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Bergwerk im Deutschen Museum: Publikumsmagnet doch gerettet? Millionen-Plan sorgt für Verstimmung

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Die Stollen zogen lange Zeit Besuchermassen an.
Die Stollen zogen lange Zeit Besuchermassen an. © Markus Götzfried

Dem bei den Besuchern so beliebten Bergwerk im Deutschen Museum droht das Aus. Doch jetzt gibt es Pläne, wie die Kult-Stollen gerettet werden könnten.

München - Tausende Familien erforschten diese Stollen. Keine Frage: Die Bergbau-Abteilung zählt zu den absoluten Publikumsmagneten im Deutschen Museum. Das Aus im Rahmen der 750 Millionen Euro teuren Komplett-Modernisierung war fest beschlossen. Doch jetzt die Wende: klares Bekenntnis zum Bergwerk statt Schicht im Schacht!

München: Ein Rettungsplan für das beliebte Bergwerk im Deutsches Museum

Die Erlebnisausstellung soll auf jeden Fall wieder öffnen. „Das wollen wir, das wollen die Münchner und auch alle anderen, die die Ausstellung lieben“, sagt Museumskurator Andreas Gundelwein. Ungewiss ist nur, wann und wie. Die Rettung der Kult-Stollen hängt vor allem von der Finanzierung ab – zehn Millionen Euro wären wohl nötig. Doch woher soll die Kohle kommen?

Kurator Andreas Gundelwein will ein neues Bergwerk aufbauen.
Kurator Andreas Gundelwein will ein neues Bergwerk aufbauen. © Markus Götzfried

Eine Idee: Mit Unterstützung der Ruhrkohle AG und den Freunden des Deutschen Museums soll auf 25 Quadratmetern Grundfläche ein Mini-Bergwerk am neuen Haupteingang aufgestellt werden. Dort soll dann unter dem Motto „Rettet die Grube“ zum Spenden aufgerufen werden.

Millionen Euro sind für die Rettung der Bergwerkskulisse notwendig – mindestens

Zunächst aber müssen die Räume der Ausstellung komplett grundsaniert werden – das Bergwerk muss also raus. Nach der Sanierung könnte die alte Bergwerkskulisse dann wieder aufgebaut werden – so will es zumindest die Münchner Denkmalschutzbehörde. Das Bühnenbild ist immerhin über hundert Jahre alt.

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Für den Ausstellungsverantwortlichen Dr. Andreas Gundelwein ist dieser Plan aber Unsinn: finanziell, fachlich, und vor allem auch für das Besuchererlebnis. Außerdem aufwendig und teuer: Die Bergwerkskulisse müsste unbeschädigt abgebaut, dann jahrelang gegen Miete zwischengelagert und schließlich wieder feinsäuberlich zusammengepuzzelt werden. Über den Daumen gepeilt würde das laut Gundelwein zehn Millionen Euro kosten. Er würde das bestehende Bergwerk lieber abreißen und entsorgen. „Mit der Technologie von heute sind wir in der Lage, ein neues Bergwerk aufzubauen, das dem alten getreu wäre, aber etliche fachliche Mängel ausgleichen könnte. Das wäre auch viel billiger.“

Deutsches Museum: Die alte Bergwerkskulisse gilt als mangelhaft

Die alte Bergwerkskulisse sei aus zwei Gründen mangelhaft. Erstens wurden laut Gundelwein Materialien (wie Quecksilber) benutzt, die heute unzulässig sind. Zweitens sei sie wissenschaftlich überholt: Die Bergschächte wurden damals alte Bergwerkskulisse sei aus zwei Gründen mangelhaft. nicht wirklich fachlich korrekt nachgebaut. Bei einem Wiederaufbau nach den Vorstellungen des Denkmalamts müsste man also darauf verzichten, die Ausstellung zu korrigieren. „Das ist ein Unding, ein Eingriff in die wissenschaftliche Verantwortung“, meint der Kurator.

tz-Reporterin Marie Kinsky hat sich im Bergwerk umgesehen
tz-Reporterin Marie Kinsky hat sich im Bergwerk umgesehen. © Markus Götzfried

Schließlich liegt ihm das Besuchererlebnis am Herzen. „Das ist dann kein Bergwerk mehr, sondern eine Puzzle-Kulisse. Bei einer modernen Ausstellung könnten wir außerdem aktuelle Bergbau-Versionen wie den robotischen Eisenerz-Abbau in Schweden erlebbar machen.“

Unterdessen hat der Abbau bereits begonnen: Die Kulisse wird zerschnitten und nummeriert. Wann das Bergwerk zurückkehren könnte – ungewiss. Das Museum will die Komplett-Modernisierung bis 2028 abschließen. Dann feiert die Institution ihr 125-jähriges Jubiläum. (Marie Kinsky)

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