Strenge Hygieneregeln und Besucher-Limit

Münchner Kult-Veranstaltung läuft trotz Corona - Dutzende Menschen stehen Schlange

Auer Dult in München: Lange Schlange vor dem Eingang. Wartezeiten von rund zehn Minuten nehmen die Besucher gern in Kauf.
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Auer Dult in München: Lange Schlange vor dem Eingang. Wartezeiten von rund zehn Minuten nehmen die Besucher gern in Kauf.

Auf dem Mariahilfplatz in der Au (Haidhausen) findet die Kirchweihdult 2020 statt. Am Samstag gab es schon eine Schlange am Eingang. Die Wartezeiten schrecken kaum - für a bisserl Gaudi.

  • Die Auer Dult auf dem Mariahilfplatz in der Au ist eine Institution in München.
  • Die Kirchweihdult 2020 findet bis zum 25. Oktober statt - trotz Corona.
  • Die 7-Tage-Inzidenz ist in München ist derweil mit 69,5 so hoch wie nie (Stand: Samstag, 17. Oktober)

München - Ein Volksfest im Ausnahmezustand. Während die Infektionszahlen in München* erschreckend hoch sind, drehen sich auf der Auer Dult am Mariahilfplatz trotzdem die Karussells. Aber es gelten strenge Regeln: Nur maximal 500 Besucher dürfen übers Festgelände bummeln. Und weniger Standl gibt’s auch. Kommt da noch Kirchweihstimmung auf? Eins steht fest: Die Münchner hungern derzeit regelrecht nach ein bisserl Gaudi. Jedenfalls bildeten sich schon am Samstag lange Warteschlangen vor dem Dult-Eingang.

Auer Dult am Mariahilfplatz - Warteschlange am Eingang

Schätzungsweise siebzig Besucher reihten sich Samstagnachmittag erwartungsvoll an der Mariahilfstraße in die Warteschlange ein. Trotzdem ging’s recht schnell – nach gut zehn Minuten war jeder drinnen. Am Sonntag dauerte es ein wenig länger, da wegen des besseren Wetters der Andrang noch größer war. Und so läuft’s ab: Sensoren zählen die Besucher beim Rein- und Rausgehen, ein automatisches Ampelsystem zeigt zudem, ob man noch warten muss. Drinnen ist es angenehm ruhig und es ist genügend Platz, um Abstand zu halten. Die Stände bieten eine breite Auswahl an allem, was auf einen Markt gehört: Da gibt es Spielwaren, Porzellangedeck, Antiquitäten, Kleidung.

A bisserl Gaudi in Corona-Zeiten: Das Kettenkarussell auf der Auer Dult am Mariahilfplatz in München dreht sich.

Ziyi Guo vom Handpuppenstand spricht vielen Standlbesitzer aus der Seele: „Natürlich waren es die letzten Jahre mehr Besucher, aber wir sind froh, dass wir überhaupt aufmachen dürfen.“ So sehen es auch die Gäste: „Wir haben nichts Bestimmtes gesucht, sondern sind einfach so rumgeschlendert“, erzählen Timon Gaßmann und Simone Schlachter. Trotzdem sind sie fündig geworden: Ein Nudelsieb und einige Gewürze haben sie gekauft.

Auer Dult am Mariahilfplatz - Kettenkarussel dreht sich

Natürlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt. Unterschiedlichste Düfte nach Bratwürsten, Fisch, gebrannten Mandeln und Crepes locken von Hütte zu Hütte. Zum Essen darf man dann die Maske kurz abziehen. Und der Spaß kommt auch nicht zu kurz: Schießen, Dosenwerfen, Entenangeln und viele andere Stände erfreuen besonders die Kinder.

Nicht zu vergessen: das Kettenkarussell, das bereits seit 1919 die Besucher der Auer Dult begeistert. Betreiber Josef Kalb: „Wir geben uns alle Mühe: Die Maskenpflicht wird eingehalten, wir desinfizieren Fahrchips und Sitze und wir haben sogar Einweghandschuhe – das alles macht das Fahr- und Flugvergnügen so sicher wie möglich.“ Ihm liegt die Dult und sein Karussell sehr am Herzen, weil sie ein Stück Normalität und Freude zurückbringen. „Es ist wichtig, dass die Menschen eine Möglichkeit haben, etwas zu unternehmen, ohne sich zu gefährden.“ Ein richtiges Rummelplatzgefühl kommt zwar nicht auf, das ist aber auch gar nicht schlimm. „Es ist einfach alles entspannter“, sind sich alle einig. Die Dult hat übrigens noch bis zum 25. Oktober geöffnet. (Peter Schlingensief) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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