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Millionenraub: So agiert die Pink-Panther-Bande

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Über 300 Millionen Euro sollen die Pink Panther schon erbeutet haben. In München wurden nach dem Chopard-Überfall insgesamt sieben verdächtige festgenommen.

München - Die Pink-Panther-Bande! Seit zehn Jahren sind Spezialisten aus 16 Ländern hinter ihr her. Rund 140 Überfälle werden ihr zur Last gelegt. Wir erklären das weltweite Netz der kriminellen Gruppe:

Immer wieder mal gelingen Festnahmen – wie am Mittwoch in München, wo die Polizei nach dem Überfall auf den Chopard in der Maximilianstraße gleich sieben Mitglieder der Pink-Panther-Bande geschnappt hat. Rund 140 Überfälle mit einem Beutewert von über 300 Millionen Euro werden der Gruppe zugeschrieben. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Die tz erklärt das weltweite Netz der Pink-Panther-Bande:

Die Ursprünge:

Wie viele Panther zum weltweit agierenden kriminellen Netzwerk gehören, weiß niemand. Etwa 200 sollen es sein, vielleicht auch nur 100. Alle stammen aus Balkanländern wie Montenegro, Serbien, Kroatien. Einen Big Boss gibt es nicht, wohl eher einige bestens vernetzte, schwerst reiche und extrem konspirativ agierende Anführer mit Kontakten auf allen Ebenen bis hinauf in höchste Regierungskreise. Diese Struktur macht Ermittlungen schwierig bis unmöglich. Die Täter reisen viel und oft mit gefälschten Pässen und tauchen bei ortskundigen Residenten unter, die ihnen Privatquartier und Leihwagen bieten. Den Namen Pink Panther bekamen sie von der Londoner Polizei, nachdem sie einen 500.000-Dollar-Diamanten in einem Cremetopf versenkt hatten – genau wie im Meisterdieb-Film Der rosarote Panther (1963).

Die Taktik:

Die Raubüberfälle sind stets perfekt vorbereitet, dauern selten länger als eine Minute und werden mit brachialer Gewalt (Vorschlaghämmer, Äxte, etc.) durchgezogen. Die erste Strecke der Flucht laufen die Panther meist zu Fuß – oft entgegen von Einbahnstraßen und in verschiedene Richtungen. Danach nutzten die Täter oft mehrere Autos. Früher trugen sie niemals scharfe Waffen. Mittlerweile sind die Panther allerdings brutaler und unprofessioneller. In Serbien und Spanien wurden 2013 bei ihren Überfällen zwei Polizisten erschossen, bzw. schwer verletzt.

Spektakuläre Coups:

Das teuerste Schmuckstück, eine mit 116 Diamanten besetzte Halskette namens „Comtesse de Vendôme“ im Wert von 19 Millionen Euro, erbeuteten die Panther 2004 in Tokio. Die Räuber trugen Smog-Masken und versprühten reichlich Tränengas. Die „Comtesse“ tauchte nie mehr auf. Die Diamanten wurden vermutlich direkt nach dem Überfall umgeschnitten. In Hamburg hängten die Panther die Polizeihubschrauber ab – auf Motorrollern mitten durch den Wald! In Dubai rasten sie mit zwei gestohlenen Audi A8 durch ein Einkaufszentrum – direkt in die Scheiben eines Juweliers. Die Autos wurden später ausgebrannt in der Wüste gefunden. In Monaco entwischten sie trotz Straßensperren und 400 Kameras. In Saint-Tropez erschienen sie in Blümchen-T-Shirts beim Juwelier und flohen vor den Augen staunender Touristen mit einem Schnellboot. Ihr größter Coup lief 2008 in Paris, wo sie blonde Frauenperücken trugen und die Angestellten mit einer 357er-Magnum und einer Handgranate bedrohten. Sie entkamen mit Juwelen im Wert von 80 Millionen Euro. Auch ihre Anführer lassen sie nicht im Stich. Einem ihrer Bosse – Dragan Mikic – gelang sogar zwei Mal die Flucht. Mit Hilfe bewaffneter Komplizen floh er 2003 zunächst aus einem französischen Gerichtsgebäude, wurde aber wieder gefasst. Zwei Jahre später eröffneten seine Freunde mit Maschinengewehren das Feuer auf die Gefängnis-Wachtürme. Dabei gelang Mikic die Flucht über die Mauer mit Hilfe einer selbstgebauten Leiter.

Die Panther-Ehre:

In ihren Heimatstädten werden die Gangster nach Recherchen des Männermagazins GQ und des SZ-Magazins wie Volkshelden verehrt. Im Internet kursieren Bewerbungen. So gut wie nie packen gefasste Panther aus. Manche fürchten offensichtlich um die Sicherheit ihrer Familie. Die Verhöre enden oft mit dem Satz: „Pink Panther? Noch nie gehört.“

In München gab das BKA den Hinweis auf das Fluchtauto

Am Isartor stoppten die Beamten einen schwarzen BMW.

Der Blitz-Überfall vom Mittwoch auf den Luxus-Juwelier Chopard an der Maximilianstraße war offenbar von langer Hand geplant – und es gab wohl auch im Vorfeld entsprechende Hinweise. So soll das Bundeskriminalamt (BKA) die Münchner Polizei informiert haben, dass es einen Tipp aus Tschechien gab, der einen großer Raubüberfall in München andeutete. Dabei sollte auch ein BMW-Mietwagen eine Rolle spielen. Tatsächlich hatte die Polizei einen gemieteten 3er BMW mit Münchner Kennzeichen kurz nach dem Überfall am Mittwoch am Isartor gestoppt und zwei Männer festgenommen. Bei ihnen handelte es sich offenbar um Hintermänner (27, 32). Noch am Tag vor dem rabiaten Blitz-Überfall der fünf Räuber haben Augenzeugen beobachtet, wie die Münchner Polizei mehrere BMWs in der Innenstadt kontrolliert hatte. Verhindern konnten diese Stichproben die Tat allerdings nicht.

Dorita Plange

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