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Ärger über neue Luxus-Wohnungen in Haidhausen: „Für unser Viertel bringt es gar nichts“

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Von: Claudia Schuri

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So werden die neuen Luxuswohnungen in Haidhausen aussehen.
So werden die neuen Luxuswohnungen in Haidhausen aussehen. © Visualisierung: Becken Development GmbH

Auf dem ehemaligen Paulaner-Gelände entstehen Luxus-Wohnungen: 80 Prozent davon sind schon verkauft.

München - „Baukunst für anspruchsvolles Wohnen“, „Einzelstücke in meisterhaften Architekturen“, „außergewöhnliche Sammlerstücke“ – so wirbt das Immobilienunternehmen Becken für die Münchner Wohnungen, die in dem Quartier „Hoch der Isar“ auf dem ehemaligen Paulaner-Gelände gebaut werden. Die Arbeiten auf dem 9000 Quadratmeter großen Baufeld an der Hochstraße laufen: Ende April ist schon das Richtfest und die neuen Eigentümer sollen ab dem ersten Quartal 2023 einziehen können. Mehr als 80 Prozent der 185 Wohnungen in 13 Häusern sind bereits verkauft. Die Käufer müssen richtig tief in die Tasche greifen: Die günstigste Wohnung kostet laut der Projekt-Homepage 680 000 Euro.

Auf Immobilien-Portalen sind mehrere Wohnungen im Angebot

Auf Immobilien-Portalen sind mehrere Wohnungen im Angebot: Die Preise liegen zwischen 845 000 Euro für eine 48,18 Quadratmeter große Wohnung und 7,69 Millionen Euro für ein 260,93 Quadratmeter großes Penthouse. Das Projekt stünde für „qualitativ hochwertige Architektur in einer exponierten Lage“, erklärt Joachim Schmidt-Mertens, Geschäftsführer der Becken Development GmbH. „Das spiegelt sich auch in den Preisen des Projekts wider. Diese sind auf dem aktuellen Münchner Immobilienmarkt durchaus nichts Außergewöhnliches.“

Doch selbst für die teure Stadt München sind sie hoch: Laut dem Immobilienverband Deutschland (IVD) liegt der Quadratmeter-Kurs für Eigentumswohnungen mit sehr gutem Standard in München im Schnitt bei 17 500 Euro. „Wie es weitergeht, ist schwer vorauszusagen“, sagt Stephan Kippes vom IVD. „Tendenziell steigen die Preise weiter, aber aktuell gibt es auch einige Spezialeffekte, zum Beispiel durch Corona, die Inflation und den Ukraine-Krieg.“

Im Bezirksausschuss Au-Haidhausen sieht man das Projekt kritisch

Im Bezirksausschuss Au-Haidhausen sieht man das Projekt kritisch. „Für unser Viertel bringt es gar nichts“, sagt der Vorsitzende Jörg Spengler (Grüne). „Das kann sich keine Familie, kein Student und kein Rentner leisten.“ Auch, dass 30 Prozent der Wohnungen im Rahmen der Sozialgerechten Bodennutzung (SoBon) günstig zur Verfügung gestellt werden mussten, habe da nicht viel gebracht. Spengler hätte sich gewünscht, dass die Fläche zum Beispiel für genossenschaftlichen Wohnungsbau genutzt worden wäre. „So wie es jetzt ist, war es ein Fehler.“ Er befürchtet Auswirkungen auf das ganze Viertel. „Auch der Mietspiegel kann steigen“, sagt er. „Die Entwicklung betrachte ich natürlich mit großen Sorgen.“

Auch der SPD-Stadtrat und Sprecher der Stadtratsfraktion SPD/Volt Christian Müller ist besorgt über den Immobilienmarkt. „Begeisterung sieht natürlich anders aus“, sagt er. Doch im frei finanzierten Wohnungsbau könne der Eigentümer den Preis verlangen, den er auf dem Markt erhält. „Es gibt keine Preisbindung“, erklärt Müller. Die Stadt habe bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um Einfluss zu nehmen. „Jetzt wäre der Freistaat gefragt“, sagt er. CLAUDIA SCHURI *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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