Wir haben nachgefragt

Rosenheimer Straße: Das bringt die 30er-Zone wirklich

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Die neuen Schilder sollen die Autofahrer einbremsen, aber noch gehen die meisten einfach über das Tempolimit hinweg.

Seit einigen Tagen gilt auf der Rosenheimer Straße Tempo 30. Doch was bringt die Entschleunigung auf eine der verkehrsdichtesten Straßen Münchens wirklich?

München - Aggressive Autofahrer, rasende Radler und dazu die Blechlawine im Berufsverkehr: Die Gegend um die Rosenheimer Straße ist mit knapp 35.000 Verkehrsteilnehmern täglich, davon sind nur 3800 Fußgänger, eine der verkehrsdichtesten und gefährlichsten Straßen in München. Der Stadtrat stimmte Ende Juni daher für eine testweise Einführung der Tempo-30-Zone, um den Abschnitt zwischen Rosenheimer Platz und Orleansstraße zu entschleunigen.

Doch das Tempolimit hat in Haidhausen bisher wenig verändert. Die vom Baureferat angebrachten Tempo-30-Schilder werden von Zulieferern, Taxifahrern und Berufspendlern beharrlich ignoriert. „Es fühlt sich an, als würden die Schilder überhaupt nicht existieren“, schimpft Angela Konert, die an der Rosenheimer Straße einen Second-Hand-Laden betreibt. Dass bisher nicht kontrolliert wird, empört sie. Denn noch immer weichen Radfahrer auf den Gehweg aus, weil der Autoverkehr so schnell rollt. „Jeden Tag muss ich Radlern ausweichen.“ Anwohnerin Gerti Röhringen pflichtet bei: „Es ist teilweise wirklich gefährlich. Jeden Morgen gibt es einen Motorradfahrer, der mit über 100 Sachen über die Straße fährt“, berichtet die 77-Jährige.

Hier ist es gefährlich!“ Rentnerin Gerti Röhringen (77) glaubt nicht an die Vernunft der Fahrer.

Diskussion läuft seit vielen Jahren

Die Diskussion im Rathaus über die Rosenheimer Straße läuft bereits seit vielen Jahren. Unter anderem gab es den Vorschlag, einen Radweg für etwa fünf Millionen Euro zu bauen, um die Gefahren für Radfahrer zu verringern. Damit wäre aber entweder eine Autospur weggefallen oder der Fußweg schmäler geworden. Die Große Koalition schlug dann als Kompromiss Tempo 30 vor.

„Gerade die Kreuzungen hier sind brandgefährlich“, sagt Ingenieur Christof Schaaf, der ebenfalls im Viertel wohnt. Schaaf lobt die Stadt für das Tempolimit. „Es ist gut, wenn Autofahrer gezwungen werden, langsamer zu fahren.“ Der 59-Jährige ist selbst viel auf dem Rad unterwegs.

Fordert Polizeikontrollen: Ladeninhaberin Angela Konert (69) hätte gerne fest installierte Blitzer.

KVR bestätigt, dass nicht kontrolliert wird

Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) bestätigt, dass die Stadt selbst nicht kontrolliert, ob das Tempolimit eingehalten wird „Kontrollen wird es schon noch geben“, sagt ein Sprecher aber. Durchführen soll diese die Polizei. Die hatte im Vorfeld bereits betont, dass sie im selben Umfang blitzen will wie bisher auch – nicht mehr.

Ob Tempo 30 dauerhaft auf der Rosenheimer Straße bleibt, ist offen. Die Stadt will die Neuerung nun ein Jahr lang testen. „Wir möchten eine umfangreiche Bilanz ziehen können“, betont der KVR-Sprecher.

Ist zufrieden: Ingenieur Christof Schaaf (59) ist dankbar für die Einführung von Tempo 30.

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