Legende lebt weiter

Neue Brauerei: Das Münchner-Kindl-Bier kommt zurück

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Das Motorama am Rosenheimer Berg: Hier stand einst der Münchner Kindl-Keller mit seinem riesigen Biergarten. 

München - Das Münchner-Kindl-Bier hat eine lange Tradition - ist jedoch ein wenig in Vergessenheit geraten. Jetzt hat Geschäftsmann Dietrich Sailer die Marke übernommen und plant, das Bier wieder zum Erfolg zu führen.

Gibt es in München bald wieder Münchner-Kindl-Bier? Gastro-Unternehmer Dietrich Sailer (59) hat die Rechte an der Marke erworben, mit dem Ziel wieder in München zu brauen. Schon im Frühjahr des Jahres wechselte die traditionelle Biermarke ihren Besitzer. „Ich bin gebürtiger Münchner und liebe die Stadt“, sagt Sailer auf Anfrage unserer Redaktion. Deshalb habe er nicht lange überlegt, als die Markenrechte frei wurden. Diese lagen nämlich vorher bei Löwenbräu und dem staatlichen Hofbräu. „Die haben aber keinen großen Wert auf die Marke gelegt“, sagt Sailer. 

Die traditionelle Bier-Marke wieder aufleben lassen - das ist das Ziel

Er will die Traditionsmarke wieder aufleben lassen: Dietrich Sailer. 

Jetzt gehört die Marke dem Traunsteiner Gastronomen. Seine Vision: die traditionelle Münchner Biermarke wieder aufleben lassen - mit allem, was dazu gehört: „Ich bin kein Craft-Bier-Brauer“, sagt der 59-Jährige. Er will das Kindl-Bier nach alter Tradition brauen, „untergärig und klassisch mit Holzfass“. So etwas ist in München mittlerweile selten geworden. Außer dem Giesinger Bräu und der Forschungsbrauerei gebe es in der Stadt keine wirkliche Familienbrauerei mehr, so Sailer. 

Das Kindl-Bier kann sich zurecht Traditionsbier nennen: 1880 war die Brauerei am Rosenheimer Berg gegründet worden. Brauerei samt Biergarten standen dort, wo seit Anfang der 70er Jahre das Ladenzentrum Motorama steht. 1904 wurde die Marke dann vom Unionsbräu übernommen, der wiederum später von Löwenbräu. 

Die Markenrechte lagen zuletzt bei Löwenbräu und Hofbräu. Letzere ließen die Lizenz auslaufen. Sailer brauchte also nur noch die Anteile von Löwenbräu. Weil man bei der Brauerei-Gruppe Anheuser-Busch Inbev, zu der Löwenbräu mittlerweile gehört, mit einer so lokalen Marke wohl nichts anfangen konnten, gingen die leicht her.   

Lesen Sie hier:Das sind Münchens vergessene Bierkeller

Wann die neue Brauerei fertig wird, ist noch unklar

Der Münchner Kindl-Keller wurde Ende der 60er Jahre abgerissen. 

Was jetzt noch fehlt, ist ein geeigneter Ort für die Brauerei. „Erst einmal brauche ich ein Grundstück“, sagt Sailer, „dann das Baurecht“. Es könnte also noch ein bisschen dauern, bis die neue Brauerei steht. Wichtig ist für den 59-Jährigen aber, dass das Gebäude auf Münchner Boden gebaut wird und nicht irgendwo im Umland. 

Und obwohl Dietrich Sailer leidenschaftlicher Unternehmer ist, betont er, dass es ihm beim Kindl-Bier nicht um große Mengen gehe. „Ich setze mehr auf Qualität“, sagt er. Ob das Bier in Zukunft auch auf der Wiesn ausgeschenkt werden wird, ist also eher fraglich. Den genauen Geldbetrag, den er für die Marke gezahlt hat, verrät Sailer übrigens nicht. „Es war nicht der Rede wert“, sagt er. 

So sah München Anfang der 70er-Jahre aus

München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
11 Uhr auf dem Marienplatz ist Zeit fürs Glockenspiel – keine Absperrung, keine Schnur, kein Gitter, kein Zaun trennte die Touristen unter dem Neuen Rathaus von der 30 Meter tiefen Baugrube des U- und S-Bahnhofes. Wie durch ein Wunder ist niemand hineingefallen, obwohl alle eine Viertelstunde lang nur nach oben blickten. © Heinz Gebhardt
München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
Die Baustelle auf dem Marienplatz. © Heinz Gebhardt
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Unter dem Marienplatz, noch ohne Zwischengeschoss: Eine Mega-Halle. © Heinz Gebhardt
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Ein Blick auf den Marienplatz. Bessergesagt Mariengrube. © Heinz Gebhardt
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Offene Baugrube von Schwabing zum Odeonsplatz: Die Straßenbahn fuhr auf riesigen Stahlträgern über das U-Bahn-Bauloch von der Münchner Freiheit bis zum Odeonsplatz, Autos durften mal links, mal rechts, mal gar nicht dahinschleichen und Fußgänger suchten sich selbst irgendeinen Wanderweg durch das Baumaschinenparadies. © Heinz Gebhardt
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Ohne Promis und Medienspektakel, dafür mit 1500 Dackeln und lustigen Münchnern feierte Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel das Ende der Baugrubenzeit und die Eröffnung der Fußgängerzone. © Heinz Gebhardt
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Das erste moderne Hochhaus Münchens steht längst unter Denkmalschutz: 1974 begann der Bau des 113 Meter hohen Hypo-Towers. Ein Höhepunkt! © Heinz Gebhardt
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Pünktlich zu Olympia wurde der 99,5 Meter hohe BMW-Vierzylinder fertiggestellt – hier ein Foto aus der Bauzeit. Während der Spiele musste er auf seinen Namen verzichten: Das BMW-Logo wurde abmontiert, weil die Olympiaveranstalter keine kostenlose Werbung duldeten … © Heinz Gebhardt
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Das kurioseste Bauwunder um 1970 war die Stachusbrücke, eine gewaltige Holzbrücke von der Bayerstraße zum Karlstor. Sie war der einzige Weg, um von einer Seite auf die andere zu kommen – und das zudem nur für Menschen, die gut zu Fuß waren. Für ältere Menschen, Behinderte und Kinderwagen: keine Chance! Bei Schneefall gesperrt, schlitterten und purzelten im Winter trotzdem alle hinüber und herunter. © Heinz Gebhardt
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Entweder ­wurden Absperrungen ignoriert und man schlüpfte durch jede sich bietende Baulücke, oder man setzte vorsichtshalber doch mal einen Bauhelm auf und spazierte einfach durch die Betonröhren. Die Münchner wussten sich halt zu helfen … © Heinz Gebhardt
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Auf dem ehemaligen Flughafen Oberwiesenfeld entstanden Olympiastadion und Olympiahalle. © Heinz Gebhardt
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Die Schuttberge drumherum mit den Trümmern des Zweiten Weltkriegs wurden begrünt und zum Erholungsgebiet Olympiapark. © Heinz Gebhardt

sb

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