Weißenburger Straße

Hinterhof-Bier für Haidhausen?

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Werner Schuegraf möchte in der Weißenburger Straße 16 eine Biersiederei betreiben. Doch wohl nur für einen gewissen Zeitraum, denn das Haus soll vermutlich umgebaut und teilweise abgerissen werden. 

München - Biersiederei statt Backstube: An der Weißenburger Straße 16 in Haidhausen könnte im Hinterhof bald eine kleine Brauerei für Craftbiere entstehen. Doch noch gibt es Fragen.

In Haidhausen könnte schon bald das flüssige Gold aus einer neuen Quelle sprudeln. Im Gespräch mit unserer Zeitung verriet Brauer Werner Schuegraf, er könne sich gut vorstellen, noch im Spätsommer an der Weißenburger Straße 16 einen Brauerei-Betrieb als „Pop-up“-Store zu öffnen. Sprich: In Form einer Zwischennutzung. Denn der Eigentümer des Hauses spielt mit dem Gedanken, das in die Jahre gekommene Rückgebäude in einigen Jahren abzureißen und einen Neubau an der Stelle zu schaffen. Die bisher ansässige Backstube hat erst vor kurzem geschlossen.

Ob und wann das erste Bier im Hinterhaus fließt, ist noch ungewiss. Werner Schuegraf steht schon in den Startlöchern. Er hoffe, dass er vielleicht noch im August mit dem Brauen loslegen könne, sagt er, „sobald alles genehmigt ist“.

Stolz ist der Diplom-Ingenieur, der in Weihenstephan studiert hat, besonders auf seinen „roten Wuiderer“, ein stärkeres, rotes „Ale“, das mit obergärigen Hefen vergoren wird. Aber auch mit seinen Lagerbieren braucht er sich nicht zu verstecken.

Mit Gastronomie oder ohne?

Im Hinterhof des Hauses an der Weißenburger Straße 16 war bis vor kurzem noch eine Backstube zu finden.

Eine Mini-Brauerei betreibt er schon seit gut zwei Jahren in Neuried, wo er sein Craftbier, das „Hopfenhacker“, herstellt. Nun würde der 53-Jährige in dem Haidhauser Hinterhaus gerne sein „handgehopftes“ Helles produzieren. Mit Hilfe von Kochkesseln, Sudpfanne, Läuterbottich und Würzekühler, außerdem „in etwas größeren Mengen als bisher“. Geplant ist auch, die erfrischende Eigenkreation dort gleich in Flaschen abzufüllen. Schön fände es der Münchner, wenn die Leute bei ihm „einfach spontan“ im Hinterhof vorbeischauen, ratschen oder auch mal ein Bier mitnehmen könnten. Oder wenn ihm Bierfans, die es interessiert, auch mal beim Brauen „über die Schulter schauen“ dürften.

Ein paar Fragen sind offenbar aber noch nicht geklärt: Neben allen erforderlichen Genehmigungen – der Betrieb wurde orndungsgemäß angemeldet – geht es bei dem Projekt auch darum, ob Gastronomie dazukommen könnte oder nicht. So sei es denkbar, dass – unabhängig von der Biersiederei im Hinterhaus – vorne das Craftbier verkauft und in Gastronomie-Räumen zum Beispiel Gegrilltes vom „Smoker“ zum Essen angeboten werden kann, heißt es auf Betreiberseite.

Doch so einfach geht das nicht. Denn seit 2001 ist in den besagten Räumen im Vorderhaus mit der Nummer 16 das Restaurant „der kleine Chinese“ beheimatet. Betreiber Daniel Pohl sagte jedoch in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA), ihm sei inzwischen gekündigt worden. Damit wolle er sich nicht abfinden. Als Bürger trug er sein Anliegen vor und wollte vom BA wissen, was genau mit dem Haus passiere, in dem es auch einige Mietwohnungen gebe. Pohl sagte zudem in der öffentlichen Sitzung, dass auch der Wirt des „Tambosi“, Frank Waldecker, zusammen mit dem Brauer, aufgetreten sei. Dieser verwies jedoch auf Nachfrage unserer Zeitung lediglich auf Werner Schuegraf, der dort seine Biersiederei plane.

Biersiederei ja - Abriss und Neubau des Hauses nein

Die Lokalpolitiker waren im Vorfeld mit der Idee der Biersiederei betraut gewesen, von der Kündigung des Betreibers vom „Kleinen Chinesen“ wussten sie nichts. Eine Biersiederei hatten sie damals begrüßt, „auch im Hinblick auf die Haidhauser Biertradition“, wie sie damals erklärt hatten. Anträge des Hausbesitzers auf Abriss und Neubau des Hauses, die dem BA schon im März 2015 vorgelegen hätten, habe man im Gremium abgelehnt. Auch die Lokalbaukommission hatte einen solchen Antrag aus Denkmalschutzgründen nicht befürwortet.

Der Bauherr hat nun allerdings einen geänderten Antrag eingereicht, wie das Planungsreferat auf Anfrage mitteilte. Beantragt seien die Entkernung und der Umbau des Vordergebäudes sowie der Abbruch und Neubau des Rückgebäudes.

In dem Vorderhaus befinden sich nach Angaben der Projektentwicklungsgesellschaft Heisig und Heisig etwa zehn Mietwohnungen. Mit den Mietern werde man eine gute Lösung für alle Beteiligten finden, sagte dort Geschäftsführer Felix Heisig auf Nachfrage. Man werde keine Eigentumswohnungen schaffen, sondern es würden weiter Mietwohnungen bleiben. Im Rückgebäude befänden sich bislang nur wenige Wohnungen, hier sollten weitere entstehen – jedoch wohl nicht vor 2019.

Anne Hund

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