Kulturzentrum mit unsicherer Zukunft

Es kostet bis zu 450 Millionen Euro - doch wie wird der Gasteig restauriert?

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Der Gasteig soll ab 2021 umgebaut werden. Ob es so kommt, ist offen.

Die Zukunft des Kulturzentrums Gasteig ist unklarer denn je. Die Fraktionen sollen nun beraten, um einen raschen Weg aus dem Schlamassel zu finden.

München - Im schmucklosen Foyer des Gasteig hängen die Visionen an der Wand. Bilder der Architektenentwürfe, Skizzen, kleine Einspieler auf Monitoren. „Die Zukunft des Gasteig“ ist dort zu lesen. Die Zukunft des Gasteig ist allerdings unklarer denn je. Die Sitzung des Aufsichtsrates ist am Dienstag ohne Ergebnis beendet worden, es sei lediglich über die Varianten einer Sanierung und ihre Konsequenzen gesprochen worden. Eine Entscheidung, wie und in welchem Umfang saniert wird, ist nicht gefallen.

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General- oder Grundsanierung?

Die Fraktionen sollen am Montag beraten und einen raschen Weg aus dem Schlamassel aufzeigen. Im Wesentlichen bleiben zwei Varianten, die Generalsanierung oder die so genannte Grundsanierung mit Verbesserung der Akustik. Allerdings scheint angesichts der diffizilen Lage die Möglichkeit eines Neubaus des Kulturtempels wieder sehr charmant. „Es gibt keine richtige oder falsche Entscheidung“, sagt ein Insider. „Wenn es keine Mehrheit für eine Generalsanierung gibt, dann müssen alle anderen Varianten wieder auf den Tisch“, sagt ein Teilnehmer der Runde. „Auch ein Umzug der Philharmoniker in einen Neubau in der Paketposthalle.“

Das bisher laufende Verfahren befasst sich ausschließlich mit der Generalsanierung. Dabei würde der Gasteig nach den Entwürfen des Münchner Büros Henn umgebaut. Die Sanierung sollte 2021 beginnen und zwischen 400 und 450 Millionen Euro kosten. Während der bis 2026 dauernden Arbeiten sollen die Gasteig-Mieter nach Sendling auf das Stadtwerke-Gelände an der Hans- Preißinger-Straße nördlich des Flauchers umziehen. Doch erst vor wenigen Wochen hatte die Regierung von Oberbayern die Vergabe der Stadt an das Architekturbüro Henn zurückgenommen und damit das Verfahren an das Ende des Architektenwettbewerbs zurückgeworfen. Die Bewertungskriterien waren unklar, so die Begründung. Die unterlegenen Architekten Tobias Wulf aus Stuttgart und Moritz Auer aus München hatten gegen die Vergabe geklagt und Recht bekommen. Ferner ist offen, wie es um die Urheberrechte steht. Das 445 000 Quadratmeter große Kulturzentrum wurde 1975 von Raue, Rollenhagen, Lindemann und Grossmann konzipiert. Sie hatten auf ihr Urheberrecht gepocht, bis jetzt blieben juristische Schritte aber aus.

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300 Millionen Euro Kosten

Gleichwohl möchten Kulturreferat und Gasteig und wohl auch die CSU an der Variante Generalsanierung festhalten. Sie wäre nämlich eine Sanierung für alle Nutzer. Die zweite Möglichkeit ist die einer Grundsanierung mit einer akustischen Verbesserung der Philharmonie. Der Umbau würde rund 300 Millionen Euro kosten. Wie berichtet, hatte die SPD darauf gedrängt, diese Variante wieder zu prüfen. Durch ein neues Verfahren wären die Planungskosten für die Generalsanierung umsonst gewesen. Zudem ist mit Schadensersatzforderungen zu rechnen. Kolportiert werden Summen im Bereich eines hohen einstelligen oder niedrigen zweistelligen Millionenbetrages, die die Stadt in den Wind schreiben müsste. 

„Das wäre aber im Verhältnis zu den Gesamtkosten nicht das entscheidende Kriterium“, sagt ein Gasteig-Kenner. Die Umkehr zur Grundsanierung würde das Verfahren ferner weiter verzögern. Durch die rechtliche Auseinandersetzung sind bereits vier Monate verloren gegangen. Allerdings wären zumindest die Urheberrechtsfragen geklärt, die Grundsanierung würde dies nur im Bereich der Decke der Philharmonie tangieren. „Ziel muss es sein, eine möglichst breite Übereinstimmung in der Politik zu erreichen“, sagt ein Rathauspolitiker. „Denn vielleicht wird der Beschluss gar nicht mehr von diesem Stadtrat getroffen.“

Sascha Karowski

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