Haidhausen

Trotz Denkmalschutz: Und wieder stirbt ein Stück München!

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Können nichts mehr tun: (v.li.) Robert Hölzl, Dieter Klein und Florian Grüning von den Altstadtfreunden Münchens vor dem halb abgerissenen Haus Hochstraße 9.

Für viele Haidhauser ist es schlichtweg ein Jammer: An der Hochstraße unweit des Gasteigs landet wieder ein Stück altes München im Abrisscontainer. Obwohl das Haus aus dem 19. Jahrhundert offiziell ein Baudenkmal ist, muss es weichen – an seiner Stelle wird ein weiteres Hotel errichtet.

Haidhausen - Das kleine, zweigeschossige Häuschen, Hausnummer 9, mit Satteldach und Rundbogenfenstern im ersten Stock muss einem Hotelneubau weichen. Obwohl der spätklassizistische Bau, – laut Landesamt für Denkmalpflege ein Bauwerk der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – , eigentlich im Bayerischen Denkmal-Atlas gelistet ist.

„So viele von solchen Gebäuden haben wir nicht mehr in München, dass wir es uns leisten könnten, es einfach abzureißen“, sagt Dieter Klein von den Altstadtfreunden München. In der Initiative haben sich mehrere Bürger zusammengeschlossen, die sich für den Schutz des baFulichen Erbes der Stadt engagieren und sich kitisch mit allen städtebaulichen Entscheidungen auseinandersetzen. Klein selbst hat schon viele Abrisse erlebt und dokumentiert. 30 Jahre hat er den Münchner Abreisskalender erstellt mit Gegenüberstellungen abgerissener Bauten und ihrer Nachfolge-Objekte. Auch das Haus in der Hochstraße 9 hat er sich genau angeschaut, genauso wie den Entwurf für den Neubau. „Kanaldeckelarchitektur“ nennt er die Stahl-Glas-Kontruktion, vor allem in Bezug auf das bei Architekten oft angesagte Grau.

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Mehr als sich aufregen, können jedoch auch die Altstadtfreunde nicht. Das Schicksal des Häuschens ist seit langem besiegelt: Bereits 2004 hatte die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt den Abriss in der Hochstraße 9 genehmigt. Grund dafür: die damalige Rechtslage. Dieser zufolge bestand gerade für so kleine zweigeschossige Gebäude ein viel höheres Baurecht. „Hätte man das dem Bauherren nicht zugestanden, wäre eine finanzielle Entschädigung fällig gewesen“, erklärt Thorsten Vogel, Sprecher des städtischen Planungsreferats.

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„Da gab es kein Zurück für die Stadt“

Damals sei noch geprüft worden, ob das Baurecht in einen anderen, nicht denkmalgeschützen Bereich des Grundstücks verlegt werden könnte. Doch auch das war nicht möglich. „Schweren Herzens“ habe man daher damals eine Abrissgenehmigung erteilt. Die habe sich der Bauherr regelmäßig verlängern lassen. „Da gab es kein Zurück mehr für die Stadt“, erklärt Vogel. Heimatschützer und Landesamt für Denkmalschutz seien in die Entscheidung eingebunden gewesen. Die Vorgabe der Denkmalschützer: Das Haus musste zumindest genau dokumentiert und fotografiert werden. „Das Landesamt für Denkmalschutz hatte sich gegen den Abriss ausgesprochen“, sagt Sprecherin Alexandra Beck. Doch die Entscheidung liege letztendlich bei der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt. Im vergangenen Jahr wurde laut Vogel dann auch die Baugenehmigung erteilt für ein Hotel mit 67 Zimmern und Tiefgarage.

„Man reibt sich schon verwundert die Augen“, sagt Florian Grüning von den Altstadtfreunden. „Da steht ein Gebäude schon mal unter Denkmalschutz und trotzdem gelingt es nicht, es zu retten.“ Zumal es bei anderen Häuschen in Haidhausen, die auch aus dieser Zeit stammen, anders gelaufen sei. Obwohl sie zudem in teils katastophalem Zustand gewesen seien.

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Die Fassade wirkte ordentlich, die Fenster intakt

Nicht so in der Hochstraße 9. Über und neben dem Eingang prangte noch das ehemalige Firmenschild von „Stortz & Raisig , Orthopädische Werkstätten“. Die Fassade wirkte ordentlich, die Fenster intakt. Auf der Bautafel am Gerüst ist die „HIG Hotel Investor Projekt München Hochstrasse 9 GmbH“ als Bauherr genannt, die einzige Telefonnummer, die man dazu im Internet findet, ist jedoch falsch.

Über dem Eingang prangte noch das ehemalige Firmenschild.

Doch zu rütteln gibt es an dem Abriss ohnehin nichts mehr. Vor kurzem rollten die Bagger an. Das Satteldach ist bereits verschwunden. Im Hinterhof türmt sich der Schutt. Und bald gibt es die alte Hochstraße 9 nur noch auf Fotos.

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