Übergang zum Werksviertel

Alternative zum düsteren Tunnel: Am Ostbahnhof soll eine „Gaudi-Brücke“ entstehen

Eine Gruppe von Münchner Architekten schlägt über den Ostbahnhof-Gleisen eine Brücke mit Läden, Cafés und Tanzlokal vor.

Hinter dem Ostbahnhof baut München an seiner Zukunft. Das neue Werksviertel soll jedoch nicht nur über den düsteren Fußgängertunnel erreichbar sein. Stattdessen könnte eine riesige Brücke die Lösung sein.

Seit das Werksviertel geplant wird, wird auch über eine attraktive Verbindung zwischen Haidhausen und dem Münchner Vorzeige-Quartier gerätselt. Wegen der Entscheidung, hier den neuen Konzertsaal zu bauen, steht das Thema ganz oben auf der Liste der Stadtplaner. 

Brücken-Pläne am Ostbahnhof: Gibt es bald einen Hauch Florenz?

Eine Gruppe Münchner Architekten wartet nun mit einer eigenen Idee auf: einer Neuinterpretation des mit Geschäftshäusern bebauten Ponte Vecchio in Florenz. Es könnte ein weiteres prägendes Bauwerk für den Münchner Osten werden.

Die Planer vom Büro abp Architekten schlagen eine Brücke mit Läden, Cafés und Kulturangeboten vor. „Attraktiv wäre auch ein Tanzraum, der durch Glas von beiden Seiten zu sehen ist“, sagt Nils Langner. Der Architekt hat sich zusammen mit seinen Kollegen intensiv Gedanken über eine ansprechende Gestaltung des Stegs gemacht. „Wir stellen uns Nutzungen vor, die weithin sichtbar sind und die Leute anziehen.“ Möglich wären unter anderem kleine Boutiquen, Galerie, eine Musikbar, aber auch eine Stadtinformation für am Ostbahnhof ankommende Reisende. „Sehr kleine, wichtige und feine Sachen.“

Brücke als eine Art Bypass

Das Architekturbüro, das viel mit der Planung öffentlicher Gebäude beschäftigt ist, liegt selbst im Stadtteil Berg am Laim. Die Mitarbeiter kommen täglich an Ostbahnhof und Werksviertel vorbei, einer der Chefs wohnt sogar um die Ecke. Aus Lust und Laune habe man sich zum Fenster rausgehängt und die Idee ausgearbeitet, erzählt Langner. Die wichtigsten Fragen dabei: Wie beleben wir die Verbindung? Was kommt dem Stadtteil zugute? Was wäre interessant? „Vorbilder für derart belebte Brücken gibt es in vielen alten Städten“, so der Architekt. Neben dem Ponte Vecchio habe sie auch das alte Kinderlied Sur le pont d’Avignon (Auf der Brück’ von Avignon) inspiriert.

Der Übergang soll den Ostbahnhof mit dem Werksviertel verbinden. Bislang gibt es dort nur eine düstere Unterführung.

„Zugig und unschön“: Trister Fußgängertunnel 

Bislang wurde immer nur über einen zweiten Fußgängertunnel als Verbindung vom Ostbahnhof ins Werksviertel gesprochen. Aktuell gibt es einen engen, tristen Durchgang Richtung Berg am Laim mit Treppen zum Bahnsteig. „Der ist sehr zugig und unschön, und während er saniert wird, kommt man gar nicht mehr rüber“, sagt Langner. Die Brücke könnte da auch eine Art Bypass sein. Zudem könnte sie durch Treppenaufgänge von den Gleisen auch die unterirdische Verbindung entzerren, die bereits heute an ihre Leistungsgrenze stößt. Als problematisch wurde bisher die Anbindung einer Brücke auf der Haidhauser Seite angesehen – doch die Architekten haben auch hier eine Lösung: „Da gibt es eine Lücke zwischen dem Ostbahnhof und der Berufsschule, bei der man durchstechen kann.“ Mit Treppe und Aufzug könnte man dann beim Busbahnhof am Orleansplatz andocken.

Ihren Vorschlag haben sie an die Stadt geschickt – mit Erfolg: Vom Planungsreferat habe man vergangene Woche Post bekommen, freut sich Langner. „Man äußerst sich interessiert und lobend.“ Die Idee soll als Grundlage in die geplante Machbarkeitsstudie für eine Fußgängerverbindung aufgenommen werden.

Wo einst Pfanni knödelte und sich später die Partymeute austobte, entsteht das neue Vorzeigeviertel der Stadt. Blickfang wird das neue Konzerthaus (Simulation).

Mehr Informationen und die schönsten Geschichten über dieses Stadtviertel Münchens gibt es auch auf unserer Facebook-Seite „Haidhausen - mein Viertel“.

Carmen Ick-Dietl/mk

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Schüler verfolgen Handydieb über Stunden - die Polizei lässt ihn aber laufen
Schüler verfolgen Handydieb über Stunden - die Polizei lässt ihn aber laufen
Zeitreise durch München: So sahen Grünwalder Stadion und das Bier-Paradies damals aus
Zeitreise durch München: So sahen Grünwalder Stadion und das Bier-Paradies damals aus
Frau vor Münchner Apple Store hat Zettel in der Hand - und bietet Geld für besonderen Gefallen
Frau vor Münchner Apple Store hat Zettel in der Hand - und bietet Geld für besonderen Gefallen
Schauspieler sicher: „Der Steckdosen-Schatz gehörte meinem Freund“
Schauspieler sicher: „Der Steckdosen-Schatz gehörte meinem Freund“

Kommentare