17 Quadratmeter für 1150 Euro

Münchner Künstler: Mit einem Goldzimmer gegen den Mietwahnsinn

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Kritik am Miethorror: Ein Haidhauser Künstler hat seine Wohnung vergoldet.

Die Mietpreise in der Münchner Innenstadt sprengen langsam aber sicher jede Grenze. Ein Künstler will auf den Wahnsinn aufmerksam machen - mit einem Goldzimmer.

München - Um auf den Mietpreis-Wahnsinn aufmerksam zu machen, hat der Münchner Künstler Nabil Henid (48) ein 17 Quadratmeter kleines Zimmer in der Haidhausener Steinstraße 61 in einen schimmernden Protz-Palast verwandelt. Wer darin wohnen will, muss monatlich 1150 Euro hinblättern. Natürlich nur fiktiv…

Als Nabil Henid in die Landeshauptstadt zieht, ist er voller Tatendrang. In Haidhausen mietet er sich ein Künstler-Atelier, veranstaltet Workshops, Ausstellungen – und träumt von einer offenen Weltstadt mit Herz. Doch die Realität sieht anders aus: horrende Mietpreise, Ladensterben – der 48-Jährige wird Zeuge einer Entwicklung, die er nicht einfach so hinnehmen will. „Als Künstler ist es meine Aufgabe, die Menschen auf die vorherrschenden Probleme aufmerksam zu machen“, sagt Henid.

Also fährt in einen nahegelegenen Baumarkt und kauft 20 Quadratmeter Goldfolie – das schillernde Gewand seiner neuesten Kunstaktion. In den darauffolgenden Tagen schnipselt, klebt und tackert der 48-Jährige an seinem Goldpalast. Den will er jetzt – natürlich rein fiktiv – für 1150 Euro Kaltmiete an den wohlhabenden Mann bringen. Alle anderen Interessenten schließt der Künstler kategorisch aus.

Ebenso verboten sind Haustiere, Musik und Lebensfreude. Ein goldener Käfig mitten in München. Was sich zunächst wie ein schlechter Scherz anhört, ist in der Landeshauptstadt bittere Realität. „Ich habe das Gefühl, dass alle nur noch auf Reichtum aus sind“, sagt Henid. Dabei bleibe der wertvollste Schatz, die Menschlichkeit, auf der Strecke. Die will der 48-Jährige mithilfe seiner Kunstaktion (noch bis 9. April) zurückerobern.

Wir ermittelten Münchens wahren Mietspiegel

Im vergangenen Jahr ermittelten wir mit Hilfe unserer User den wahren Mietspiegel. Gemeinsam mit der tz und dem Münchner Merkur riefen wir im Sommer die Leser auf, ihre Mietdaten bei uns einzureichen. Dabei kam heraus: Die wahre Durchschnittsmiete für München liegt deutlich höher, als von der Stadt herausgegeben.

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