits Unterschiede in der Luft würden Versuche beeinflussen. Unfälle gab es bisher aber nie.

Das soll auch in Zukunft so bleiben. Ab heute übernehmen Daniel Hagenhaus (44) und Stephan Herrmann (33) die Starkstromabteilung. Mit ihr auch das Konzept Osterrieders. „Anfangs war die Vorführung sehr technisch“, sagt der 66-Jährige. Das habe er aber mit der Zeit geändert, damit jeder die Erklärungen versteht. „Der Text ist ein Teil von mir.“ Osterrieder weiß aber auch, dass die Nachfolger eigene Ideen einbringen werden. „Vielleicht sind die Vorführungen irgendwann ja sogar zweisprachig.“

Das liegt jetzt aber nicht mehr in seiner Hand. Traurig ist er darüber nicht: „Ich wohne in der Ecke und komme bestimmt noch einige Male vorbei.“ Und wenn nicht. Auch daheim steht er unter Strom — für sein Hobby: Er baut Verstärker für Stereoanlagen.

Maren Dopp

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