Zusage ohne Bewerbung?

Münchner Steckerlfisch-Urgesteine klagen an: Spezl-Wirtschaft auf der Auer Dult?

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Otto Ibl und seine Tochter Diana (49) von der Münchner Fischbraterei klagen gegen die Stadt.

Wie kann es sein, dass die Fischer-Vroni auf der Auer Dult zugelassen wurde - ganz ohne Bewerbung? Die Betreiber der Münchner Fischbraterei klagen jetzt gegen die Stadt.

München - Sie sind waschechte, grundehrliche Münchner und kämpfen dafür, dass die Gerechtigkeit in unserer Stadt siegt: Otto Ibl und seine Tochter Diana (49) von der Münchner Fischbraterei. Seit 1958 hat der 77-Jährige seinen Betrieb und seit 1971 verkauft er Steckerlfisch auf der Wiesn. 

Kein Platz auf der Auer Dult: Fischbraterei-Betreiber klagen gegen Stadt München

Am Dienstag zogen die Ibls vor das Verwaltungsgericht. Die beiden haben die Stadt München verklagt, weil ihre Bewerbung für einen Standplatz zur Mai- und Jakobidult in den Jahren 2017 und 2018 erfolglos blieb. Gleichwohl wurde die Fischer Vroni 2017 auf der Auer Dult aber zugelassen, ohne überhaupt eine Bewerbung abgegeben zu haben. Vroni-Chef Hans Stadtmüller gab damals öffentlich zu, die Bewerbung vergessen zu haben. 

Wie auf dem Oktoberfest werden auch die Bewerber auf den alljährlichen Dulten nach einem Punktesystem von der Stadt bewertet. „Das ist eine Frage der Seriosität“, sagt Diana Ibl zu Richter Peter Gänslmayer und fährt fort: „Sich zwar nicht für die Dult bewerben, aber trotzdem dort arbeiten dürfen – wie geht das?“ Was die Ibls aber am meisten verärgert: Wirt Stadtmüller hatte sich kurzerhand als Unterpächter im Biergarten der Wurst- und Hühnerbraterei Heinz niedergelassen. Doch eigentlich stand er in einem Pavillon mit seinem Namen vor dem Biergarten – ohne Zulassung. „Es handele sich hier um einen Ausnahmefall“, erklärten die Anwälte der Stadt: „Wir haben keine rechtliche Handhabe gesehen, weil dieses Vorgehen nicht der Marktsatzung widerspricht.“ 

München: „Die kleinen Fischbratereien werden immer mehr verdrängt“

Seit 58 Jahren versuchen die Ibls, die auch auf vielen Volksfesten wie beispielsweise dem Ebersberger vertreten sind, auf den Dulten ihre Steckerlfische zu verkaufen. „Wir sind ein ­grundsolider Betrieb, haben immer korrekt gearbeitet“, erklärt die Tochter. „Ich habe noch nie einen Strafzettel erhalten.“ Warum sie abgelehnt werden, das bleibt den Ibls ein Rätsel. Spezlwirtschaft? „Fest steht, dass die kleinen Fischbratereien immer mehr verdrängt werden“, so Ibl und fährt fort: „Wir wundern uns jedes Jahr, dass große Betreiber gleich fünf Geschäfte auf einem Fest haben.“ Für heuer stehen jedenfalls die Chancen gut, dass die Ibls auf die Dult kommen. Sobald sie eine Zusage haben, wird das Verfahren eingestellt. 

Um die Auer Dult soll es indes nicht besonders gut bestellt sein: Berühmte Traditions-Veranstaltung vor dem Aus: Verliert München jetzt ein Stück Kulturgut? 

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