Montagsspiele der Bundesliga sollen abgeschafft werden - und dafür an anderem Tag stattfinden

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Das Protokoll von Andreas Ahrweiler

Party-Ärger an der Isar: Anwohner dokumentiert seine schlaflose Nacht

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Mit Bier und Musikbox: Andreas Ahrweiler hat die Ruhestörer fotografiert, damit man ihm glaubt.

Andreas Ahrweiler klagt über laute Partys an der Isar und hat seine Nacht dokumentiert. Auch die Behörden unternehmen nichts gegen Lärm. 

Die Renaturierung ist für die Isar ein Geschenk. Doch seitdem es dort so schön ist, leiden Anwohner unter dem Lärm. An warmen Sommernächten feiern Münchner am Ufer, grillen, hören Musik. „Seit acht Jahren ist es unerträglich“, sagt der Verwaltungsangestellte Andreas Ahrweiler, der seit 15 Jahren an der Ohlmüllerstraße 2 direkt an der Reichenbachbrücke wohnt. „Wir haben ja nichts gegen Singen und Spaß, aber gegen dröhnende Verstärker“, sagt der 50-Jährige. Besonders ärgert Ahrweiler: „Es gibt hier nirgends ein Schild, das auf die Grillverbotszone und die Nachtruhe hinweist.“ Schon vor zwei Jahren habe er den Bezirksausschuss, um ein besseres Durchgreifen des Sicherheitsdienstes, der bis 22 Uhr zuständig sei, gebeten. „Passiert ist leider nichts!“ Andreas Ahrweiler würde sich Silencer wünschen – psychologisch geschulte Sicherheitsleute, die die Ruhestörer zur Räson bringen. Und Schilder.

Das Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt erklärte auf Anfrage, dass es mit den Schildern noch dauern könne, die Beschilderung an der Isar gerade überarbeitet wird. Ob auf den neuen Schildern auch auf das Grillverbot und das Verbot nächtlichen Musikhörens hingewiesen werden wird, sei noch unklar. Unabhängig davon gilt für die Stadt München nach der Hausarbeits- und Musikverordnung von 22 Uhr bis 7 Uhr Nachtruhe – und damit ein grundsätzliches Verbot der Benutzung von Tonübertragungs- und Tonwiedergabegeräten – Verstöße seien eine Ordnungswidrigkeit.

Andreas Ahrweiler sagt, er habe nichts gegen Singen und Spaß, aber häufig werde überhaupt keine Rücksicht auf Anlieger genommen.

Bei der Polizei ist Ahrweiler auch nicht zum Erfolg gekommen. Unter dem Titel „Chronik einer Münchner Nacht“ hat er ein Protokoll vom 5. August angefertigt, seine Erlebnisse einer unruhigen Nacht. Wir drucken das Protokoll ab, ohne es im Einzelnen überprüfen zu können:

0.30 Uhr: Gehe ins Bett und versuche zu schlafen.

- 4 Uhr: Ich werde durch laute Musik geweckt, die von der Isarwiese herüberschallt.

- 4.15 Uhr: Die Musik dauert an. Ich messe die Lautstärke im Zimmer: 70 Dezibel.

- 4.35 Uhr Ich rufe bei der Polizeistation 21 (Au) an. Ein schlecht gelaunter Polizist nimmt meine Beschwerde entgegen und fragt, wie viele Personen beteiligt sind.

- 4.38 Uhr: Ich gehe hinunter und schaue nach. Es ist eine kleine Gruppe von ca. 4-5 Personen, die auf den Steinstufen mit Bierflaschen sitzen. Davor eine große Box aufgebaut.

- 4.44 Uhr: Ich rufe wieder bei der Polizei an und sage, sie müssten keine Angst haben, es seien nur wenige Leute.

- 4.50 Uhr: Noch immer kein Streifenwagen. Ich beschließe, die Sache in die eigene Hand zu nehmen. Ich gehe zu den Hobby-DJs. Die Musik ist so laut, dass sie meine Worte nicht verstehen. Ich drehe die Box ab. Die jungen Leute sind überrascht, dass ihre Musik andere stören könnte und zeigen sich zunächst einsichtig. Dann mischen sich weitere Leute, die etwas entfernt sitzen ein. Das Gespräch eskaliert. Ich werde ernsthaft gefragt, warum ich den kein Oropax nehme, wenn ich schlafen wolle. Ich drohe damit, die Box in der Isar zu versenken, sollte ich weiterhin Musik hören und lasse sie wissen, dass die Polizei schon unterwegs ist. Dann breche ich die Diskussion ab, denn die Gruppe rückt zusammen und wird zunehmend uneinsichtig.

- 5.07 Uhr: Noch immer keine Polizei. Ich rufe noch mal an und teile mit, dass die Musik nun aus ist, dass dies aber vermutlich nicht lange andauern wird.

- 5.15 Uhr: Es wird hell, ich versuche, etwas zu schlafen.

- 7 Uhr: Ich wache auf, die Musik ist wieder auf alter Lautstärke.

- 8 Uhr: Ich rufe nochmals bei der Polizei an, (...) Es nimmt niemand ab.

- 8.07 Uhr: Ich rufe nochmals an, aber es geht niemand ans Telefon. Man hat sich anscheinend meine Nummer gemerkt und entschieden, dass ich nur einer dieser Querulanten bin, der den Feierwütigen an der Isar den Spaß verderben will.

- 9 Uhr: Die Gruppe beendet die nächtliche Unterhaltung und räumt die Box weg.

Ahrweilers Fazit: „Es ist frustrierend, wie in München Egoismus und Rücksichtslosigkeit in allen Bereichen zunehmen. Oft ist es nicht böser Wille, es fehlt einfach das Bewusstsein, auf Mitmenschen Rücksicht zu nehmen.“ Und leider, so Ahrweiler, sei die Politik unfähig, wirksam entgegenzusteuern.

Die Münchner Polizei erklärte auf Anfrage, sie arbeite eingehende Meldungen nacheinander ab. Weil es davon viele gebe, sei es nicht möglich, überall sofort zu sein. Vorrang hätten zudem wichtige Ereignisse. Streifen sofort zu jeder Ruhestörung zu schicken, sei personell schlicht nicht möglich. 

Zum Thema: Party- und Grill-Alarm: Geschütztes Biotop in der Isar in Gefahr - Polizei machtlos, aber ...

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Susanne Sasse

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook -Seite „Meine Au“.

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