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Prozess am Verwaltungsgericht

Dieser Professor will den Tunnelbau stoppen - und klagt gegen die zweite Stammstrecke

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Professor Michael Fischer (77) mit seinen beiden Anwälten im Verwaltungsgericht. 

Wohnungseigentümer aus Haidhausen klagen gegen den neuen S-Bahn-Tunnel: Am Verwaltungsgericht greifen sie die Baupläne an, die unzumutbar seien. Es ist ein ungleiches Duell, bei dem es um Milliarden Euro geht – und wie die Trasse Leben verändert.

München - Michael Fischer (77) weiß genau, was er will: „Den Freistaat vor einem Irrsinn bewahren.“ Denn durch die zweite S-Bahn-Stammstrecke, so glaubt er, werden „doch nur sinnlos Steuergelder verschwendet“.

Deshalb ist der Professor vor Gericht gezogen – gegen die Bundesrepublik Deutschland, einen großen Gegner, zu dem die Bahn als Staatskonzern gehört. Bis in Fischers Haidhauser Wohnung reicht ihr Einfluss, genauer gesagt: direkt darunter. Hier entlang soll die unterirdische Trasse laufen, die im Frühjahr 2016 beschlossen wurde. Seither werkelt die DB Netz AG an dem Großprojekt, das Münchens Nahverkehr revolutionieren und vor allem entlasten soll.

Fischer sieht darin nur Nachteile. Mit seiner Gemeinschaft der Wohnungseigentümer aus der Inneren Wiener Straße will er den Tunnelbau stoppen. Juristisch greifen sie die Planfeststellung an. Der Beschluss sieht vor, das Haidhauser Grundstück (180 Wohneinheiten plus 20 gewerbliche) zu untertunneln, zudem ist an den Maximiliansanlagen eine Großbaustelle geplant.

Richter Peitek: „Es handelt sich um ein äußerst komplexes Verfahren“

Für die Anwohner sei das unzumutbar, argumentiert Fischer. Über seine Anwälte kritisierte er vor Gericht den angeblich mangelhaften Brandschutz, Schmutz und Lärm während der Bauphasen sowie die Belastungen durch die Baustelle. Noch mehr fürchten die Wohnungseigentümer aber drohende Gebäudeschäden. „Diese konnte die Bahn bisher nicht ausschließen“, sagt Fischer. Gutachter blieben in ihren Prognosen hier vage.

Auch vorsorglich reichte der Professor daher am 27. Juni Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss ein, um diesen aufheben zu lassen. „Es handelt sich um ein äußerst komplexes Verfahren“, sagte Richter Peitek gestern. Ihm gegenüber kritisierten die Klageanwälte, dass die Planung der Trasse schon eingeleitet wurde, als die Untersuchung zu Kosten und Nutzen noch im Gange war. Außerdem seien die Auswirkungen des Baus nicht absehbar. Genau das sieht die Bahn anders: Durch die zweite Stammstrecke, die 2026 in Betrieb gehen soll, werde es eine Verkehrsentlastung geben, weniger Störungen in den Außenästen, dazu kürzere Fahr- und Wartezeiten

Streit um zweite S-Bahn-Stammstrecke geht weiter

„Ich habe Angst um meine Zukunft“

Heute streiten die Anwohner weiter. Es geht um ein Projekt, das viele Münchner sich gewünscht haben – auch, weil die Stadt immer weiter wächst. Nicht so die Wohnungseigentümer. „Ich bin direkt betroffen, die Bahnlinie läuft unter meiner Zweizimmer-Wohnung entlang“, sagt Petra Neller (50). Seit 20 Jahren nutzt sie die bisherige Stammstrecke, um zur Arbeit zu fahren. Durch den Neubau fürchtet sie Gebäudeschäden, die ihr Zuhause unbewohnbar machen. „Ich habe Angst um meine Zukunft“, sagt sie.

Dass die Anwohner den Prozess gewinnen, erscheint weit entfernt. Dass sie scheitern aber auch. Denn in etlichen Einzelfragen wird sich die Bahn erklären müssen. Im Internet ist das bereits geschehen: Auf der Webseite www.2.stammstrecke-muenchen.de informiert das Unternehmen über die Bauphasen, Ziele und Einschränkungen. Auch und besonders auf die Anwohner wird hier eingegangen. Diese wird die Bahn eventuell finanziell abfinden müssen – auch das erscheint als realistische Lösung, die Michael Fischer vor Gericht erstreiten könnte.

Statt des milliardenschweren Stammstrecken-Neubaus würde er sich eine „Ringlösung“ wünschen. Doch dazu wird es wohl kaum kommen, jedenfalls nicht so schnell. Vielleicht aber zu einer erträglichen Lösung für die Anwohner: mit viel Lebensqualität – trotz des Tunnelbaus.

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