37-Jähriger stirbt

Tödlicher Unfall in München: Spezielles Verfahren soll den Radl-Rambo überführen - so geht es der schwangeren Witwe

Der Unfallort in der Hochstraße: hier kam es zur folgenreichen Kollision.
+
Der Unfallort in der Hochstraße: hier kam es zur folgenreichen Kollision.

Wer ist der Radl-Rambo, der am tödlichen Unfall an der Hochstraße in München beteiligt war? Noch immer gibt es keine Antwort auf diese Frage.

  • Am 17. Mai 2020 kam es in München* zur Kollision zweier Radfahrer, bei der ein 37-Jähriger tödlich verletzt wurde.
  • Nach einem Wortgefecht ergriff der zweite Beteiligte die Flucht.
  • Die Polizei fahndet weiter nach dem Radl-Rambo.

Update vom 23. August 2020: Zwei Drittel ihrer Schwangerschaft hat Lidija Dettori (35) bereits hinter sich gebracht. Inzwischen ist die Frau, die zwei Buben unter ihrem Herzen trägt, im sechsten Monat. „Die Schwangerschaft verläuft gut“, sagt sie und ihre Stimme stockt. Denn ansonsten ist jeder Tag seit dem 17. Mai schwer zu ertragen. Genau vor 100 Tagen hat die Münchnerin ihren Mann verloren. Er starb nach einem schweren Unfall auf der Hochstraße: Es war das schreckliche Ende einer Fahrradtour, zu der Fabio mit Freunden aufgebrochen war.

Wie die Freunde gegenüber der Polizei aussagten, war es zu einem Streit mit einem anderen Fahrradfahrer und zu einer Kollision gekommen. Beide Männer stürzten. Während der Unbekannte danach aufstand und davonfuhr, starb der erst 37-jährige Fabio Dettori an seinen schweren Verletzungen. Seitdem sucht die Polizei den flüchtigen Mann – ohne Erfolg, obwohl mehrere Bilder aus einer Überwachungskamera veröffentlicht und erste Handy-Daten aus den Mobilfunkzellen ausgewertet wurden. Daten von Menschen, die sich während des Unfalls im näheren Umkreis der Hochstraße aufgehalten hatten. „Eine Funkzellenauswertung wurde durchgeführt, ergab jedoch keine neuen Ermittlungsansätze“, sagt Alexandra Zahn, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft München I, auf Nachfrage unserer Zeitung. Bislang wurden 100 Mobiltelefone ins Visier genommen. Die Auswertung dauert noch an. In einem Fall hat die Staatsanwaltschaft auch eine DNA-Analyse vorgenommen, konnte daraus aber keinen Tatverdacht ableiten.

Ursprünglich hatten die Ermittler den Unfall auf der Hochstraße als Körperverletzung mit Todesfolge eingestuft. Dieser Anfangsverdacht ist mittlerweile fraglich. „Es ist keinesfalls gesichert, dass von dem Gesuchten eine Körperverletzungshandlung gegenüber dem Verstorbenen ausgegangen ist“, sagt Hans Kornprobst, Leiter der Staatsanwaltschaft München I. Gleich mehrere Videoaufnahmen vom Tatgeschehen hatte die Anklagebehörde akribisch durchleuchtet. Daraus ergibt sich offensichtlich aber keine klare Schuld des flüchtigen Radlers. Ob er für den Tod von Fabio verantwortlich gemacht werden kann, bleibt offen. Klar ist aktuell nur: Die Behörden ermitteln wegen Unfallflucht. Umso wichtiger wäre es, endlich von dem gesuchten Mann zu erfahren, was an dem schicksalhaften Sonntag passiert ist.

Warum er nicht gefunden werden kann, bleibt für Fabios Witwe unverständlich. „Jemand muss ihn doch erkannt haben.“ Die Bilder des Mannes waren in der ganzen Stadt zu sehen – zum Beispiel auf den Bildschirmen in den U-Bahnhöfen: 97 Hinweise zu dem Flüchtigen sind im Zuge der dreimonatigen Öffentlichkeitsfahndung inzwischen im Polizeipräsidium eingegangen. Weitere Hinweise nehmen die Beamten unter der Telefonnummer 089/62 16 33 22 entgegen. Inzwischen ist sogar eine Belohnung von 2000 Euro ausgesetzt. Bislang war noch keine heiße Spur dabei. So bleibt die Ungewissheit für Lidija Dettori. Genauso wie die Traurigkeit. Jeden Tag aufs Neue. Andreas Thieme, Nadja Hoffmann

Schwere Verletzungen hat sich eine junge Frau bei einem Unglück in München zugezogen. Zeuginnen verständigten sofort den Notarzt.

Tödlicher Unfall in München: Wer ist der geflüchtete Radl-Rambo? Spezielles Verfahren soll ihn jetzt überführen

Meldung vom 29. Juni 2020: München - Seit sechs Wochen laufen die Fahndungsbilder im Fernsehen, erscheinen auf Bahnsteig-Monitoren, werden in Zeitungen gedruckt und auf Internetseiten geteilt. Und dennoch: Der Radl-Rambo wurde immer noch nicht geschnappt. Nun aber will die Polizei mit Hightech den Täter finden. 

