Bestätigung vom Stadtrat steht noch aus

Neugestaltung des Gasteigs: Unterlegene Architekten nicht zufrieden - juristischer Ärger droht

+
Der Gasteig-Aufsichtsrat hat sich scheinbar entschieden - für diesen Entwurf.

Der Umbau des Münchner Gasteigs ist bislang ab 2021 vorgesehen, nun scheint sich der Aufsichtsrat für ein Architekten-Modell entschieden zu haben. Zoff gibt es wahrscheinlich trotzdem.

Update vom 24. Oktober 2018: Pläne enthüllt 

Den Gasteig soll künftig eine mächtige Glasfassade zieren, die sich zur Stadt hin öffnet: Das international tätige Architekturbüro Henn aus München darf das Gesicht des Kulturzentrum gestalten. Darauf verständigte sich am Mittwoch die Vollversammlung mit den Stimmen der Rathaus-Mehrheit aus CSU und SPD. Grüne und FDP votierten dagegen. Doch es könnte juristischer Ärger drohen! Herzstück des Entwurfs ist die Idee einer „Kulturbühne“, die mit einem durchgängigen gläsernen Band großzügige Ein- und Ausblicke gewährt und die Angebote der im Gasteig ansässigen Einrichtungen miteinander verbindet. 

Auch Neuerungen wie ein Aussichtspunkt mit Dachrestaurant wurden von einer Jury, vom Aufsichtsrat und der Mehrheit des Stadtrats positiv bewertet. Für die Neugestaltung der Philharmonie sucht der Gasteig noch nach einem Akustikbüro. Henn hatte sich in der Endauswahl gegen die Entwürfe der Büros Auer Weber (München) und Wulf Architekten (Stuttgart) durchgesetzt. Die unterlegenen Architekten haben vergangene Woche durchklingen lassen, die Entscheidung wegen Verfahrensfehlern juristisch anfechten zu wollen. Von den ursprünglichen Architekten des aus dem Jahre 1985 stammenden Kulturtempels könnte eine Urheberrechtsklage drohen. Juristische Schritte hätten wohl fatale Folgen für den Zeitplan. Zumal, wenn Klagen von zwei Flanken kommen.

Im Gasteig: das Foyer mit Blick auf die Stadt.

Max Wagner, Geschäftsführer des Gasteigs, hat angekündigt, rasch Gespräche mit den vier Ursprungsarchitekten beziehungsweise deren Erben aufzunehmen. Denen ist daran gelegen, dass der Gasteig nur ertüchtigt, aber in seinem Erscheinungsbild nicht grundlegend verändert wird. Wagner will mit dem Dialog möglichen Urheberrechtsklagen vorbeugen. Er erklärte: „Es entsteht ein architektonisches Markenzeichen, das weit über Münchens Grenzen hinaus strahlen wird.“

Mögliche Klagen der unterlegenen Architekten hält Gasteig-Aufsichtsratschef und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) für nicht haltbar. Das Verfahren sei korrekt gelaufen. Der Umbau ist ab 2021 vorgesehen. Der Kostenrahmen liegt zwischen 410 und 450 Millionen Euro. Während der wohl bis 2026 dauernden Sanierung sollen die Gasteig-Nutzer nach Sendling auf das Stadtwerke-Gelände an der Hans-Preißinger-Straße umziehen.

Lesen Sie auch: Großeinsatz der Feuerwehr nahe des Gasteig: Feuer in Hotel, Gäste evakuiert.

Update vom 18. Oktober 2018: Gasteig-Zoff geht wohl weiter

Die Sanierung des Gasteig könnte sich nun doch auf unbestimmte Zeit verzögern. Wieder gibt es Zoff mit den Architekten, diesmal aber nicht mit den ursprünglichen! Die unterlegenen Bewerber, die Architekten Tobias Wulf aus Stuttgart und Moritz Auer aus München, wollen gegen die Vergabe der Sanierung an das Büro Henn vorgehen. 

Zum einen sei der Eindruck entstanden, der Aufsichtsrat habe sich von den ursprünglichen Architekten unter Druck setzen lassen. Diese hatten, wie berichtet, Urheberrechte geltend gemacht und sich für den Entwurf der Architekten Henn ausgesprochen. „Das ist aber nur ein Grund“, sagte Wulf der tz.

Ursprungsmeldung vom 12. Oktober: Gasteig-Aufsichtsrat hat sich wohl entschieden

München - Der Gasteig-Aufsichtsrat hat sich nach Informationen unserer Zeitung am Freitag darauf verständigt, den Umbau des aus dem Jahre 1985 stammenden Kulturzentrums nach dem Entwurf des Büros Henn weiterzuverfolgen. Die Entscheidung des Gremiums muss am 24. Oktober vom Stadtrat bestätigt werden. 

Zuvor hatte am Freitagvormittag eine unabhängige Bewerterkommission ihre Empfehlung abgegeben. Außer dem Münchner Büro Henn standen die Entwürfe des Büros Auer Weber (ebenfalls aus München) sowie der Wulf Architekten aus Stuttgart zur Auswahl. Das Wettbewerbsmodell von Henn ähnelt der jetzigen Architektur am ehesten und galt als Favorit. Zumal die vier ursprünglichen Gasteig-Architekten um Eike Rollenhagen die beiden anderen Entwürfe wohl ausgeschlossen haben und sich nur mit der Henn-Konzeption anfreunden konnten. Auch das könnte bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben. 

Gasteig in München: Umbau startet voraussichtlich 2021

Denn vor der freitäglichen Aufsichtsratssitzung hatte es die ganze Woche über politische Turbulenzen gegeben. Die SPD-Stadtratsfraktion unkte, die früheren Architekten würden auf ihr Urheberrecht pochen und könnten den Sanierungsplan juristisch blockieren. Dies sei vorab nicht geklärt worden. Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner sagte hingegen, er befinde sich in ständigem Austausch mit Rollenhagen. Dieser habe nur eine „Denkschrift“ verfasst, in der er zum Beispiel auf den Erhalt der Ziegelfassade und die skulpturale Großform des Baukörpers besteht. 

Wagner hatte angekündigt, der Gasteig wolle alle vier Architekten in die weiteren Planungen miteinbinden, sofern sie dies wünschten. Der Umbau des Kulturtempels ist ab 2021 vorgesehen. Der Kostenrahmen beträgt zwischen 410 und 450 Millionen Euro. Während der wohl bis 2026 dauernden Generalsanierung sollen die Gasteig-Nutzer nach Sendling umziehen. Das Interimsquartier liegt auf dem Stadtwerke-Gelände an der Hans-Preißinger-Straße

Lesen Sie auch: Streit um Gasteig-Sanierung - jetzt äußern sich Geschäftsführer und Bürgermeister.

Lesen Sie auch: Lehrer macht Sensations-Entdeckung in Münchner Schule

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Nachbarn klagen über unangenehmen Mieter - doch immer, wenn es in seiner Wohnung brennt, retten sie ihn
Nachbarn klagen über unangenehmen Mieter - doch immer, wenn es in seiner Wohnung brennt, retten sie ihn

Kommentare