Höhere Pacht, weniger Umsatz

Berühmte Traditions-Veranstaltung vor dem Aus: Verliert München jetzt ein Stück Kulturgut?

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GER, Feature Luftbilder des Muenchner Maria Hilf Platzes mit Aufbau der Auer Mai Dult

Eine der ältesten Kulturattraktionen Münchens steht vor dem Aus. Seit Jahren wurden Umsatz und Besucher immer weniger - nun wird es endgültig ernst, wie neue Zahlen zeigen.

München - Sie ist eine wahre Institution in München: Die Auer Dult. Dreimal im Jahr findet der bunte Markt am Mariahilfplatz in der Au statt. Die erste, die Maidult, findet jeweils über das erste Mai-Wochenende hinweg statt. Neun Tage lang kann man dann die gemütliche Trödelmarkt-Atmosphäre und traditionelles Flair genießen und auch auf die jüngsten Bewohner Münchens warten eine Vielzahl. Es ist nicht verwunderlich, dass so mancher Münchner die Auer Dult als Wiesn des kleinen Mannes preist. Doch die beliebte Traditionsveranstaltung schwebt bereits seit einigen Jahren in großer Gefahr.

Die Auer Dult in Gefahr

Wie die Bild-Zeitung berichtete, nehmen die letzten Jahre die Bewerberzahlen für die früher so gefragten Standplätze ab. Dieses Jahr versuchten nur 427 Händler einen der verfügbaren 296 Standplätze der Auer Dult zu ergattern. Zum Vergleich, im Jahr 2013 waren es noch 559 Händler. Wie erwartet, trifft es nicht nur die erste der drei Dulten des Jahres auf dem Mariahilfplatz, sondern auch die Jakobidult zum Sommeranfang und Kirchweihdult, die den Herbst einläutet. Auch dort gingen die Standbewerberzahlen zurück. Ähnliches spiegelt sich auch in den Besucherzahlen wider: 2015 waren es noch 285.000 Besucher, 2018 hingegen 261.000.  

Die Auer Dult - mehr als eine Mini-Wiesn

Dabei ist die Auer Dult soviel mehr, als eine kleine Wiesn; zwischen Antiquitäten, den neusten Haushaltswaren oder allerlei Trödel, verbirgt sich in der Auer Dult auch Europas größter Geschirrmarkt. Außerdem ist die Auer Dult praktisch ein Stück Kulturerbe: seit inzwischen über 100 Jahren findet der Markt drei mal jährlich am Mariahilfplatz statt und die Wurzeln der Münchner Dult gehen sogar bis ins Jahr 1310 zurück. Ein Aus der Auer Dult bedeutet auch gleichzeitig das Aus für die letzte Dult der Stadt und ein Stück Münchner Kulturgut.

Die Menschen kaufen weniger bei den Ständen

Gründe könnte es viele geben, am schwersten wiegt aber sicher das veränderte Konsumverhalten der Münchner. Gerade Küchengeschirr und -geräte werden heutzutage lieber über das Internet gekauft. Von Kochutensilien ganz zu schweigen. So mag es zwar interessant sein, die neusten Küchen-Innovationen auf der Dult zu bestaunen, viele Besucher werden sich aber trotzdem dazu entscheiden, das jeweilige Objekt der Begierde, für ein paar Euro billiger zu sich nachhause liefern zu lassen. Zahlen liefert hier der Bundesverband E-Commerce. Die Warengruppe „Einrichtung“ in welche auch Haushaltswaren und -geräte fallen steigt weiterhin rapide: allein 2017 auf 2018 von 778 Millionen auf 957 Millionen Euro Umsatz in Deutschland.

Politik sieht Handlungsbedarf

Auch die Münchner Stadtpolitik beschäftigt der Rückgang der Standinteressenten und Besucher der Dult. Clemens Baumgärtner der CSU und Wirtschaftsreferent in München gegenüber der Bildzeitung: „Der Charakter der Dult muss erhalten bleiben - wir wollen nicht nur Essensstände und Schausteller, sondern weiterhin Marktbeschicker dort haben. [...] Vielleicht können wir mit Werbung oder anderer Standlplazierung was bewegen.“

Sicher ist, die Dult steht nicht vor dem kompletten Aus. Trotzdem muss man die Tendenzen der letzten Jahre ernst nehmen. Versäumen die Organisatoren es, den Trend wahrzunehmen und entsprechend gegenzusteuern, steht es schlecht um eine von Münchens ältesten Attraktionen.

Daniel Schubert/Katharina Haase

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