Prozess gegen den Täter

Er schützte Frau nach Wiesn-Besuch - fast totgeprügelt

+
Der Täter sprang ihm auf den Kopf: Nach der Attacke musste Frank S. in die Klinik.

München - Seine Zivilcourage wurde ihm fast zum Verhängnis. Auf dem Heimweg von der Wiesn schützte Frank S. eine Frau und wurde daraufhin fast totgeprügelt. Jetzt startete der Prozess.

„Für mich sind Sie ein Held, weil Sie in einer Gefahrensituation Zivilcourage bewiesen haben. Meinen Respekt! Menschen wie Sie braucht unsere Gesellschaft.“ Starke Worte von Richter Philipp Stoll! Sie gelten Frank S. (39), der am 24. September 2014 zu Hilfe eilt, als Meena A. gerade von ihrem Freund Ugur D. (27) – mitten auf der Zeppelinstraße in der Au – verprügelt wird. Als Frank S. ihr helfen will, wird er von D. brutal niedergeschlagen. Seit Mittwoch steht der Täter wegen Körperverletzung vor Gericht!

„Es war nachts gegen ein Uhr. Ich kam gerade mit dem Taxi von einer After-Wiesn-Party nach Hause und wollte eigentlich nur noch ins Bett“, sagt Frank S. aus. Plötzlich wird der Angestellte aber Zeuge, wie Ugur D. seine Freundin zu Boden schleudert. „Sie rief um Hilfe, da bin ich gleich hingelaufen“, sagt S. „Ich stellte mich zwischen die beiden, um die Frau zu schützen.“ Dafür bezahlt er später fast mit seinem Leben!

Ugur D. (Mitte, mit Verteidiger Hubert Schorr) gestand die Attacke auf den Angestellten. Er steht wegen Körperverletzung vor Gericht

Denn Ugur D. ist stark betrunken und hat gekifft. Er schreit Frank S. erst an und schlägt ihn dann urplötzlich mit der Faust ins Gesicht. Als die Mutter von Ugur D. dazukommt, kann S. Abstand gewinnen. Kurz darauf geht D. aber wieder auf den mutigen Helfer los: „Er schlug mich von hinten auf den Kopf. Mir wurde sofort schwindelig.“ Frank S. fällt zu Boden, bleibt benommen liegen. „Er schrie ‚Wer soll dich jetzt noch beschützen‘: Dann sah ich nur noch, wie ein Schuh auf mich zukam“, sagt S. Unfassbar: Ugur D. tritt ihm mehrfach auf den Kopf und ins Gesicht. Durch die Attacke wird Frank S. schwer verletzt: Die Tritte verursachen Brüche seines Jochbeins und der Augenhöhle. Laut Anklage nimmt der Täter damit den Tod des Angestellten in Kauf – es besteht konkrete Lebensgefahr! Per Notarzt kommt Frank S. in die Klinik, anschließend ist er noch drei Wochen lang krankgeschrieben. „Ich konnte wochenlang nur Flüssignahrung zu mir nehmen und meinen Kopf nicht drehen“, sagt er.

Im Prozess gab Ugur D. alles zu. „Mein Mandant bedauert sein Verhalten. Es tut ihm unendlich leid. Er möchte sich aufrichtig entschuldigen“, erklärte Verteidiger Hubert Schorr. Vor der Tat, sagt D., habe er zum ersten Mal seit Jahren wieder Alkohol getrunken – literweise Bier auf der Wiesn. Dort habe der Streit mit seiner Freundin begonnen.

Für die Attacke droht Ugur D. jahrelange Haft, denn er saß bereits von 2009 bis 2013 im Gefängnis. Seine Entschuldigung nahm Frank S. am Donnerstag an. Schadensersatzansprüche hegt er gegen den brutalen Täter aber nicht. Denn: „Ich finde, er und seine Familie sind schon genug gestraft.“

Andreas Thieme

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare