Serie: So wohnen die Münchner

Bei Uhrensammler Werner Stechbarth in der Au tickt es

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Ob Kunststoff, handgeschnitzt oder digital: Werner Stechbarth hat ein Faible für Uhren in allen Variationen.

Jeder lebt ein bisschen anders in seinen vier Wänden. Für Werner Stechbarth aus der Au gilt das ganz besonders. Bei ihm an der Hochstraße tickt es nämlich den ganzen Tag. Der 71-Jährige sammelt Uhren.

München - Mit einem Spruch seiner Mutter begann Werner Stechbarths Sammelleidenschaft. „Denke immer daran, wie schnell die Zeit vergeht, es ist später, als du denkst. Genieße jeden Tag so, als ob es dein letzter wäre“, liest der 71-Jährige von dem Zettel ab, der auf seiner allerersten Uhr klebt. „Ich habe sie 1975 in Acapulco gekauft.“ Heute, 43 Jahre später, hängen an den Wohnzimmerwänden des Auers 365 Uhren. „Letztes Jahr waren es 366 – es war Schaltjahr.“

„Ticken der Uhren beruhigt mich“

Etwas verrückt sei er schon, räumt der Rentner ein. „Meine Bekannten sagen oft, dass ich nicht mehr richtig ticke“, sagt er und grinst. „Aber ich mag Uhren eben. Ich mag ihr Ticken, es beruhigt mich – und man ist nie allein.“ Zwischen 70 und 80 Euro gibt Stechbarth im Monat für Batterien aus. „Die Kuckucksuhren ziehe ich alle paar Tage auf.“ Besonders viel zu tun hat er, wenn Zeitumstellung ist. „Ich nehme mir drei Tage Zeit, um alle Uhren umzustellen. Es soll ja Spaß machen.“ Ganz bewusst stellt er alle unterschiedlich ein. „Man hat mehr davon, wenn sie zeitlich etwas versetzt läuten.“ Oder bimmeln, rattern, schlagen, trällern, piepen, rufen und pfeifen. In dem Wohnzimmer geht es zu wie am Bahnhof.

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Uhren erinnern an Reisen

Belebte Plätze liebt der ehemalige Lufthansa-Koch. „Ich gehe gern zu Veranstaltungen und beobachte die Leute. Kocherlball, Oper für alle – es gibt so viele tolle Veranstaltungen in München. Da muss ich gar nicht wegfahren. Zu meinem Geburtstag habe ich mich in den Biergarten am Viktualienmarkt gesetzt.“ Allein. Und das sei gut so. „Ich bin schon eher ein Einzelgänger. Da kann ich tun und lassen, was ich will.“

Dschungelbalkon: Der ehemalige Koch erfreut sich an seinen Orchideen und pflanzt selbst Tomaten an.

Seine Uhren erinnern ihn an die vielen Reisen. Nie vergessen wird er seinen Tunesien-Urlaub, wo er vor dem Rückflug eines seiner tickenden Souvenirs in den Koffer gepackt hatte. „Was meinen Sie, was da am Flughafen los war!“ Seit 1983 lebt der gebürtige Traunreuter schon in seiner Wohnung. „Ich lebe sehr gern hier und habe das große Glück, dass ich die Wohnung damals gekauft habe. Für 140 000 Mark. Heute ist sie ungefähr 350 000 Euro wert.“ Der Sammler hat keine Erben. „Wenn ich mal nicht mehr bin, geht mein Nachlass an die Münchner Stiftung vom Ehepaar Steinberg. Das habe ich alles schon geregelt.“

Bunter Balkon: Gartenzwerge und Länderfahnen

Die Bebauung des Paulaner-Grundstücks mit rund 1500 Wohnungen sieht er mit gemischten Gefühlen. „Ich bin dafür, dass Wohnungen gebaut werden, München braucht Wohnungen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie das mit dem Verkehr werden soll. Die Straßen sind schmal und es gibt jetzt schon keine Parkplätze mehr.“ Auch bei ihm selbst wird es noch voller werden, wenn der ein oder andere „Zaungast“ dazukommt – die vielen Gartenzwerge inmitten von Länderfahnen, die er am Balkon angebracht hat, weisen schon von Weitem darauf hin: Hier wohnt ein bunter Vogel.

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Von Daniela Schmitt

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