Landratsamt klagt gegen geplanten Anbau

Am Neudeck: Zoff um den alten Frauenknast

+
Das Landratsamt grenzt mit seinen Gebäuden an das Knast-Areal an.

München - Wieder Ärger um den alten Frauenknast: Fünf Jahre, nachdem das Münchner Frauengefängnis vom Neudeck in der Au in den Neubau in Stadelheim umgezogen ist, tut sich am alten Standort immer noch nichts.

Eigentlich wollte die Obdachloseninitiative BISS hier ein Ausbildungshotel gründen – doch dann schnappte sich ein privater Investor das Gelände.

BISS-Chefin Hildegard Denninger und Sportfreunde-Stiller-Frontmann Peter Brugger demonstrierten für ein Ausbildungshotel.

Jetzt soll das denkmalgeschützte Haus massiv umgebaut und die Wohnungen einzeln weiterverkauft werden. Das Landratsamt grenzt mit seinen Gebäuden an das Knast-Areal an – und hat jetzt gegen den Bauvorbescheid der Stadt Klage eingereicht. Der Prozess steigt am 15. Dezember. „Wenn wir das Haus bekommen hätten, wäre unser Ausbildungshotel schon seit einem Jahren in Betrieb.“ BISS-Chefin Hildegard Denninger hat es immer noch nicht verkraftet, dass der Freistaat das ehemalige Frauengefängnis 2011 für geschätzt 16 Millionen Euro verkauft hatte – das Zehnfache dessen, was BISS mithilfe von Spenden aufbringen konnte. 40 sozial benachteiligte Jugendliche sollten im Hotel BISS einen Ausbildungsplatz bekommen. „Das hätte dem Staat langfristig mehr Geld gespart, als er für den Verkauf einnahm“, so Denninger zur tz. BISS wollte den Bau behutsam sanieren.

Landrat Christoph Göbel.

Der ursprüngliche Käufer hat das Anwesen inzwischen an die Leipziger First Single Apartment veräußert, der Münchner Bauträger Munich Real Estate soll den Knast in ihrem Auftrag in ein Apartmenthaus umwandeln. „Wir denken dabei an Studenten, Singles oder Workdrifters – also Menschen, die nur zum Arbeiten in München sind und woanders ihren Wohnsitz haben“, erklärt Andrea Bäring, die Sprecherin der Investoren. Sie planen 200 zwischen 20 und 28 Quadratmeter große Apartments. „Als Kapitalanlage“, so Bäring. Der Einzug könnte Anfang 2017 stattfinden. Um all diese Apartments unterzubringen, braucht es bis zu acht Meter tiefe Anbauten, die bis zum Dach reichen – von der jetzigen Fassade wird dann kaum noch etwas zu sehen sein. „Wir wollen mit viel Holz und großen Fenstern bauen, um den Gefängnisbau seine Schwere zu nehmen“, so Bäring. Auch die Dachgeschosse werden ausgebaut. „Sie bekommen große Dachfenster.“ Da wo jetzt die großen Bäume an der Ohlmüllerstraße stehen, ist ein Neubau geplant, der so hoch wie der Knast werden soll. Landrat Christoph Göbel (CSU) rücken die geplanten Neubauten zu nahe ans Landratsamt, das in einem historischen Trakt des ehemaligen Paulanerklosters untergebracht ist. Der Barockbau liegt direkt neben dem JVA-Grundstück, der Neubau würde den Büros dort viel Licht nehmen. Göbel ließ Klage gegen den Bauvorbescheid einreichen, weil der Neubau die Abstandsflächen nicht einhalte.

Johannes Welte

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht

Kommentare