Haidhausen: Haus unterm Hammer

Wir werden zwangsversteigert!

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Sie sind viele – aber sie haben sich nicht durchsetzen können … Die Mieter im Innenhof des versteigerten Hauses

München - Für die 14 Familien in der Rosenheimer Straße 44 war die Welt bis Dienstag noch in Ordnung. Doch jetzt könnte sich alles ändern – ihr Wohnhaus wurde zwangsversteigert!

Für die 14 Familien in der Rosenheimer Straße 44 war die Welt bis Dienstag noch in Ordnung. Sie zahlen bislang vergleichsweise preiswerte Mieten und verstehen sich mit gut ihren Vermietern. Doch das alles könnte sich jetzt ändern – ihr Wohnhaus wurde zwangsversteigert!

„Ich wohne hier seit 1995 und habe mir meine 52-Quadratmeter-Wohnung gemütlich eingerichtet. Jetzt weiß ich nicht, was auf mich zukommt“: Slavica Sarah-Vasic (46) zahlt derzeit 520 Euro warm für ihre Dachgeschosswohnung und weiß, was sie daran hat. Was kommt jetzt auf sie zu?

Die Vorgeschichte: Das Haus, in dem es zum Teil noch kein Warmwasser gibt, gehörte bislang einer Erbengemeinschaft. Einer der Erben ist verstorben – er vermachte seinen Anteil an die katholische Männerfürsorge. Die wiederum verkaufte den Anteil. Warum, wollte der Verein der tz nicht verraten.

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Danach lag der Anteil in den Händen der Minyas Immobilienbetreuung-GmbH und der Mezzan Immobilienservice GmbH. Die Firmen beantragten die Auflösung der Erbengemeinschaft, was zur Zwangsversteigerung führt.

Peter Zambra (89) wohnt seit 1964 im Haus an der Rosenheimer Straße

Und die fand am Dienstag vor dem Amtsgericht in der Infanteriestraße statt. Die Mieter empfingen die Interessenten mit einer Demo und setzten sich in den Saal, wo es zum Bieterstreit kam. Neben Minyas/Mezzan boten mehrere Immobilienhändler mit. Auch die verbliebenen Erben versuchten, das Haus zu kaufen. Minyas/Mezzan stiegen bei 4,9 Millionen Euro aus, das letzte Gebot der Erben lag bei fünf Millionen – schließlich bot ein Herr in weißer Hose, Pilotenbrille und schwarzer Lederjacke 5,1 Millionen. Seinen Namen oder den seiner Firma will er nicht in der Zeitung lesen: „Sie kennen doch das Geschrei.“

Die Mieter sind nun in höchster Sorge. Sarah-Vasic: „Wenn das Haus luxussaniert wird, weiß ich nicht, ob ich mir das noch leisten kann.“

Das sagt der Mieterverein

Eine Erbengemeinschaft löst sich auf – und das Haus wird an den Meistbietenden verkauft. Für Rechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München ein typischer Vorgang. „In solchen Häusern, die bislang noch privaten Eigentümern gehörten, sind die Mieten meist noch erschwinglich“, so Franz. Wenn so ein Haus an Investoren verkauft wird, komme es oft zu Luxussanierungen, was wiederum zu steigenden Mieten führe: „Die Sanierunrgskosten werden auf die Mieten umgelegt.“ Und wenn ein Mieter einem Umbau im Weg ist, wird er häufig für viel Geld herausgekauft.

Johannes Welte

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