Warum musste mein Stefan sterben?

Toter in der Isar: Jetzt spricht seine Mutter

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Gleisarbeiter Stefan D. ertrank in den reißenden Fluten der Isar.

München - Was hat Stefan D. († 22) nur dazu gebracht, an der Braunauer Brücke in die reißende Isar zu steigen? Immer wieder stellt sich seine Mutter diese Frage.

Kim D. (53) ist die Mutter des ertrunkenen Mannes, der am Donnerstag am Deutschen Museum aus dem Fluss geborgen wurde. An eine Wette glaubt sie nicht – sondern an einen Unfall, wie sie der tz sagt. Die Anzeichen sprechen aber eine eigene Sprache. Und die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung.

Identität durch Obduktion bestätigt

Kim D. (53).

Wochenlang plagten Kim D. aus Pasing große Sorgen. Wo ist ihr Stefan? Ist ihm etwas zugestoßen? Am Donnerstagabend ereilte sie die schockierende Nachricht: Ihr Sohn ist tot. Er wurde nur 22 Jahre alt und ist offenbar bereits am Freitag, dem 22. Mai, in der Isar ertrunken. Erst vier Wochen später wurde sein lebloser Körper an der Museumsinsel gefunden. Unfassbar: Sein Kumpel Andre S. (18) hat ihn entdeckt (tz berichtete).

Die Obduktion bestätigte die Identität endgültig. „Am Anfang war ich noch relativ ruhig“, erklärt Kim D. „Stefan war als Gleisbauer oft tagelang unterwegs. Gemeldet hat er sich aber oft.“ Als sie eine Woche lang kein Lebenszeichen von ihm vernimmt, wird sie ungeduldig. Sie meldet ihren Sohn, der zuletzt in ­Dachau gewohnt hat, Ende Mai bei der Polizei als vermisst.

Es vergehen Wochen, die Suche nach Stefan D. verläuft ohne Erfolg. Keine Spur, keine Anhaltspunkte. Erst am vergangenen Mittwoch – einen Tag vor dem Leichenfund – kommt die Sache in Schwung. Die Polizei bestätigte am Freitag, dass sich drei Arbeitskollegen D.s bei der Inspektion in Fürstenfeldbruck gemeldet hatten. Und sie lieferten eine heiße Spur. Ihren Angaben zufolge hatten sie Stefan D. an jenem Freitag zuletzt gesehen. Angeblich sagte er schon am Morgen, er wolle durch die Isar schwimmen. Doch die Kollegen nahmen seine Worte nicht ernst. Kurz vor 14 Uhr sollen sie ihn noch von der Braunauer Brücke aus beobachtet haben, wie er Richtung Ufer marschierte.

"Ich trage sein Lächeln in meinem Herzen"

Doch warum informierten seine Kollegen nicht gleich die Polizei oder machten sich auf die Suche? Kim D. sagt: „Ich verstehe nicht, warum sie so lang gewartet haben!“ Ein möglicher Grund: Auch von einer ominösen Wette ist die Rede. Nach tz-Informationen habe jemand dem 22-Jährigen 1000 Euro geboten, würde er in die Isar springen. Bei Hochwasser!

Kim D. geht nach zwei Jahren – damals hatte sie ihren Mann († 51) nach einem Krebsleiden verloren – jetzt wieder durch die Hölle. Sie sagt: „Ich habe sieben Kinder. Nach Stefans Tod muss ich auch für sie stark sein. Durch den Tod meines Mannes habe ich gelernt, mit Verlusten besser umzugehen.“ Mit ihrem Sohn hat die 53-Jährige einen liebevollen Menschen verloren. Ihr einziger Trost: „Ich trage sein Lächeln in meinem Herzen. Stefan ist jetzt bei seinem Papa. Und da geht es ihm gut.“

Die Dachauer Firma, für die Stefan D. gearbeitet hat, war am Freitag für die tz nicht zu erreichen.

Johannes Heininger, Jacob Mell

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