Verschiedene Standorte

Gasteig-Sanierung in München: Stadtbibliothek muss raus - „Kein leichtes Unterfangen“

Gasteig-Sanierung: Ein Plakat der Münchner Stadtbibliothek auf dem steht: „Wir ziehen aus“
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Die Münchner Stadtbibliothek muss raus und zieht aus dem Gasteig nach Sendling.

Die Stadtbibliothek München schließt ihre Türen und verteilt mehrere hunderttausend Bücher auf verschiedene Standorte. Zurück könnte es erst ab 2027 gehen.

München - Nach 37 Jahren am Gasteig schließt die Stadtbibliothek am Samstag ihre Pforten. Wegen der Sanierung des Kulturzentrums steht der Umzug ins Interimsquartier nach Sendling und ins Motorama bevor. Für Direktor Arne Ackermann ein Abschied „mit gemischten Gefühlen“.

Ob er denn ein Lieblingsbuch habe? „Schwierig“, sagt Arne Ackermann. Nach kurzem Überlegen verrät er dann doch: „Dostojewski ist mein Leib- und Magen-Schriftsteller.“ Den er im Übrigen in der Regel im Original liest. Ackermann beherrscht Russisch. Er hat Slawistik und Philosophie studiert. Und wenn er einen Titel nennen müsste? „Die Brüder Karamasow – ein Wahnsinnsbuch.“

Gasteig-Sanierung München: Stadtbibliothek muss ihre Koffer packen „kein leichtes Unterfangen“

Leiter der Münchner Stadtbibliothek, Arne Ackermann mit seinem Lieblingsbuch „Die Brüder Karamasow“ von Dostojewski.

Ackermann und das 250-köpfige Team der Münchner Stadtbibliothek sitzen auf gepackten Koffern. Das Kapitel Gasteig wird am Samstag vorerst geschlossen, die Umzugskisten stehen bereit. Ackermann ist klar: „Das wird kein leichtes Unterfangen.“ Mehr als 360 000 Medien müssen bewegt werden, in der Hauptsache natürlich Bücher. „Das ist eine Hausnummer“, sagt der Bibliotheksdirektor.

Von den 360 000 Medien, die den Münchnern aktuell auf den Publikumsflächen zur Verfügung stehen, wandern aus Platzgründen „nur“ jeweils 60 000 in den „Gasteig HP8“ nach Sendling sowie in die Motorama-Ladenstadt. Die restlichen 240 000 Bücher, Zeitschriften, Filme, CDs oder Spiele werden im schon jetzt bestehenden Magazin in Oberschleißheim untergebracht, in das in den vergangenen Monaten schon über 800 000 Bücher aus dem Magazin der Gasteig-Bibliothek umgezogen worden sind. Das heißt: Vor Ort kann man in diesen Medien nicht schmökern, sie aber sehr wohl ausleihen. Nur dauert es eben einige Tage, bis sie verfügbar sind. Unter dem Begriff „Magazin“ versteht man das Lager einer Bibliothek.

Gasteig Sanierung: Münchner Stadtbücher nun auf vier Standorte verteilt - „Gemischte Gefühle“

Laut Ackermann wird während des Umzugs vorsortiert, welche Bücher ins Magazin und welche in die beiden Interimsquartiere wandern. „Stark nachgefragte Titel gehen natürlich mit.“ „Gemischte Gefühle“ hat Ackermann deswegen, weil die Stadtbibliothek nun dezentral auf zwei Standorte verteilt ist und das HP8 in Sendling verkehrsstrategisch nicht so gut angebunden ist wie der Gasteig.

„Wir sind gespannt, wie sich das auf die Besucherzahlen auswirkt.“ Vor Corona wurde die Stadtbibliothek von knapp einer Million Leseratten pro Jahr frequentiert. Inklusive des Magazins in Oberschleißheim und dem Verwaltungsgebäude in Neuperlach, von wo aus Ackermann die Stadtbibliothek dirigiert, gibt es nun also vier Standorte.

Münchner Stadtbücherei zieht um: Eröffnung im HP8 in Sendling und im Motorama

Im HP8 wird die Stadtbibliothek in die denkmalgeschützte Halle E, eine ehemalige Trafohalle der Stadtwerke aus rotem Backstein, einziehen. Auf etwa 1800 Quadratmetern bietet sie neben klassischen Romanen eine Fülle an Medien mit den Schwerpunkten Musik, Fremdsprachen und lebenslanges Lernen. Ackermann ist gespannt, wenn die Bibliothek zum Eröffnungskonzert der Münchner Philharmoniker am 8. Oktober ebenfalls ihren Betrieb aufnimmt. Die offizielle Eröffnungsfeier findet am 19. November statt.

Die 3600 Quadratmeter große Dependance in der Motorama-Ladenstadt soll ab 26. November bereit stehen. „Dass wir die Möglichkeit einer Zwischennutzung direkt auf der anderen Straßenseite haben, freut uns sehr“, sagt Ackermann. Hier wird es ein großes Angebot für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene geben. Zudem finden sich Flächen für Veranstaltungen und Mitmach-Angebote, Arbeitsplätze, PCs sowie ein Gaming-Bereich für Spielfreudige. „Eine Bibliothek für die ganze Familie“, so Ackermann.

Stadtbibliothek muss raus: Gasteig voraussichtlich erst ab 2027 fertig - Sanierung läuft schleppend

Seit fast neun Jahren ist er nun Chef der Einrichtung. Er sagt: „Es war und ist eine Freude, in München Kultur mitgestalten zu können.“ Wann der Wiedereinzug im Gasteig erfolgt, ist ungewiss. Wohl kaum vor 2027 oder 2028. Der Sanierungsplan geht schleppend voran. Der Stadtrat hatte Ende 2020 entschieden, den Umbau einem Investor zu übertragen. Der noch gesucht wird.

Arne Ackermann – er ist 56 Jahre alt – sagt, es wäre sein Wunsch, auch im neuen Gasteig Bibliotheksdirektor zu sein. Der Architekturentwurf mit der nach außen hin geöffneten Kulturbrücke sei gemessen an den Möglichkeiten zur Umwandlung „großartig“. Die einzelnen Institutionen würden zusammenwachsen. Und, noch wichtiger: „Es bringt einen Mehrwert für alle Münchner.“ (VK)*tz.de ist ein angebot von IPPEN.MEDIA

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