Sanierung verzögert sich

Gasteig-Vergabe aufgehoben: Parteien sauer nach Auftrags-Stopp - FDP fordert gar Abriss

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Der Gasteig soll umfangreich saniert werden. Die oberbayerische Regierung hat nun eine Entscheidung der Stadt München jedoch aufgehoben.

Die Sanierung des Gasteigs verzögert sich wohl. Die Regierung von Oberbayern hat die Vergabe der Stadt an das Architekturbüro Henn aufgehoben.

Update vom 22. Januar 2019: Rund um den Gasteig rumort’s! Die Entscheidung der Regierung, die Vergabe des Gasteigs zu kippen, hat im Rathaus für Aufruhr gesorgt. Die Grünen haben für das Plenum einen Dringlichkeitsantrag gestellt, wollen über die Folgen informiert werden. Die FDP erneuert derweil ihre Forderung, das Gebäude abzureißen - und neu zu bauen. Stadtrat Thomas Ranft (FDP): „Das wäre der bessere Weg.“ Grünen-Chef Florian Roth hatte angemerkt, dass neben der zeitlichen Verzögerung auch mit einem finanziellen Mehraufwand zu rechnen ist. „Zeitverluste bei Planungen haben immer auch finanzielle Auswirkungen. 

Der Gasteig hat doch bei der Sanierung so auf die Tube gedrückt und gewarnt, dass Verzögerungen Geld kosten.“ Gasteig-Chef Max Wagner beschwichtigt: „Wir sind zuversichtlich, dass wir in den knapp sieben Jahren Bauzeit die Verzögerung aufholen.“ Ähnliches war gestern auch von der SPD zu vernehmen, Stadtrat Klaus Peter Rupp sagte zurtz: „Die Entscheidung ist natürlich schlecht und vom Grundsatz her nicht das, was wir erwartet haben. Es ist aber auch kein Beinbruch.“ 

Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU) hatte bereits eine Sondersitzung des Aufsichtsrates angekündigt. Fakt ist: Durch ein neues Verfahren wäre theoretisch möglich, dass nicht mehr der Entwurf des Architekturbüros Henn zum Zuge kommt, sondern einer der beiden abgelehnten Vorschläge: Wulf aus Stuttgart und Auer aus München (siehe Fotos rechts). Moritz Auer: „Wir begrüßen die Entscheidung der Vergabekammer. Die Einleitung des Nachprüfungsverfahrens hat sich als berechtigt erwiesen.“ 

Regierung hebt Gasteig-Vergabe auf - neue Hoffnung für klagende Architekten

München - Grund sind Mängel in der Bewertung der Kriterien. Die unterlegenen Architekten hatten geklagt. Theoretisch könnte nun ein anderer Entwurf zum Zuge kommen. 

Es ist eine mächtige Glasfassade, die sich zur Stadt hin öffnet: Das international tätige Architekturbüro Henn aus München sollte das künftige Gesicht des Gasteigs gestalten. So hatte es die Stadt im Oktober entschieden. Ob dieser Entwurf tatsächlich realisiert wird, steht seit Montag aber wieder in den Sternen. Aufgrund von Verfahrensfehlern hob die Vergabekammer Süd der Regierung von Oberbayern die Entscheidung auf. 

München: Stadt muss die Uhren zurückdrehen

Den klagenden Architekten, Tobias Wulf aus Stuttgart und Moritz Auer aus München wurde damit weitgehend Recht gegeben. Die Stadt muss nun die Uhren bis zum Ende des Architekturwettbewerb zurückdrehen. Dieser hatte im Mai drei Sieger hervorgebracht, alle Architekten waren jedoch gebeten worden, ihre Entwürfe zu überarbeiten. Im Anschluss erfolgte das Vergabeverfahren, das die Regierung rügt. Binnen zwei Wochen kann die Stadt Beschwerde beim Oberlandesgericht einlegen, der Gasteig verzichtet aber darauf. Geschäftsführer Max Wagner sagte unserer Zeitung, die Stadt werde nicht in die nächste Instanz gehen. „Das würde das Verfahren nur verzögern.“ Er sei zwar „etwas überrascht“ von der Entscheidung der Vergabekammer. Gleichwohl sei er froh, „dass nun Klarheit herrscht“. 

Wagner rechnet mit einem zeitlichen Aufschub von vier Monaten, währenddessen das Vergabeverfahren nun neu aufgerollt wird. Auf die gesamte Projektzeit der Gasteig-Generalsanierung bezogen - etwa acht Jahre - hoffe er jedoch, diese Verzögerung wieder aufholen zu können. Wagner sagte, die Vergabekammer habe gerügt, dass die Stadt ihre Entscheidung zu Gunsten des Büros nicht ausreichend begründet habe. Dies gelte es nachzuholen. Sprich: die Kriterien, die zur Entscheidung führten, müssten geschärft werden. Dabei spielen zum Beispiel der Umgang mit der Architektur des bestehenden Gebäudes oder die Einbindung ins Stadtbild eine Rolle. Theoretisch könnte bei der Nachprüfung auch ein anderes Ergebnis herauskommen, räumte Wagner ein. Doch der Gasteig-Chef fügte im selben Atemzug hinzu: „Wir haben uns ja bei der Festlegung auf den Entwurf des Büros Henn schon unsere Gedanken gemacht.“ Wagner und Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU), Chef des Gasteig-Aufsichtsrats, werden nun eine Sondersitzung des Gremiums einberufen.

„Avanti Dilettanti“: Spitze Kritik der Opposition nach aufgehobener Gasteig-Vergabe

Einer der klagenden Architekten, Tobias Wulf, zeigte sich am Montag erfreut über die Entscheidung der Kammer. „Wir sind mit unserer Rüge voll durchgekommen.“ Er rechnet sich nun neue Chancen aus. „Natürlich wollen wir den Auftrag haben. Ob es so kommt, muss man nun sehen, wenn das Verfahren neu aufgerollt wird.“ Für die Opposition im Stadtrat ist die Entscheidung der Rathaus-Regierung ein Grund für spitze Kritik. „Avanti Dilettanti“, sagte etwa der Grünen-Fraktionsvorsitzende Florian Roth. Es habe bereits verschiedene juristische Probleme gegeben. „Ich bin immer davon ausgegangen, dass die schwarz-rot geführte Verwaltung Rechtsabteilungen hat, die derlei Risiken minimieren.“ Roth befürchtet, dass nun nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld verloren gehe. 

Das 445.000 Quadratmeter große Kulturzentrum wurde 1975 von der Architektengemeinschaft Raue, Rollenhagen, Lindemann und Grossmann konzipiert. Die Ursprungsarchitekten hatten im Übrigen auf ihr Urheberrecht gepocht, aber keine rechtlichen Schritte eingeleitet. Im Gasteig sind die zentrale Stadtbibliothek, die Volkshochschule und vor allem die Philharmonie untergebracht. Weil das Gebäude in die Jahre gekommen ist, hat sich die Stadt für eine Generalsanierung entschieden. Der Umbau wäre ab 2021 vorgesehen. Der Kostenrahmen liegt zwischen 410 und 450 Millionen Euro. Während der wohl bis 2026 dauernden Generalsanierung sollen die Gasteig-Nutzer nach Sendling umziehen. Das Interimsquartier liegt auf dem Stadtwerke-Gelände an der Hans-Preißinger-Straße.

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