Opfer sagt vor Gericht aus

Dolch-Attacke am Ostbahnhof: "Ich hatte Todesangst"

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Josef L. (48) hatte Glück: Am Orleansplatz verhinderte seine Winterjacke eine tödliche Stichverletzung.

München - Diesen Valentinstag wird Josef L. (48, Name geändert) nie vergessen! „Ich hätte sterben können – aber ich hatte riesiges Glück“, sagt der Film-Techniker. Am 14. Februar griff ihn ein psychisch schwer kranker Mann am Orleansplatz an und stach mit einem Krummdolch nach ihm.

 Vor dem Landgericht sagte Josef L. am Montag gegen den Täter aus!

„Ich war auf dem Heimweg. An der Tramhaltestelle zündete ich mir gegen 20 Uhr gerade eine Zigarette an“, erzählt das Opfer. „Plötzlich kam dieser Typ und schrie mich an. Mit seinem Arm langte er nach mir – ich wich instinktiv zurück. Erst danach sah ich den riesigen Dolch in seiner Hand. Die Klinge hatte mindestens 15 Zentimeter!“ Josef L. erschrickt – wie durch ein Wunder wird er aber nur leicht verletzt.

Mit diesem Dolch wurde Josef L. angegriffen.

„Er stach mehrfach gezielt zu, der Angriff kam wie aus dem Nichts. Am Bauch hatte ich nur einen Kratzer. Das meiste fing meine Winterjacke ab – sie wurde von der Klinge zerfetzt.“ 20 Meter weit rennt er dem Täter noch nach, danach verliert er ihn. Noch heute steht Josef L. der Schweiß auf der Stirn, wenn er von der Dolch-Attacke erzählt. „Das hätte für mich auch schlimmer ausgehen können. Ich hatte Todesangst und konnte eine Woche lang nicht mehr alleine zu Hause sein.“ Mittlerweile geht es ihm besser. „Ich muss aber oft daran denken.“

Täter Ranjid M. (39, Name geändert) ist seit der Tat in der Psychiatrie untergebracht. Er litt Anfang des Jahres unter einer schweren Psychose. „Ich war krank im Kopf. Es tut mir sehr Leid“, sagt er beim Prozessauftakt wegen Körperverletzung aus. Den Angriff räumt der Pizzabäcker über Verteidiger Nicolas Frühsorger ein, an Details könne er sich wegen der Psychose aber nicht mehr erinnern.

Das zweifeln Richter und Gutachter an! Denn bei der Polizei hatte sich Ranjid M. nach der Verhaftung noch geäußert. Dort erzählte er in der Vernehmung, er sei auf dem Weg zu einem Fest gewesen – und der verbotene Dolch habe zu seinem traditionellen Gewand und seinem Turban gehört. An der Tramhaltestelle habe es dann eine Auseinandersetzung gegeben. Tatsächlich stach Ranjid M. unvermittelt auf Josef L. ein! Er selbst sagt: „Ich weiß nur noch, dass ich am Ostbahnhof war.“

Mit Medikamenten habe er die Störung inzwischen im Griff. „Von meinem Mandanten geht keine Gefahr mehr aus“, sagt Anwalt Frühsorger. Am Donnerstag wird die Unterbringung wohl zur Bewährung ausgesetzt.

Andreas Thieme

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