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Haidhausen sagt Nein zum zweiten S-Bahn-Tunnel

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Schon allein, weil sie besonders tief liegen würde, ist die zweite Röhre vielen Haidhausern nicht geheuer. © Haag

Haidhausen - Die Bürger in Haidhausen und der Au lehnen den Bau eines zweiten S-Bahn-Stammstreckentunnels mehrheitlich ab. Das ist das Ergebnis einer außerordentlichen Bürgerversammlung, in der Sicherheitsbedenken und Vorwürfe laut wurden.

An die 500 Bürgerinnen und Bürger aus Au / Haidhausen waren zu der Veranstaltung in den Hofbräukeller am Wiener Platz gekommen – um sich zu informieren, vor allem aber um ihrem Ärger Luft zu machen. Die Mehrheit, das war schnell erkennbar, zieht den Ausbau des S-Bahn-Südrings einem zweiten Tunnel vor.

Die beide Varianten vergleichende Studie, die Frank Kutzner vom Verkehrsministerium vorstellte, fiel in der Versammlung glatt durch. Die Viertel-Bewohner Volker Böhm und Walter Heldmann fanden eine deutliche Mehrheit für ihren Antrag, „die vorliegenden Konzepte von neutralen Fachleuten überprüfen zu lassen.“ „Die Auftragsvergabe muss öffentlich erfolgen“ sagte Heldmann und appellierte an die Bürger: „Lassen sie sich nicht einschüchtern. Sie liegen mit dem Südring hundertprozentig richtig.“

„Höchst bedenklich“ findet Heldmann die offizielle Kostenkalkulation: „Ein Gleiskilometer des Südrings soll an die 28 Millionen Euro kosten, und bei vergleichbaren DB-Projekten kommen die Planer nur auf ungefähr drei Millionen Euro pro Streckenkilometer.“ Auch Monika Naggl zweifelte die Seriosität des Gutachtens an. Sollten Berichte, wonach Südring-Gutachter auch bei der Tunnelplanung mitgearbeitet haben, stimmen, dann solle Oberbürgermeister Christian Ude „das gekaufte Gutachten aus eigener Tasche bezahlen“, forderte sie. Dieser Antrag wurde mit klarer Mehrheit verabschiedet und sorgte für Erheiterung beim Haidhauser Auditorium. „Das Ende des Tunnels ist noch nicht erreicht“, rief die Bürgerin. Ferner forderte die Versammlung, die Bahn solle ein Betriebskonzept für einen zweiten Tunnel vorlegen.

Schon allein, weil sie besonders tief liegen würde, ist die zweite Röhre vielen Haidhausern nicht geheuer. So gab Dr. Michaela Boente zu bedenken, dass im Falle eines Unglücks vierzig Meter unter der Erde „Schwangere, ältere Menschen und Kinder dort heraufsteigen müssten“. Das sei „völlig verantwortungslos“. Anna Hundseder wollte von den Experten wissen: „Können wir einstürzen?“ Die Frau wohnt in einem einem Haus an der Inneren Wiener Straße. Der Tunnel solle nach den aktuellen Planungen „haarscharf daran vorbei gebaut werden“. Unter dem Anwesen liege ein uralter Weinkeller, der nicht mehr begehbar sei, erklärte Hundseder. „Ich bin einfach sensibilisiert durch Köln.“ Sie hat Angst, ihr Haus könne einstürzen wie das Kölner Stadtarchiv Anfang des Jahres.

DB-Projektleiter Albert Scheller versicherte, dass „im Stadium der Entwurfs- und Ausführungsplanung die Häuser ganz genau in Augenschein genommen werden“. Ansonsten stehe jedem im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens frei, hier Einwände zu machen. Was die Rettungsschächte angeht, verwies Scheller auf ein von allen Beteiligten so abgesegnetes detailliertes Brandschutz- und Rettungskonzept und auf die Tatsache, dass „alle 600 Meter ein Rettungsschacht“ gebaut werden solle.

Carolin Högel

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