50-Jähriger bestahl zuvor Seniorin

Mord in der Au: Wurde ein Trickdieb zum Mörder?

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Im vierten Stock dieses Hauses in der Dollmannstraße 13 in der Au hatte die 91-jährige Anna Sondermaier gelebt, bescheiden und unauffällig. Die ehemalige Schneiderin war am 22. Juli von einem Altenpfleger tot in ihrer Wohnung gefunden worden.

München - In Obergiesing war es ein Trickdiebstahl, in der Au der gewaltsame Tod der 91-jährigen Anna Sondermaier. War es in beiden Fällen der gleiche Täter?

Die Tegernseer Landstraße in Obergiesing und die Dollmannstraße in der Au – beides sind Tatorte, an denen die Polizei zuletzt im Einsatz war. In Obergiesing war es ein Trickdiebstahl, in der Au der gewaltsame Tod der 91-jährigen Anna Sondermaier. Jetzt gehen die Ermittler davon aus: In beiden Fällen handelt es sich um den gleichen Täter. Marc K. (50) soll Dieb und zugleich Killer sein. Mit Akribie hat sich die Polizei an die Lösung des Mord-Puzzles gemacht.

Ein Altenpfleger hatte am vergangenen Dienstag die 91-jährige Anna Sondermaier tot in ihrer Wohnung in der Dollmannstraße 13 gefunden. Die ehemalige Schneiderin war umgebracht worden. Ein Raubmord? War sie ein Zufallsopfer?

Der Fall erinnerte einen Beamten der Spurensicherung an einen Einsatz am 16. Juli ein paar hundert Meter den Giesinger Berg hoch an der Tegernseer Landstraße. Dort hatte ein etwa 1,80 Meter großer Trickdieb mit faltigem Gesicht bei einer Rentnerin (85) geklingelt. Er gab sich als Putzmann aus, stellvertretend für die eigentliche Putzhilfe. Tatsächlich machte er 45 Minuten sauber, verschwand dann aber, weil er angeblich den Müll rausbringen wollte. Seine Beute: eine Schmuckschatulle mit zehn Ketten, Ohrringen und dem Ehering.

Die Spurensicherung am Tatort: So konnten die Beamten in der Wohnung von Anna Sondermaier die Spuren von Marc K. (50) sicherstellen.

Der Kerl aber hinterließ beim Putzen Spuren, die die Polizei sicherstellte. Damals spuckte der Polizeicomputer Marc K. als Täter aus. Er ist wegen Diebstahls und Körperverletzung mehrfach vorbestraft. Erst Ende des vergangenen Jahres war er aus dem Knast gekommen. Weil Marc K. keine feste Bleibe hatte, konnte die Polizei ihn zunächst nicht finden. Eine Woche später tauchte sein Name erneut im Polizeicomputer auf. Die Mordkommission hatte seine Spuren in der Wohnung von Anna Sondermaier entdeckt.

Jetzt suchten Zielfahnder nach Marc K. – mit Erfolg. „Ein Spezialeinsatzkomando nahm ihn in der Wohnung seiner Lebensgefährtin im Münchner Osten fest“, sagt Mordkommissionschef Markus Kraus. „Er hat keinen Widerstand geleistet.“

Jetzt sitzt Marc K. in U-Haft. Staatsanwalt Peter Preuß sagt: „Wir gehen von den Mordmerkmalen Habgier und Heimtücke aus.“ Möglicherweise trat der 50-Jährige auch bei Anna Sondermaier zunächst als Trickdieb auf. Hatte sie ihn dann beim Stehlen erwischt? Für den Staatsanwalt ist zumindest klar: Der Mord geschah zur „Verdeckung einer Straftat“. Der Verdächtige schweigt.

Mord in der Au: Bilder vom Tatort

Mord in der Au: Bilder vom Tatort

Die Nachbarn atmen auf

Den Menschen in der Au fällt ein Stein vom Herzen. Als sie vom tz-Reporter erfahren, dass der mutmaßliche Mörder von Anna Sondermaier gefasst ist, atmen die Nachbarn in der Dollmannstraße auf. Die meisten hatten sich zuvor ängstlich umgesehen, ehe sie die Haustür aufsperrten. Müttler ließen die Kinder sicherheitshalber nicht mehr auf die Straße. Jeder Fremde wurde misstrauisch beäugt.

Margot Kraft: "Jetzt ist die Welt für uns wieder in Ordnung. Wir sind 2009 in diese schöne, ruhige Wohnstraße gezogen. Seit diesem Verbrechen sprachen alle in der Nachbarschaft nur noch über den Mord."

Bodo Reithmeier (47): "Gut,dass ein Verbrecher weniger frei herumläuft. Ein Lob für die Polizei! Ich mache mir Sorgen um meine Eltern, dass auch sie Opfer von Tricktätern werden. Bekannten ist das schon passiert."

Anne Quante (36): "Bis zu dieser Tat habe ich mich hier sicher gefühlt, meine Kinder durften immer auf der Straße spielen. Seither hatten wir Angst. Meinen Kindern habe ich aber nicht erzählt, was hier vorgefallen ist."

jam, ebu, mw

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