„Hatte wahnsinnige Angst“

Nach Brand unter Reichenbachbrücke: München will den Obdachlosen helfen

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Verkohlte Klamotten und Matratzen. Auch Angel Daimianos Habseligkeiten sind am Donnerstag verbrannt. Jetzt hat die Volxküche einen Spendenaufruf gestartet. Einige haben bereits Möbel vorbeigebracht.

Mannshohe Flammen haben die Bewohner des Obdachlosenlagers unter der Reichenbachbrücke in der Nacht auf Donnerstag aus dem Schlaf gerissen.

Au-Haidhausen - Nachdem anfangs der Verdacht eines Brandanschlags bestand, hat die Brandfahndung der Polizei inzwischen ermittelt: Die Obdachlosen haben ihr Zuhause wohl selbst in Brand gesetzt. Nach Angaben der Polizei lagen „innerhalb der Behausung Unmengen von Zigarettenkippen“ auf dem Boden – der Quell des nächtlichen Infernos.

Mittlerweile ist die Brandstelle vollständig umzäunt. Doch der Blick durch das Gitter lässt noch immer erahnen, wie wild das Feuer gewütet hat. Verkohlte Klamotten stapeln sich über angeschmorten Matratzen. Der Wind jagt den Gestank des Feuers durch die Luft. Um den ehemaligen Bewohnern des Obdachlosenlagers zu helfen, haben die Betreiber der Volxküche, einem veganen Restaurant für Bedürftige, einen Spendenaufruf gestartet. Viele Münchner haben Möbel, Klamotten und Matratzen vorbeigebracht.

Den kompletten Verlauf des Sachverhalts können Sie hier nachlesen

„Ich war stinksauer“, erzählt Volxküchen-Chef Fabian Neulinger, „sauer und unheimlich traurig, als ich von dem mutmaßlichen Brandanschlag auf das Lager erfahren habe“. Obwohl sich der Verdacht der Brandstiftung inzwischen relativiert hat, will Neulinger an seinem Vorhaben festhalten. „Egal, ob selbst verschuldet oder nicht, an der Situation der Bedürftigen ändert sich ja nichts.“

Auf seiner Facebook-Seite fordert der 31-Jährige die Münchner daher auf, „Herz zu zeigen“. Und tatsächlich: Nur wenige Minuten, nachdem er sein Anliegen öffentlich gemacht hatte, meldeten sich die ersten Helfer. „Ein Münchner will Klamotten und Schlafsäcke spenden“, erzählt Neulinger, „andere haben sich telefonisch bei uns gemeldet, um denjenigen, die ihr Zuhause verloren haben, zu helfen.“

Menschen wie Angel Daimiano. Es war kurz vor ein Uhr nachts, als der gebürtige Bulgare aus dem Schlaf gerissen wurde. Um ihn herum herrschte Chaos: Schreie, Schritte – es brennt. Als der 61-Jährige die Augen öffnete, waren die Flammen nur wenige Meter von seinem Kopfkissen entfernt. „Ich hatte wahnsinnige Angst“, erzählt Daimiano. Noch immer stapeln sich haufenweise verkohlte Klamotten über angeschmorten Matratzen.

Verkohlte Klamotten und Matratzen. Auch Angel Daimianos Habseligkeiten sind am Donnerstag verbrannt. Jetzt hat die Volxküche einen Spendenaufruf gestartet. Einige haben bereits Möbel vorbeigebracht.

Irgendwo unter den pechschwarzen Stoff-Fetzen liegt Angels Daimianos Identität begraben. „Meine Papiere sind komplett verbrannt“, erzählt er, „meine Reisedokumente, meine Fahrkarte, mein Ausweis – ich hatte keine Zeit mehr, irgendwas einzupacken, ich bin einfach nur weggerannt.“ Heute steht der Bulgare vor dem Nichts. „Die Flammen haben mir alles genommen.“ Mit seiner rechten Hand zeigt der 61-Jährige auf die verkohlten Überreste seines Schlafzimmers. Seine Stimme stockt, er weint. Es scheint, als würde ihm erst jetzt bewusst, was das Feuer angerichtet hat.

Sobald Sachspenden zusammengekommen sind, will Fabian Neulinger persönlich zur Reichenbachbrücke fahren und die Möbelstücke übergeben. So, wie die beiden Münchner, die bereits am Donnerstagabend Stühle, Klamotten, Teller, Matratzen und eine Couch vorbeigebracht haben.

Die VolxKüche München (Georgenschwaigstraße 26, München) sammelt Sachspenden für die Obachlosen, die alles verloren haben. Verbreiten Sie den Hinweis auf Facebook:

Die wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Au – mein Viertel“.

Sarah Brenner

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