War 91-Jährige ein Zufallsopfer?

Mord in der Au: Erste Spur in diesem Mülleimer?

+
Aus diesem Mülleimer in der Falkenstraße stellten die Beamten die weißen Mokassins sicher

München - Nach dem Mord an einer 91-Jährigen aus der Au laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die Polizisten halten für möglich, dass sie ein Zufallsopfer war. Es wurde eine mögliche erste Spur gefunden.

Die beschauliche Dollmannstraße in der Au, Mittwoch Vormittag: Während ein Filmteam einen Beitrag für die ZDF-Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst dreht, laufen zwei Häuser weiter die Ermittlungen in einem realen Kriminalfall auf Hochtouren. Beamte der Spurensicherung und der Bereitschaftspolizei jagen den Mörder der 91-jährigen Anna Sondermaier. Die ehemalige Schneiderin war am Dienstag von einem Mitarbeiter des Pflegedienstes tot in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung entdeckt worden!

Die Polizisten durchkämmen den ganzen Tag die Gegend um den Nockherberg, suchen in Gebüschen, auf Garagendächern und im Innenhof nach der Tatwaffe. „Ob ein Raubmord in Frage kommt, müssen wir noch abklären“, sagte Mordkommissionschef Markus Kraus. Die Witwe sei allerdings nicht besonders wohlhabend gewesen, ihre Wohnung im vierten Stock „durchschnittlich ausgestattet“.

Hier wurde Anna Sondermaier getötet. Die Polizei hat den vollen Namen des Opfers veröffentlicht, weil sich die Ermittler Hinweise aus der Bevölkerung erhoffen.

Der Mord an Anna Sondermaier gibt den Ermittlern ein Rätsel auf. Die Frau führte ein bescheidenes, unauffälliges Leben. Immer donnerstags ging sie ins benachbarte Alten- und Service-Zentrum zur Kaffeerunde. Chefin Angela Settele sagt gegenüber der tz: „Sie war sehr freundlich und für ihr Alter relativ mobil. Sie hat den vierten Stock ohne Aufzug bewältigt. Allerdings machten sich Anzeichen einer Demenz bemerkbar, ihr Erinnerungsvermögen ließ zuletzt stark nach.“ Auch zu ihren Neffen und Nichten pflegte Anna Sondermaier noch regelmäßig den Kontakt. Eigene Kinder hatte sie jedoch keine.

Mord in der Au: Bilder vom Tatort

Mord in der Au: Bilder vom Tatort

Am Nachmittag weitet die Polizei die Suche aus, durchforsten Mülleimer an Bus- und Tramhaltestellen. In der Falkenstraße stellen die Beamten schließlich weiße Mokassins sicher – ist das etwa die erste Spur zu Annas Mörder?

„Wir arbeiten nach dem Motto: Akribie geht vor Schnelligkeit. Die Spurensicherung wird sicher noch einige Tage in der Wohnung brauchen“, betont Mordkommissionschef Kraus. Details darüber, wie Anna Sondermaier umgebracht und wo sie gefunden wurde, will er jetzt noch nicht preisgeben – aus „ermittlungstaktischen Gründen“.

Nach tz-Informationen halten es die Ermittler derzeit für wahrscheinlicher, dass es sich bei der 91-Jährigen um ein Zufallsopfer handelt. Sie wollen wissen, wer nach Montag um 11.40 Uhr, als der Pfleger sie zum letzten Mal lebend gesehen hatte, noch Kontakt mit ihr hatte (Tel. 089/29100). Möglicherweise war die Situation eskaliert, als ein Trickdieb die Witwe um ihr eisern Erspartes bringen wollte.

Der Mord in der Au bleibt vorerst ungelöst – ein Fall für ZDF-Sendung ist es jedoch noch lange nicht. Das Aktenzeichen-Team in der Dollmannstraße stellte übrigens den Überfall auf einen Sex-Shop nach, der sich 1996 in Aachen ereignet hatte. Dabei wurde eine Frau mit mehreren Messerstichen ermordet. Der Täter läuft bis heute frei herum.

Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen für die Münchner Ermittler im Mordfall Anna Sondermaier.

Jacob Mell, Eberhard Unfried, Sebastian Arbinger

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring

Kommentare