"Antrag vereint alle denkbaren Nachteile"

Rosenheimer Straße: Neuer Radweg wird lebensgefährlich!

München - Bis zu 29.000 Autos, 3800 Fußgänger, 2100 Radler am Tag – und seit Monaten Streit! In der Rosenheimer Straße wollen CSU und SPD einen Radweg bauen – aber nur, wenn dafür keine Autospuren geopfert werden.

Herausgekommen sind Schmalspur-Lösungen für Autos, Radler und Fußgänger. Doch jetzt wehren sich Radl- und Ökoverbände gegen Schwarz-Rot: Dieser Plan ist lebensgefährlich! Dann lieber gar kein Radweg!

Der Radweg soll zwischen Straße und Parkplätze gequetscht werden.

Bund Naturschutz, der Radlclub ADFC, die Spaziergänger von FUSS, Green City und der Verkehrsclub Deutschland: Alle haben sich zusammengetan, die in Sachen Öko und Verkehr Rang und Namen haben. „Der Antrag von CSU und SPD vereint alle denkbaren Nachteile“, wettert Martin Hänsel vom Bund Naturschutz. „Wer dafür stimmt, setzt das Leben der Radler aufs Spiel!“ Carl Pickerill vom ADFC legt nach: „CSU und SPD zeigen, dass sie mehr um die Träume einer autogerechten Stadt als um die Sicherheit der Radler und die nachhaltige Mobilität besorgt sind.“

2011 war hier Nina C. (23) auf dem Radl totgefahren worden. Die Stelle kurz nach dem Rosenheimer Platz gehört zu den gefährlichsten in ganz München. Als Sofortmaßnahme fordern die Öko-Verbände darum Tempo 30!

Gegen die Pläne der Stadtregierung regt sich massiver Widerstand.

Es geht zwar nur um eine einzige Straße, aber an ihr wird die Zukunft des Stadt­verkehrs verhandelt: Wenn aber die Radler mehr Platz brauchen, müssen dann die Autos weichen? Das Planungsreferat der Stadt hatte eine Spur opfern wollen. OB Dieter Reiter hatte im Wahlkampf den Radweg gegen den Willen seiner SPD unter dem Jubel der Grünen versprochen. Aus Rot-Grün wurde nichts. Schwarz-Rot vereinbarte, auf keinen Fall eine Auto­spur auf der Ausfallstraße herzugeben. Die Idee reichten sie vor vier Wochen im Rathaus ein: Alle Spuren werden auf ein Minimum verschmälert, die Bäume gefällt, aber später wieder ersetzt.

Die Verbände rechnen vor, dass 71 Prozent der Fläche den Autos bleiben, 16 Prozent sind Fußgängern vorbehalten – und nur 13 Prozent bekommen die Radler: „Gerechtigkeit sieht anders aus.“

OB Reiter ist stinksauer: „Wir haben einen Kompromiss, der eine deutliche Verbesserung für die Sicherheit der Radfahrer darstellt. Wenn der ADFC und andere Verbände diese Verbesserung schlecht reden, ist das weder hilfreich noch zielführend.“

Die Kritikpunkte der Öko-Verbände

- Zu schmale Autospuren: Bislang sind die Fahrbahnen drei Meter breit. Die schwarz-rote Stadtregierung will sie auf das zulässige Minimum von 2,85 Meter verengen. So breit sind aber schon Reisebusse und Laster (mit Spiegeln)! Somit bestünde keinerlei Puffer zwischen Autospur und Radweg. Allerdings können die Fahrzeuge auch versetzt fahren.

- Zu schmaler Radweg: Diesen planen CSU und SPD neu mit einer Breite von 1,50 Meter. Laut der Öko-Verbände sehen alle Richtlinien in solchen Situationen mindestens 1,85 Meter vor! Muss ein Radler einen parkenden Auto oder Lieferwagen ausweichen, müsste er auf die Autospur.

- Zu schmale neue Parkzonen: Hier sieht Schwarz-Rot ein Mischkonzept vor. Offiziell sollen die Gehwege verbreitert werden, aber zwei Meter davon sollen zusammen mit einem 50 Zentimeter breiten Sicherheitsstreifen eine Anlieferzone bilden, die abends zur Anwohnerparkzone wird. Aber: Übliche Lieferfahrzeuge sind laut der Öko-Verbände schon 2,50 Meter breit. Offene Türen würden voll in den Radweg ragen.

- Zu schmale Gehwege, Bäume werden gefällt: Von einer „barbarischen Abholzung“ spricht der Fußgängerverband. Auf den verbleibenden 1,80 bis 1,95 Meter würde es eng für Kinderwagen und Rollis, die Rosenheimer Straße verliere ihr Gesicht.

Hier ist München für Radler am gefährlichsten

David Costanzo

Rubriklistenbild: © Bodmer

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