Die Gefahrenstelle im Video

Kommt die neue Radspur auf der Rosenheimer Straße?

München - Befürworter und Gegner der von Neu-OB Dieter Reiter versprochenen neuen Rad-Spur in der Rosenheimer Straße bringen sich in Stellung.

Das Herz liegt aufgeweicht im Regen, ein kleines Holzgeflecht hält es zusammen. In der Mitte lächelt Nina auf einem Foto. Geboren am 8. Januar 1988. Daneben rauschen Autos auf vier Spuren vorbei. Hier, kurz nach dem Rosenheimer Platz, endet der Radweg stadtauswärts. Und hier endete auch Ninas Leben. Gestorben am 5. Dezember 2011. Die junge Radlerin wurde angefahren und lebensgefährlich verletzt. Ein Mahnmal aus Blumen erinnert an ihr Unglück.

Die Rosenheimer Straße kurz nach dem Rosenheimer Platz. Hier verunglückte Radlerin Nina H. (23). 

Nicht erst seit Ninas Tod diskutiert die Stadt über den Radweg an der Rosenheimer Straße – er endet abrupt. Auf 550 Metern müssen die täglich 2000 Radler die Fahrbahn benutzen und in den fließenden Verkehr einfädeln. Sie teilen sich die Straße mit mehr als 30.000 Autos, Bussen und Lkws, die die Rosenheimer Straße als Hauptverkehrsroute zwischen dem Zentrum und der Autobahn nutzen.

Der große Radl-Streit: Er kocht auch bei den aktuellen Koalitionsverhandlungen hoch. Denn Dieter Reiter (SPD) hatte bereits vor seiner OB-Stichwahl den Grünen eine Extraspur für Radler in der Rosenheimer Straße versprochen – eben diese fordert die Partei auf Kosten einer Autospur. CSU-OB-Kandidat Josef Schmid ist strikt dagegen!

Auch unter Verkehrsexperten wird heftig diskutiert. Sowohl der Verein Green City e.V. als auch der Autoclub mobil haben Petitionen gestartet. Laut mobil sei die Situation „kein Idealzustand, aber schwer lösbar“. Und: „Das Chaos wäre vorprogrammiert und Mobilität stark eingeschränkt“, wenn die Stadt eine Autospur wegnimmt. Wenn Baustellen eine Spur blockieren, herrsche jetzt schon Stau. Zudem würde sich der Autoverkehr in die Wohngebiete verlagern.

Green City, der Naturschutzbund und der Fahrradclub ADFC halten dagegen: „Ein abmarkierter Radfahrstreifen in beiden Fahrtrichtungen würde die Situation entschärfen“, da er die Lücke im Radnetz „endlich schließt“. Der Streifen sorge für mehr Sicherheit – bereits 2009 habe der Stadtrat angekündigt, die Lage zu untersuchen. Berechnungen des Verkehrsplanungsbüros Kaulen im Auftrag der Stadt haben ergeben: Mit Rückstau sei nicht zu rechnen, da die Zahl der Abbiegespuren an den Kreuzungen nahezu gleich bleibe.

Die tz hat mit Anwohnern, Geschäftsleuten und Verkehrsteilnehmern gesprochen: Der große RadlStreit!

Andreas Thieme 

Autos vor Radlern

Yüksel Ari (42), Kellnerin: "Mein Chef hat die Radlspur abgelehnt. Die Straße ist viel befahren und gefährlich, aber ich finde, Autos gehen vor Fahrräder. Es ist schon schwierig genug, hier überhaupt Parkplätze zu finden. Wie soll das erst mit einer Baustelle werden? Wir Anwohner profitieren nicht von einem Radlstreifen."

Das ist die Hölle

Guiseppe Blandino (32), Anwohner: "Eine extra Spur wäre gut für die Radler und schlecht für die Autofahrer. Nachmittags ist hier die Hölle los, der Verkehr ist enorm. Ich fahre selbst viel Fahrrad, für uns Radler ist es zu gefährlich, deshalb befürworte ich den Radlstreifen."

Arbeit wird erschwert

Ismail Oez (52), Taxler: "Ich bin Taxifahrer mit Leib und Seele und weiß, wie anstrengend der Verkehr in der Stadt ist. Wenn jetzt auch noch die Spuren enger werden, erschwert mir das die Arbeit. Für Autofahrer wäre die Fahrbahnverengung ein großes Problem, weil dann der Verkehr stockt – gerade zur Rushhour. Die Radler dürfen nicht bevorzugt werden."

Der Verkehr ist grausam

Alexander Schaubert (34), Radler: "Ich bin auf dem Weg zu meiner Mutter, die ich oft besuche. Der Verkehr in der Rosenheimer Straße ist grausam, wirklich sehr gefährlich für Radler – gerade bei Regen und Schnee. Ich verstehe, dass Autofahrer keine Verengung wollen, da die Straßen ohnehin so voll sind. Aber wir Radler brauchen ihn sehr dringend."

Rubriklistenbild: © Westermann

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