Opfer verweigert Annahme von Schmerzensgeld

Wegen sexuellen Übergriffs gegen Patientin verklagt - Pfleger erreicht mit Revision Teilerfolg

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Haftstrafe verkürzt: Pfleger Can T. hat mit seiner Revision zumindest ein Ziel erreicht.

Weil er sich an seiner wehrlosen Patientin vergangen hat, ist ein Pfleger zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Doch mit seiner Revision gelingt ihm eine Verkürzung der Strafe.

München - Wegen eines sexuellen Übergriffs auf eine Patientin im Klinikum rechts der Isar hatte das Landgericht den Pfleger Can T. (60) vor etwa einem Jahr zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt. Außerdem bekam er das Verbot, in den nächsten fünf Jahren seinen Pflegerberuf auszuüben. Can T. ging in Revision. Und hatte zumindest beim Strafmaß Erfolg: In einem neuen Verfahren wurde der 60-Jährige am Donnerstag zu sechs Jahren und drei Monaten verurteilt.

Der Bundesgerichtshof hatte die Revision zugelassen. Es ging jedoch nicht um den Schuldspruch, sondern nur um das Strafmaß. Im Prozess diese Woche entschuldigte sich Anwalt Vincent Burgert im Namen seines Mandanten Can T. bei der Patientin. Er räume die Vorwürfe ein und es tue ihm unendlich leid. Er schäme sich und werde eine Therapie anstreben.

Patientin will angebotenes Schmerzensgeld von Pfleger nicht annehmen

Er sei auch bereit, 3000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Doch die 53-jährige Patientin, die nicht beim Prozess anwesend war, will das nicht annehmen. Das berichtete die Nebenklage-Anwältin im Namen des Opfers. Die Folgen seien weder mit Geld noch mit einer Entschuldigung leichter ertragbar. In einem Rechtsgespräch versuchten sich die Prozessbeteiligten bereits am Dienstag auf das richtige Strafmaß zu einigen, doch es kam zu keiner Einigung. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hielten sechs Jahre für zu niedrig.

Laut Anklage hatte Can T. seine Patientin am 29. Dezember 2016 mit Medikamenten betäubt und sich auf der Stationstoilette an ihr vergangen. Die 53-Jährige kann sich an nichts erinnern.

Im November 2018 wurde ein ehemaliger Krankenpfleger wegen sexuellen Übergriffs in vier Fällen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. In Oldenburg ist ein Krankenpfleger angeklagt, weil er mehr als 100 Patienten getötet haben soll.

Außerdem: Eine Krankenschwester aus Ulm wird verdächtigt, mehrere Frühchen mit Morphium vergiftet zu haben.

Stefanie Wegele

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