Demo in Haidhausen

„München wird ein Ghetto für Reiche“: Bauprojekt lässt Anwohner mächtig zürnen

München Haidhausen: Anwohner der Breisacher Straße 5 zeigen mit Plakaten, warum sie gegen das Bauprojekt sind.
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München Haidhausen: Anwohner der Breisacher Straße 5 zeigen mit Plakaten, warum sie gegen das Bauprojekt sind.

In München ist Wohnraum knapp. Für ein Bauprojekt sollen jetzt 100 Jahre alte Bäume in einem Hinterhof in Haidhausen gefällt werden. Die Anwohner am Bordeauxplatz verstehen die Welt nicht mehr.    

München - Trotz Regens und Kälte versammeln sich am Samstag mehr als 50 Menschen am Bordeauxplatz in Haidhausen. Vereint durch den Wunsch, die von Bauherr Ulrich Hartel geplante Errichtung eines mehrstöckigen Hauses im Hinterhof der Breisacher Straße 5 zu verhindern, kamen Anwohner und Politiker bei der von der ÖDP organisierten Veranstaltung zusammen.

Bauprojekt in München-Haidhausen: 100 Jahre alte Bäume sollen weg

Das durch das Bauprojekt bedingte Fällen von drei der sechs rund 100 Jahre alten Bäume im Hinterhof des Hauses aufzuhalten, ist für die Anwohner der Breisacher Straße eine Herzensangelegenheit. „Die letzten grünen Innenhöfe in München stehen unter Beschuss. Das sind die Lungenbläschen der Stadt, die absterben“, so Nele Joas (ÖDP), Veranstalterin der Versammlung. Die Politik solle keine leere Versprechen machen, sondern in der Praxis Baumrecht vor Baurecht stellen.

„Früher gab es bei jedem gefällten Baum einen Aufschrei, heute gilt: Nachverdichten um jeden Preis – eine 180-Grad-Wende der Politik.“ 

Anwohner Matthias Keller

Matthias Keller, Bewohner der Breisacher Straße 3, teilt Joas‘ Meinung: „Früher gab es bei jedem gefällten Baum einen Aufschrei, heute gilt: Nachverdichten um jeden Preis – eine 180-Grad-Wende der Politik.“ Es gebe in der Kellerstraße 3 und anderen Häusern des Viertels Leerstand. Er sehe keine Notwendigkeit, nachzuverdichten. Laurence Wuillemin von den Schwabinger Mietergemeinschaften kennt die Folgen der Nachverdichtung aus Schwabing. „München wird ein Ghetto für Reiche. Das wollen wir nicht.“

Baurecht bricht Baumschutz - das ist das Problem

Auch Stadträtin Brigitte Wolf (Linke) sieht das Baurecht als Problem: „Nach aktueller Gesetzeslage bricht Baurecht Baumschutz. Deshalb muss das Gesetz verändert werden, um auch beim Bauen die verschärften Klimaziele der EU widerzuspiegeln.“ Für Stadtrat Tobias Ruff (ÖDP) ist auch der klimatische Wert kleinerer Grünflächen nicht zu unterschätzen: „Wenn wir zu viele Bäume verlieren, kommen wir zu einem Kipppunkt, an dem Bäume großflächig in München nicht mehr leben können.“ Deshalb müsse man um jeden einzelnen Baum kämpfen. Die Landeshauptstadt wächst rasant. Das hat nicht nur Folgen für Mietmarkt und Nahverkehr –sondern auch für das Klima.

Um dies zu tun, hat Stefan Hofmeir (ÖDP) das Bürgerbegehren „Grünflächen erhalten“ ins Leben gerufen. Bisher hat er 36.000 Unterschriften gesammelt. „Wir hoffen, dass wir das Begehren bis Mitte nächsten Jahres einreichen und einen Bürgerentscheid daraus machen können.“

Tim Pröger wohnt ebenfalls an der Breisacher Straße 3. Er macht sich Sorgen, dass auch die übrigen Bäume nicht bleiben. „Die Wurzeln wachsen bis zu 15 Meter um den Baum herum, die werden bei Bauarbeiten sicher verletzt.“ Sophia Belliveau

Parkanlage gerodet: Vergangenes Jahr wurden Bäume am Maximilianeum abgeholzt - die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Dabei haben die Münchnerinnen und Münchner für die Innenstadt Grüne Visionen.

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