Kulturzentrum benötigt Umbau

Streit um Gasteig-Sanierung - jetzt äußern sich Geschäftsführer und Bürgermeister

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Der Gasteig stammt aus dem Jahr 1985 - ab 2021 soll er generalsaniert und optisch umgebaut werden.

Wie wird der Gasteig künftig aussehen? Darüber wird nun weiter debattiert. Dabei sind die verschiedenen Seiten weiter uneins. Der Chef des Kulturzentrums und der Bürgermeister verstehen die Aufregung nicht.

München - Es dürfte ein turbulentes Treffen werden: An diesem Mittwoch kommt der Aufsichtsrat des Kulturzentrums am Ga­steig zu einer Sondersitzung zusammen. Gasteig-Chef Max Wagner sowie der Aufsichtsratsvorsitzende und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) hatten sie in der Vorwoche einberufen. Grund: Eike Rollenhagen, der zusammen mit drei weiteren Architekten den mächtigen Gebäudekomplex entworfen hat, hat eine „Denkschrift“ verfasst, wie er sich den geplanten Umbau vorstellt.

Klingt nicht weiter dramatisch, doch die SPD-Fraktion im Stadtrat hatte am Montag publik gemacht, die architektonischen Väter des Gasteigs würden Urheberrechte geltend machen. Die Generalsanierung des größten Kulturzen­trums Europas sei dadurch gefährdet. Ihre Mitteilung versah die SPD mit einer scharfen Kritik an Bürgermeister Schmid und Gasteig-Boss Wagner. Beide hätten versäumt, die Frage des Einverständnisses der Urheberrechtsinhaber zu klären.

Wundert sich über das Vorgehen der SPD: Max Wagner ist Geschäftsführer des Gasteig.

Gasteig-Chef Wagner spricht von „künstlicher Aufregung“

Stimmt nicht, sagt der Gasteig-Geschäftsführer. „Es wird eine künstliche Aufregung produziert“, so Wagner. Das Vorpreschen der SPD sei ein „seltsamer Vorgang“. Rollenhagen habe keinen Einspruch erhoben, sondern nur auf Punkte hingewiesen, die ihm wichtig seien. Zum Beispiel den Erhalt der Ziegelfassade.

Am Freitag wird von einer Jury der Siegerentwurf für den geplanten Umbau gekürt. Dieser soll von 2021 bis 2026 erfolgen und 450 Millionen Euro kosten. Erst wenn klar sei, welcher Entwurf zum Zuge kommt, könne überhaupt Einspruch erhoben werden, erklärt Wagner und fügt an: „Aber Rollenhagen will ja gar nicht klagen.“

Für Schmid nur „eine billige Wahlkampfklamotte“

Man sei mit dem Architekten in ständigem Dialog und werde ihn und seine früheren Kollegen auch in die weiteren Planungen miteinbeziehen. Wagner befürchtet nicht, dass der Zeitplan in Gefahr sein könnte. Bürgermeister Schmid, der für die CSU in Pasing für den Landtag kandidiert, hatte bereits am Montag von einer „billigen Wahlkampfklamotte“ gesprochen. Grünen-Fraktionschef Florian Roth stellt sich unterdessen auf die Seite der SPD: „Auch mir sind Probleme mit den Urheberrechts-Inhabern bekannt.“ FDP-Kultursprecher Wolfgang Heubisch betont: „Der Gasteig muss saniert werden, allein schon wegen der klanglichen Ertüchtigung.“

Das Kulturzentrum wurde 1985 von der Architektengemeinschaft Raue, Rollenhagen, Lindemann und Grossmann konzipiert. In dem Komplex sind die zentrale Stadtbibliothek, die Volkshochschule, Teile der Hochschule für Musik und Theater und vor allem die Philharmonie untergebracht.

kv/ska

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