Kulturhaus

Scherbenhaufen statt Glaspalast: SPD will nur noch kleine Sanierung des Gasteigs

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Großer Wurf in den Papierkorb? An der Planung des Architekturbüros Henn für den Gasteig entzündete sich Kritik.

Die Sanierung des Gasteigs steht auf der Kippe – zumindest die Art und Weise, wie gebaut werden soll. Nach Informationen unserer Zeitung will die SPD zu einer kleinen Variante zurück. Das bedeutet: Saniert würde nur im Bestand, erneuert nur die Akustik der Philharmonie. Die Position der CSU ist offen. Am Freitag entscheidet der Aufsichtsrat.

Es ist noch gar nicht so lange her – 2016 erst hatte das Baureferat eine Bestandsuntersuchung des Gasteigs in Auftrag gegeben. Damals galt die Hülle des Gebäudes als weitgehend intakt, allerdings war auch attestiert worden, dass große Teile der technischen Anlagen schon bald ihre Lebensdauer erreichen würden. Damit war eine Sanierung unausweichlich, denn jeder noch so kleine Ausfall, etwa bei der Sprinkleranlage, hätte zumindest partielle Schließungen zur Folge gehabt.

Die Verwaltung entwarf verschiedene Sanierungsvarianten. Der Stadtrat legte sich 2017 auf eine Generalsanierung fest, also die vollständige Erneuerung aller technischen Anlagen, verbunden mit einer Modernisierung und funktionalen Aufwertung des Hauses. Es gab aber auch noch andere Varianten. Und zu einer davon will die SPD-Fraktion nun zurückkehren. Stadträtin Julia Schönfeld-Knor bestätigte gestern auf Anfrage: „Wir denken darüber nach, ob es nicht schlauer ist, zur Bestands- und Akustiksanierung zurückzukehren.“ Das habe den Vorteil, dass der Bestand unangetastet bliebe, Bedenken hinsichtlich des Urheberrechts könnten zerstreut werden.

Kriterien zur Vergabe des Sanierungs-Auftrags nicht transparent

Die geplante Sanierung des Gasteigs hatte erst vor drei Wochen einen Dämpfer erhalten. Die Regierung von Oberbayern hatte die Vergabe der Stadt an das Münchner Architekturbüro Henn aufgehoben. Die Bewertungskriterien seien nicht transparent, hieß es. Die unterlegenen Architekten Tobias Wulf aus Stuttgart und Moritz Auer aus München hatten geklagt und Recht bekommen.

Am Freitag will der Aufsichtsrat das weitere Vorgehen besprechen. Vermutlich wollte sich die SPD im Vorgriff dieser Sitzung klar positionieren. Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner hatte nämlich angedeutet, er wolle an dem Wettbewerbsverfahren festhalten, jedoch die Kriterien schärfen, die zu der Entscheidung für Henn führten. Er rechne mit einem Verzug von vier Monaten.

Der Entwurf des Büros Henn sieht eine mächtige Glasfassade vor, die sich zur Stadt hin öffnet. Das architektonische Erscheinungsbild ähnelt am ehesten dem bestehenden Gebäude, womit man wohl auch den Ursprungsarchitekten entgegenkommen wollte.

Das 445 000 Quadratmeter große Kulturzentrum wurde 1975 von der Architektengemeinschaft Raue, Rollenhagen, Lindemann und Grossmann konzipiert. Sie hatten auf ihr Urheberrecht gepocht, aber keine juristischen Schritte eingeleitet.

Knapp eine halbe Milliarde Euro Umbaukosten

Der Umbau des Gasteigs ist ab 2021 vorgesehen. Der Kostenrahmen liegt zwischen 410 und 450 Millionen Euro. Während der bis 2026 dauernden Sanierung sollen die Gasteig-Mieter nach Sendling auf das Stadtwerke-Gelände an der Hans-Preißinger-Straße nördlich des Flauchers umziehen.

Seitens der CSU wollte sich gestern niemand zu dem Thema äußern, eine Tendenz gibt es aber wohl, an den Plänen der Generalsanierung festzuhalten. Die Opposition wettert: „Hier wird ein wichtiges Projekt auf dem Altar der Koalitionsstreitigkeiten und juristischen Inkompetenz geopfert“, sagte Grünen-Chef Florian Roth. Er will sich erst nach der Aufsichtsratssitzung eine Meinung bilden. „Ich habe durchaus Verständnis, wenn man sagt, dass wir entweder im Bestand sanieren oder das Gebäude so verändern, dass es juristisch als Neubau gilt. Ich weiß nur nicht, wie weit uns das dann zeitlich zurückwirft.“

Lesen Sie auch: Gasteig-Vergabe aufgehoben: Parteien sauer nach Auftrags-Stopp - FDP fordert gar Abriss

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