„Die Sonderkommission arbeitet mit Hochdruck an der Aufklärung des Falles“, sagt Polizeisprecher Michael Marienwald. 96 Hinweise aus der Bevölkerung seien bereits eingegangen. „Die eine heiße Spur war aber noch nicht dabei.“ Inzwischen läuft die Fahndung* nach dem Mann, der an dem tödlichen Fahrradunfall vom 17. Mai beteiligt war, aber auch auf einer anderen Ebene: Die Handydaten werden ausgewertet.

München: Radl-Rambo weiter auf der Flucht - Polizei will Handy-Daten auswerten

Bevor die Polizei darauf zugreifen durfte, brauchte es eine richterliche Anordnung, dann mussten die einzelnen Anbieter die Daten liefern. Und das sind einige, wie die Polizei erklärt. Sie wertet nun aus, welche Mobiltelefone sich am Tag der Tat automatisch in die Funkzellen rund um die Hochstraße eingewählt hatten. „Das braucht seine Zeit.“ Ein Aufwand, der sich aber lohnen könnte, denn anhand der Daten filtern die Ermittler nun heraus, auf wen Fabio Dettori an jenem Sonntag getroffen ist.

Freunde des Verstorbenen an der Unfallstelle.

Der 37-Jährige war mit Freunden unterwegs, als er mit dem Unbekannten in Streit geriet. Auf einen derben Wortwechsel folgte eine Kollision. Dettori stürzte dabei. Er erlitt schwerste Kopfverletzungen und einen Milzriss und starb auf der Straße, während sein Kontrahent davonradelte. 

Tödliche Kollision in München: Witwe erholt sich in kurzem Urlaub

Ein Schock für seine Frau Lidija. Die 35-Jährige trägt Zwillinge unter ihrem Herzen – zwei Buben, wie sie jetzt im fünften Monat weiß. Momentan erholt sie sich mit ihren Eltern in einem kurzen Urlaub. „Sie musste unbedingt mal raus“, sagt Fabios Schwager Ugur Cetinkaya

Die ganze Familie ist in Sorge um die werdende Mutter. Bei ihr sind viele Spenden eingegangen, die direkt nach dem tödlichen Unfall gesammelt wurden – auch viele tz/Merkur-Leser hatten Herz gezeigt und die schwangere Witwe unterstützt. Die Menschen nehmen Anteil an dem Schicksal der Familie, die von der tiefen Trauer gezeichnet ist.

Unter anderem mit diesem Bild wird nach dem Flüchtigen gefahndet.

Für die Hinterbliebenen ist es enorm wichtig, dass der Mann, der offenbar maßgeblich an dem tödlichen Unfall beteiligt war*, endlich gefasst wird. „Die Ungewissheit ist unerträglich“, sagt Cetinkaya. 

Auf Facebook hat er einen Hinweis veröffentlicht, der ihm zugetragen wurde. Demnach könnte der Gesuchte am Candidplatz gesehen worden sein. Auch diesem Tipp geht die Polizei nach. Wie Marienwald betont, kann jede Information – auch zu dem Fahrrad oder zur Kleidung des Mannes – hilfreich sein.

Bei einem weiteren tragischen Unfall in München ist ein Mann tödlich verunglückt. Er war zuvor von einem BMW erfasst worden. Die Polizei ermittelt.

Ein weiterer Radfahrer aus München macht aktuell Schlagzeilen. Der Münchner radelte betrunken über die A9 - seine Erklärung machte die Beamten sprachlos.

In Toronto war ein 6-jähriger Junge mit seinem Fahrrad auf dem Highway unterwegs. Nachdem er seiner Großmutter ausgebüxt war, wollte er so rund 70 Kilometer zurück zu seiner Mutter fahren.

München: Zeugenaufruf nach tödlichem Fahrradcrash

Wer Informationen zu dem Unfall vom 17. Mai um 18.30 Uhr an der Hochstraße hat, soll sich bei der Polizei unter 089 / 62 16 33 22 melden. 

Der Gesuchte ist 40 bis 50 Jahre alt, 170 bis 180 cm groß und stämmig mit starken Waden. Er hat kurze, grau melierte Haare, trug eine mittelblaue kurze Hose, ein blaues Shirt mit weißen Ärmeln und dunkelblauen oder schwarzen senkrechten Längseinsätzen. Sein Mountainbike war schwarz mit weißen Applikationen am unteren Ende der Gabel und an der Kettenstrebe vor dem Hinterrad.*tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Schlimmes Rad-Drama am Freitag in München: An der Schleißheimer Straße kam es zu einem schweren Unfall. Die Feuerwehr bekam zunächst eine falsche Information.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

München als reales „Monopoly“? Milliardär kauft sich nächste Immobilie - mitten im Herzen der Stadt
München als reales „Monopoly“? Milliardär kauft sich nächste Immobilie - mitten im Herzen der Stadt
Erst letzte Woche verordnet: München kippt Corona-Regel - einschneidende Maßnahme fällt wieder weg
Erst letzte Woche verordnet: München kippt Corona-Regel - einschneidende Maßnahme fällt wieder weg
Frau radelt durch München, dann macht sie widerliche Entdeckung - Polizei schickt prompt mehrere Streifen los
Frau radelt durch München, dann macht sie widerliche Entdeckung - Polizei schickt prompt mehrere Streifen los
Münchner Wirt fühlt sich von seiner Versicherung im Stich gelassen - „Es geht um meine Existenz“
Münchner Wirt fühlt sich von seiner Versicherung im Stich gelassen - „Es geht um meine Existenz“

Kommentare